Operkritik: "Die Perlenfischer" mit staunender Naivität

Die Sänger Wolfgang Schöne (Nourabad, Mitte) und Olga Peretyatko-Mariotti (Leila) in Wim Wenders Operninszenierung von Bizets „Die Perlenfischer“

Schwarz-weiß sind die Erinnerungen – und wunderschön. Immer, wenn Nadir, Zurga und Leïla von der Vergangenheit singen, geht ein Gazevorhang runter und der Film an. Da sieht man wehende Palmen, Gesichter in Großaufnahme, Augen im Gefühlsüberschwang. Und das alles dunkel glühend, wie im Traum, von einer Tiefe, die an aufwändige Kunstfotografien erinnert.

Wir sind in der Staatsoper im Schiller Theater und doch im Kino: Wim Wenders, der weltberühmte Regisseur mit Wohnsitz in Berlin, widmet sich auf Einladung von Daniel Barenboim zum ersten Mal dem Musiktheater. Dazu hat er sich Georges Bizets Frühwerk "Die Perlenfischer" ausgesucht. 1863 uraufgeführt, steckt es voll herrlicher Musik, die zuweilen deutlich an Giacomo Meyerbeer, Charles Gounod und Guiseppe Verdi erinnert, aber auch viele ganz eigene, Bizet'sche Momente besitzt: Rhythmen, die schon "Carmen" vorwegnehmen, Arien, die originell italienische Glut und französische Leichtigkeit miteinander verbinden, äußerst wirkungsvolle Chöre. Und natürlich das berühmte Duett zwischen den Freunden Nadir und Zurga, ein Wunschkonzert-Hit, das sich als Motiv durch die ganze Oper zieht.

Das Libretto freilich gehört zu den problematischen Seiten des Werks. Was soll man heute mit der Exotismus-Sehnsucht des 19. Jahrhunderts anfangen? Bizet selbst war's egal, ob "Die Perlenfischer" in Mexiko oder Ceylon spielen, auch die Musik wird da nie spezifisch: Nadir und Zurga sind Freunde, verlieben sich beide in Leïla, verzichten aber auf sie, um diese F...

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