Amtsinhaber und Herausforderer streiten in Honduras um Sieg bei Präsidentenwahl

Oppositionskandidat Salvador Nasralla

Nach der Präsidentschaftswahl in Honduras streiten Amtsinhaber Juan Orlando Hernández und Herausforderer Salvador Nasralla um den Sieg. Nach Auszählung von mehr als der Hälfte der Stimmen kam Nasralla auf gut 45 Prozent, wie das Oberste Wahlgericht am Montag mitteilte. Amtsinhaber Hernández lag demnach mit gut 40 Prozent an zweiter Stelle; beide beanspruchten den Sieg für sich.

Nasralla hatte bereits in der Nacht einen Sieg von Hernández in Abrede gestellt und sich selbst zum Sieger erklärt. "Da sich die Tendenz nicht ändert, kann ich Euch sagen, dass ich der neue Präsident von Honduras bin", sagte Nasralla vor seinen Anhängern in der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa. Er liege bei den Wahlergebnissen vorn und könne nicht mehr eingeholt werden, fügte der 64-jährige ehemalige Fernsehmoderator hinzu. Er war für das Bündnis Allianz gegen die Diktatur angetreten.

Wenige Stunden vor Nasralla hatte sich Hernández zum Wahlsieger erklärt. Die Auszählung sei "klar und nicht zu beanstanden", sagte der 49-Jährige vor Anhängern seiner konservativen Nationalen Partei. "Wir haben die Wahl gewonnen." Später sagte er, die bisher ausgezählten 57 Prozent der Stimmen seien nicht repräsentativ, da sie lediglich aus den großen Städten des Landes stammten.

Der seit 2013 amtierende Hernández hatte erneut kandidiert, obwohl die Verfassung eine zweite Amtszeit verbietet. Doch ermöglichte der Oberste Gerichtshof des zentralamerikanischen Landes in einer umstrittenen Entscheidung eine neuerliche Kandidatur.

Die Opposition hatte vor Wahlbetrug gewarnt. Nasralla und der mit knapp 14 Prozent bislang drittplatzierte Luis Zelaya von der Liberalen Partei kündigten an, eine Wiederwahl von Hernández nicht zu akzeptieren.

Insgesamt waren rund 16.000 Wahlbeobachter im Einsatz, darunter 600 aus der Europäischen Union (EU). Die portugiesische Europaparlamentsabgeordnete Marisa Matias sagte, der Wahlverlauf sei "ruhig" gewesen. Die Bewertung sei "bislang positiv". Die Regierung hatte 35.000 Polizisten und Soldaten zur Sicherung des Urnengangs abgestellt.

Die rund sechs Millionen Wahlberechtigten waren am Sonntag auch aufgerufen gewesen, über drei Vizepräsidenten, das 128-köpfige nationale Parlament, die Entsendung von 20 Vertretern in das Zentralamerikanische Parlament sowie über 298 Bürgermeister zu entscheiden.

Honduras zählt zu den ärmsten und gefährlichsten Ländern Lateinamerikas. Seit einem Militärputsch im Jahr 2009 gegen den damaligen Präsidenten Manuel Zelaya wegen seines Versuchs, die Verfassung zugunsten einer zweiten Amtszeit ändern zu lassen, wurden hunderte Bürgerrechtsaktivisten getötet.