Die OPEC hat eine Nachricht für die Schieferölfirmen, die ihnen nicht gefallen wird

Motley Fool Investmentanalyst

Der Generalsekretär der OPEC, Mohammed Barkindo, hat eine Botschaft für die Schieferölfirmen. Auf einem Energieforum in Indien sagte er: “Wir fordern unsere Freunde in den Schieferbecken Nordamerikas auf, diese gemeinsame Verantwortung mit dem ihm gebührenden Ernst zu übernehmen und eine der wichtigsten Lehren aus dem derzeitigen, einzigartigen, angebotsgesteuerten Zyklus zu ziehen.” Mit anderen Worten, übernehmt einen Teil der Verantwortung, um das Überangebot vom Markt fernzuhalten.

Sein Plädoyer kommt zu einem Zeitpunkt, da die US-Produktion in diesem Jahr ein bemerkenswertes Comeback hingelegt hat und im nächsten Jahr den Rekord von 9,6 Millionen Barrel pro Tag aus dem Jahr 1970 brechen wird. Die Botschaft wird jedoch vermutlich auf taube Ohren stoßen, da die Bohrer nicht an die OPEC gebunden sind, sondern an die Aktionäre. Die einzige Möglichkeit der OPEC, ihre Botschaft zu vermitteln, bestünde also darin, jene Sache zu kontrollieren, die Schieferbohrer brauchen, um die Bohrungen aufrechtzuerhalten. Das wäre zum Beispiel ein stabiler Ölpreis – es sei denn, die Aktionäre überzeugen sie davon, ihr Geld für etwas anderes als  mehr Bohrungen zu verwenden.

Wie es so weit kommen konnte

Der Ölmarkt versucht nach einem rasanten Abschwung, der durch einen Schwall an Überproduktion, der vor allem von US-amerikanischen Schieferbohrern ausgelöst wurde, wieder auf die Beine zu kommen. Die OPEC reagierte zunächst mit hoher Produktion und hoffte, den Schieferbohrern den Gar auszumachen. Doch anstatt die aufstrebende Industrie zu töten, hat sie sie nur stärker gemacht, weil der gute alte amerikanische Einfallsreichtum durch Effizienzgewinne und Innovation die Kosten gesenkt hat. Folglich geht es vielen Schieferbohrern jetzt bei 50 US-Dollar sehr gut.

Das ist ein Problem für die OPEC, weil sie versucht, den Ölmarkt wieder ins Gleichgewicht zu bringen, indem sie eine Produktionskürzung koordiniert, um überschüssige Bestände loszuwerden. Die Ölvorräte sind in diesem Jahr gefallen, aber nicht so schnell wie erhofft, weil die Schieferbohrer die Produktion sofort wieder hochgefahren haben.

Das einzige, das hilft

Während der OPEC-Generalsekretär eine gezielte Botschaft an die Schieferbohrer verkündete, bot er der Industrie auch einen Olivenzweig an. Er erinnerte sie daran, dass “wir alle letztendlich alle der gleichen Branche angehören und auf denselben Märkten agieren”. Er sagte daher, dass die an der aktuellen Kooperationserklärung teilnehmenden Länder “einige außergewöhnliche Maßnahmen” in Erwägung ziehen könnten, um ein nachhaltiges Gleichgewicht in der Branche langfristig sicherzustellen. In gewisser Weise schlug er vor, dass die OPEC alles tun würde, um den Markt zu stabilisieren, sodass die Preise für alle Erzeuger attraktiver würden.

Doch das einzige, das die Schieferbohrer dazu veranlasst, weniger zu produzieren, sind niedrigere Ölpreise. Das wird klar, wenn man einen Blick auf in die Vergangenheit wirft, als Öl Anfang des Jahres auf 40 US-Dollar pro Barrel fiel.

Als Reaktion auf diesen Rückgang senkte Whiting Petroleum (WKN:590101) seine Ausgaben drastisch und kürzte aus dem Budget für 2017 Ende Juli 150 Millionen US-Dollar, um die Investitionen besser mit dem Cashflow in Einklang zu bringen. Whiting musste aufgrund der Ausgabenkürzung zwei Bohranlagen aus dem Plan streichen, und nun ist die Produktion im vierten Quartal um 14 % höher als ursprünglich prognostiziert, sodass sie bis zum Jahresende um 23 % ansteigen wird.

Ebenso entfernte Pioneer Natural Resources (WKN:908678) 100 Millionen US-Dollar aus seinem Budget, nachdem die Fertigstellung von 30 Bohrlöchern auf nächstes Jahr verschoben worden war. Pioneer gab an, dass man die Produktion noch einmal hätte beschleunigen können, sich aber aufgrund des Preisumfeldes anders entschieden hatte. Pioneer erwartet, dass die Produktion am unteren Ende des Ausblicksbereiches liegen wird.

Die Aktionäre

Da die meisten Schieferbohrer nur dann weniger produzieren, wenn der Ölpreis sinkt, könnte die OPEC ihre Botschaft nur vermitteln, wenn sie die gegenwärtige Vereinbarung über die Produktionsminderung im März nächsten Jahres auslaufen lässt. Dies könnte genug Druck auf die Ölpreise ausüben, um eine Wiederholung dieses Jahres zu verhindern, als mehrere Schieferbohrer ihre Ausgaben stark erhöhten (beispielweise verdoppelte Whiting sein Budget).

Wenn die OPEC jedoch sieht, dass die Schieferbohrer ihre Verantwortung ernsthafter wahrnehmen, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie diese Vereinbarung verlängern wird, was die Preise stabil halten könnte. Beweise dafür wären, wenn Unternehmen wie Anadarko Petroleum (WKN:871766) ihre finanziellen Mittel verwenden würden, um Geld an die Investoren zurückzuzahlen anstatt die Produktion weiter zu erweitern.

Das ist ein Schachzug, der sich für die Investoren von Anadarko schon ausgezahlt hat, wenn man bedenkt, dass die Aktie nach der Ankündigung des 2,5 Milliarden US-Dollar-Rückkaufprogrammes stark stieg. Einer der Kurstreiber dafür ist, dass Anadarko bis zu 10 % seiner ausstehenden Aktien zurückziehen könnte, was den Gewinn pro Aktie um einen ähnlichen Prozentsatz erhöhen würde.

Wenn Aktionäre verlangen, dass mehr Bohrer ihre Barmittel einsetzen, um die Erträge anstelle der Produktion zu steigern, könnte es genau das Richtige für die Industrie sein. So könnte man verhindern, die OPEC zu Vergeltungsmaßnahmen zu verleiten.

Warten

Die OPEC will die Schieferbohrer zur Stabilisierung des Ölmarktes einsetzen. Doch Worte allein bringen sie nicht dazu,  weil sie den Aktionären Rechenschaft schulden. Folglich besteht die einzige Methode, die Produktion der Schieferproduzenten zu senken darin, deren Aktionäre dazu zu bringen, es von den Unternehmen zu verlangen.

Wenn die Bohrer clever sind, werden sie sehen, wie Investoren auf Anadarkos Rückkauf reagiert haben und anfangen, Pläne zu schmieden, um die Renditen der Aktionäre, anstatt nur die Produktion zu steigern.

The Motley Fool hält keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Matthew DiLallo auf Englisch verfasst und am 15.10.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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