Opposition sieht in TV-Duell Signal für Fortsetzung der großen Koalition

Nach dem TV-Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz haben Linke und Grüne den Regierungsparteien vorgeworfen, auf eine Neuauflage der großen Koalition zuzusteuern

Nach dem TV-Duell von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihrem SPD-Herausforderer Martin Schulz haben Linke und Grüne den Regierungsparteien vorgeworfen, auf eine Neuauflage der großen Koalition zuzusteuern. Der am Sonntagabend ausgestrahlte Schlagabtausch sei eigentlich kein Duell gewesen, sondern eine "großkoalitionäre Therapieveranstaltung", sagte Linken-Spitzenkandidat Dietmar Bartsch am Montag in Berlin. CSU-Chef Horst Seehofer warnte die Union vor verfrühter Siegesgewissheit, bei der SPD gab es Kritik am Format der Sendung.

Die Ko-Spitzenkandidatin der Linken, Sahra Wagenknecht, sprach von einer "großkoalitionären Kuschelrunde". Es habe sich gezeigt, dass sich das Format eines Duells von Union und SPD überlebt habe, "wenn man die Unterschiede mit der Lupe suchen muss". Sie kritisierte insbesondere, dass das Thema der sozialen Gerechtigkeit "nur am Rande gestreift wurde". Die Kinderarmut oder der Reichtum Einzelner etwa seien nicht zur Sprache gekommen.

Grünen-Chef Cem Özdemir bemängelte, dass die beiden Kandidaten von Union und SPD nichts zu Klima und Bildung gesagt hätten. "Wann geht's eigentlich mal um die Zukunft?", schrieb der Spitzenkandidat seiner Partei im Kurzbotschaftendienst Twitter. Ko-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt sagte in Berlin: "Das war kein Duell, das war ein Duett der großen Koalition." Es hätten zwei miteinander gesprochen, die gemeinsam regieren wollten.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann erwartet von dem TV-Duell Rückenwind für seine Partei für die Bundestagswahl am 24. September. Schulz habe in vielen Bereichen gepunktet, sagte er in Berlin. Er warf den beteiligen Fernsehanstalten aber vor, den Schlagabtausch schlecht organisiert zu haben. Er wünsche sich ein TV-Modell, bei dem die Alltagssorgen stärker im Vordergrund stehen.

Bei dem über 90 Minuten langen TV-Duell vom Sonntagabend war es in weiten Teilen um außenpolitische Fragen wie die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei oder Nordkorea gegangen. Umfragen zufolge ging Merkel als Siegerin aus dem Schlagabtausch hervor.

CSU-Chef Horst Seehofer warnte die Unionsparteien nach dem TV-Duell vor Übermut. Er empfehle mit Blick auf die Bundestagswahl dringend, "auf dem Boden zu bleiben", sagte Seehofer der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe). Das Duell sei für die Union zwar "gut verlaufen, weil die Kanzlerin auch auf die Angriffe von Martin Schulz souverän reagiert hat", sagte Seehofer. Das erwarteten die Menschen aber auch von einer Kanzlerin.

Der CSU-Vorsitzende schränkte zugleich ein: "Erstens haben wir das Problem, unsere Anhänger zu mobilisieren. Die könnten ja jetzt glauben, es ist schon alles gelaufen." Das sei aber nicht der Fall. "Und zweitens wissen wir nicht um die Auswirkungen dieses Duells auf die kleinen Parteien."

Das diesjährige TV-Duell lockte weniger Zuschauer vor den Bildschirm als 2013. Insgesamt schauten sich gut 16 Millionen die Übertragung an, wie die ARD mitteilte. Vor vier Jahren hatten sich 17,6 Millionen Menschen den Schlagabtausch zwischen Merkel und ihrem damaligem SPD-Herausforderer Peer Steinbrück angeschaut. Die diesjährige Sendung erzielte einen Marktanteil von knapp 46 Prozent.