Opel will laut Bericht Tariferhöhung stunden

Opel-Werk in Rüsselsheim

Der Rüsselsheimer Autobauer Opel will laut einem Medienbericht die vereinbarte Tariferhöhung stunden. Die "Wirtschaftswoche" zitierte aus einer Mitteilung des Betriebsrats an die Mitarbeiter, wonach sich das Management eine "vorläufige Stundung der Umsetzung der Tariferhöhung" wünsche. Entsprechende Verhandlungen könnten nicht kommentiert werden, sagte ein Opel-Sprecher am Mittwoch. Eigentlich sollen die Mitarbeiter ab 1. April 4,3 Prozent mehr Lohn bekommen.

Dem Bericht zufolge soll die Erhöhung erst Ende des Monats ausgezahlt werden. Die im März fällige Einmalzahlung von 100 Euro soll demnach aber in diesen Tagen überwiesen werden. Für eine Stundung müsste die Opelführung mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall eine Zusatzvereinbarung zum Flächentarifvertrag schließen. Das Opelmanagement habe aber nicht die Absicht, aus dem Tarifvertrag auszusteigen, versicherte der Sprecher.

Die Lohnerhöhung hatte die IG Metall erst Anfang Februar nach bundesweiten Warnstreiks durchgedrückt. Es wäre aber nicht das erste Mal, dass Opel eine Tariferhöhung stundet: Schon 2014 hatten die Mitarbeiter erst ein Jahr später als der Rest der Branche mehr Gehalt bekommen.

Opel versucht derzeit, seine Lohnkosten deutlich zu senken. Dazu legte der Konzern im Dezember Programme für Altersteilzeit und Vorruhestand sowie am Dienstag ein Programm für freiwillige Abfindungen auf. Die ersten beiden Programme würden "sehr gut" angenommen, sagte der Sprecher. "Es bleibt der klare Plan des Unternehmens, betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen zu vermeiden", hatte der Konzern am Dienstag erklärt.

Bis Ende des Jahres ist Opel vertraglich verpflichtet, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Außerdem gibt es eine Zusage des neuen Eigentümers, der französischen PSA-Gruppe, bis 2020 in die Opel-Werke zu investieren. Opel beschäftigte mit der britischen Schwestermarke Vauxhall Ende vergangenen Jahres 35.700 Mitarbeiter in Europa, 19.000 davon in Deutschland.

Die Marke Opel schreibt seit Jahren tiefrote Zahlen. Vergangenes Jahr lag der operative Verlust bei 179 Millionen Euro.