Oper und Schauspielhaus: Interne Unterlagen belegen riskanten Zeitplan

Der Zeitplan kann nur eingehalten werden, wenn keine Probleme auftreten.

Die Sanierung der Oper und des Schauspielhauses soll voraussichtlich Ende 2022 abgeschlossen sein und bis zu 570 Millionen Euro kosten – diese Zahlen hat der Technische Betriebsleiter der städtischen Bühnen, Bernd Streitberger, Anfang Juli bekannt gegeben.

Eine Garantie dafür, dass es bei dieser Zeitspanne und diesen Kosten bleibt, wollte er aber nicht abgeben. Das wirft die Frage auf, wie zuverlässig die Berechnung Streitbergers tatsächlich ist.

Ausgerechnete Schlüsselübergabe zunächst 16. August 2024

Interne Unterlagen des Projekts – die dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ vorliegen – belegen, dass das Team des Technischen Betriebsleiters zunächst den 16. August 2024 als Termin für die Schlüsselübergabe ausrechnete.

Nach einer Überarbeitung wurde daraus innerhalb nur weniger Wochen der 31. Oktober 2022 – also der Tag, den Streitberger Anfang Juli bei einer Pressekonferenz offiziell verkündete. Doch wie konnte es dem Technischen Betriebsleiter und seiner Mannschaft gelingen, den Fertigstellungstermin um fast zwei Jahre nach vorne zu verlegen?

Die Antwort findet sich in den internen Unterlagen. Dort heißt es: „Abweichend von der ursprünglichen Vorgabe des Auftraggebers »erst planen, dann bauen!« ist zur Optimierung der Projektlaufzeit aktuell eine Verschränkung von Planungs- und Bauzeit vorgesehen worden.“ Um „Zeit und Kosten zu sparen“, sollen verschiedene Baumaßnahmen „vorgezogen vergeben und ausgeführt“ werden.

So soll bereits auf Basis einer Entwurfsplanung die Vergabe an Baufirmen vorbereitet werden, während das üblicherweise erst nach der deutlich präziseren Ausführungsplanung geschieht. Diese Abweichung vom herkömmlichen Verfahren birgt allerdings erhebliche Risiken.

Kommission empfielt: Erst planen, dann bauen

So empfiehlt etwa die Reformkommission zum Bau von Großprojekten des Bundesverkehrsministeriums ausdrücklich, erst zu planen und dann zu bauen – und nicht beides miteinander zu vermischen, wie es die städtischen Bühnen jetzt vorhaben.

Auch die internen Unterlagen der Bühnensanierung bestätigen, dass die Entscheidung, unmittelbar nach der Entwurfsplanung mit einer vorgezogenen Auftragsvergabe an die Baufirmen zu beginnen, mit „nicht vermeidbaren, zusätzlichen Risiken“ einhergeht.

Bauunternehmer könnten Nachforderungen stellen

So könnte es etwa passieren, dass die Bauunternehmen später aufgrund einer Planungsunschärfe berechtigte Nachforderungen stellen. Es könne zudem zu „Kostensteigerungen“ und „Bauzeitenverlängerungen“ kommen, heißt es in dem Dokument weiter.

„Man muss abwägen, ob man das Risiko eingehen will, das in der vorgesehenen Abwicklungsweise steckt“, sagt der in Großprojekten erfahrene Münchener Architekt Georg Brechensbauer. Würde man mehr Zeit in die Planung investieren, könne man das Risiko reduzieren.

„Es ist nicht unkritisch, wenn beispielsweise auf Drängen des Auftraggebers wesentliche Leistungen aus späteren Leistungsphasen vorgezogen bearbeitet werden sollen“, sagt Ronny Herholz, Geschäftsführer beim Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung. Das störe den systematischen Aufbau der aufeinander aufbauenden Leistungsphasen teilweise empfindlich.

Mitunter gebe es allerdings praktische Gründe für ein solches Vorgehen. „Hieraus können sich aber Unklarheiten und Probleme insbesondere im Bereich des planerischen Leistungssolls und der Gewährleistung ergeben“, warnt Herholz.

„Reserve- und Pufferzeiten sind nicht enthalten“

Streitbergers Planungsteam – zu dem neben den Mitarbeitern der städtischen Bühnen auch Vertreter des Architekturbüros HPP und des Technikplaners Innius RR sowie der externe Projektsteuerer Turadj Zarinfar gehören – weist in den internen Unterlagen darauf hin, dass die Ermittlung der Termine abschließend von einem „ungestörten Planungs- und Ausführungszeitraum“ ausgehe.

„Reserve- und Pufferzeiten sowie Zeitansätze aus der Risikoanalyse sind nicht enthalten“, heißt es weiter. Mit anderen Worten: Um das Ziel Schlüsselübergabe am 31. Oktober 2022 tatsächlich zu erreichen, muss auf der Baustelle alles glatt ablaufen. Sollte das nicht der Fall sein, könnte sich die Sanierung also wohl doch noch über das Jahr 2022 hinaus verzögern – und somit auch teurer werden.

„Da wir durch das Vergabeverfahren die Kalkulation der Firmen kennen, halten wir dieses Risiko für beherrschbar und für wesentlich geringer als die Chancen durch die Zeitersparnis“, sagte Christopher Braun, Sprecher der Bühnensanierung, auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Es handele sich nicht um eine politische Entscheidung, sondern um eine des Technischen Betriebsleiters, die sich an dem Motto „schnellstmögliche Fertigstellung zu den geringstmöglichen Kosten bei größtmöglicher Qualität“ orientiere.

Verfahren noch bei keiner anderen Baustelle eingesetzt

Die Frage, ob die von Streitberger und der Stadt gewählte Methode auch schon bei anderen Projekten städtischen Projekten zum Einsatz gekommen ist, verneint Braun. „Uns sind keine anderen Baustellen bekannt, die dieses Verfahren anwenden“, sagt der Sprecher.

Ob der 68 Jahre alte Bernd Streitberger das Projekt zum Zeitpunkt der Schlüsselübergabe noch leiten wird, ist zurzeit unklar. Sein Vertrag als Technischer Betriebsleiter läuft lediglich bis zum 31. Dezember 2019 – mit einer Option auf Verlängerung bis Ende 2020....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta