Opel-Betriebsrat stemmt sich gegen Ausverkauf – Forderungskatalog an Geschäftsleitung

In einem Rundschreiben macht der Opel-Betriebsrat klar: Den Verkauf von Kernsparten will er nur in gleichberichtigten Joint Ventures akzeptieren.


Nach fast 20 verlustreichen Jahren hat Opel die Trendwende erreicht. Unter dem Dach der neuen französischen Mutter PSA (Peugeot, Citroen) erwirtschaftete das hessische Traditionsunternehmen im ersten Halbjahr 2018 erstmals wieder einen Betriebsgewinn von mehr als 500 Millionen Euro.

Trotz des positiven Ergebnisses ist die Stimmung am Konzernsitz in Rüsselsheim derzeit getrübt. „Halbjahresgewinn oder nicht – PSA wird uns als Beschäftigten nichts schenken“, erklärt Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug am Montag in einer E-Mail an die Belegschaft, die dem Handelsblatt vorliegt.

Was den Arbeitnehmervertreter besonders umtreibt: Opel erwägt einen Teilverkauf des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim (ITEZ). Konkret könnten die Antriebssparte, das Fahrzeug-Engineering, das Testzentrum in Dudenhofen und der Werkzeugbau veräußert oder in eine strategische Partnerschaft überführt werden. Über derartige Pläne berichtete das Handelsblatt bereits Ende Mai und zuletzt auch die französische Zeitung „Le Monde“.

Schäfer-Klug stemmt sich vehement gegen einen solchen „Ausverkauf“ bei Opel. Es geht mit dem ITEZ, in dem mehr als 7.000 Entwickler arbeiten, schließlich um den technologischen Kern der Marke mit dem Blitz. Für den Fall, dass „die Geschäftsleitung überraschend mit einem mehr oder weniger fertigen Verkaufsangebot um die Ecke käme“, hat der Opel-Betriebsratschef bereits einen Forderungskatalog an die Geschäftsführung erstellt. Dieser liegt dem Handelsblatt vor.

Darin heißt es: „Wenn Partnerschaft, dann in Form eines Joint Ventures, an dem die Opel Automobile mindestens 50 Prozent hält“. Denn nur so könne sichergestellt werden, dass die Bereiche weiterhin zur Opel-Gruppe gehören und vom Konzernbetriebsrat repräsentiert werden können.


Der etwaige Joint-Venture-Partner müsse zudem der deutschem oder europäischem Mitbestimmung unterliegen, den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie beitreten, dauerhaft Gewinn erwirtschaften und die Kultur der Firma müsse mit den „Wertvorstellungen der Opel Automobile vereinbar“ sein.

Es brauche zudem einen „überzeugenden Business Case“ mit klaren Investitionszusagen für das ITEZ, heißt es in dem Forderungskatalog. Der Opel-Betriebsrat drängt weiters auf eine Standortsicherung für die in das etwaige Joint Venture eingebrachten Teil des ITEZ. Geltende Betriebsvereinbarungen, Tarifverträge sowie Kündigungsschutzzusagen müssten darüber hinaus vereinbart werden. Insbesondere der Kündigungsschütz dürfte Schäfer-Klug ein großes Anliegen sein.

In dieser Woche stimmen die Opelaner über einen neuen Tarifvertrag ab. Darin enthalten ist bei Zustimmung ein Kündigungsschutz bis zum 31. Juli 2023. „Dieser ist allein deshalb so wichtig, weil weder Betriebsrat noch IG Metall über eine wirtschaftliche Mitbestimmung verfügen, um möglichen Schaden der Marke Opel und die Standorte durch das Management zu verhindern“, schreibt Schäfer-Klug in seiner E-Mail an die Belegschaft.


Die Beschäftigten in Eisenach starten unterdessen nach dreiwöchigen Werksferien verspätet in den regulären Zwei-Schicht-Betrieb. Dieser solle erst mit der Frühschicht am 13. August beginnen, hieß es am Montag in dem Thüringer Werk des Autobauers. In dieser Woche ruhe die Fertigung noch, sei der Belegschaft bei Informationstreffen im Werk mitgeteilt worden. Nach Opel-Angaben waren die Mitarbeiter entsprechend ihrer Schichtpläne zu Informationsveranstaltungen an ihre Arbeitsplätze gekommen.

Zum Schichtsystem in Eisenach wollte sich ein Opel-Sprecher in Rüsselsheim nicht äußern. Solche Angaben würden generell nicht gemacht, sagte er. In Medienberichten hieß es vor dem Ende der Werksferien, die Produktion in Eisenach könnte gedrosselt werden. In dem Thüringer Werk mit derzeit noch knapp 1800 Beschäftigten werden die Kleinwagenmodelle Corsa und Adam gebaut.

Mit Material von dpa.