Opposition in Venezuela ruft zu neuem Generalstreik auf

Tränengas gegen Demonstranten in Caracas

Die Opposition in Venezuela will den Druck auf Präsident Nicolás Maduro mit einem neuen Generalstreik weiter erhöhen. "Wir rufen das gesamte Volk in allen Branchen zu einem 48-stündigen Streik auf", sagte der Abgeordndete Simón Calzadilla vom Oppositionsbündnis Tisch der demokratischen Einheit (MUD) am Samstag. Um die von der Regierung angestrebte Verfassungsreform zu stoppen, sei für Freitag außerdem ein Protestmarsch geplant.

Die Opposition protestiert seit Monaten gegen Maduro und läuft Sturm gegen seine Pläne, eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen. Deren Mitglieder sollen am kommenden Sonntag gewählt werden. Die Opposition wirft dem sozialistischen Staatschef vor, das Gremium mit eigenen Anhängern besetzen zu wollen, um sich "diktatorische Vollmachten" zu sichern. In der vergangenen Woche hatte die Opposition bereits einen eintägigen Generalstreik organisiert.

In der Hauptstadt Caracas löste die Nationalgarde am Samstag Proteste von Regierungsgegnern gewaltsam auf. Die Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein, dutzende Menschen wurden verletzt. Demonstranten errichteten brennende Barrikaden und blockierten damit bis in die Nacht mehrere Straßen.

Bei den Zusammenstößen wurde auch der Musiker Wuilly Arteaga verletzt, der die Kundgebungen der Opposition regelmäßig mit seiner Geige begleitet. Der 23-Jährige wurde mit einer blutenden Wunde im Gesicht in ein Krankenhaus gebracht.

Die konservative Opposition kämpft für eine Amtsenthebung Maduros, den sie für die schwere Wirtschaftskrise und die dramatischen Versorgungsengpässe im Land verantwortlich macht. Seit dem Beginn der Protestwelle Anfang April wurden bereits 103 Menschen getötet und tausende weitere verletzt.