Online-Shopping: Was heißt eigentlich „neu“?

Das Paket ist da! Aber ist sein Inhalt auch neu? (Bild: Getty Images/Mongkol Chuewong)

Geöffnete Verpackungen, Verbrauchsspuren, Weiterverkauf – und trotzdem neu? Wann können Händler ihre Ware als „neu“ bezeichnen und wann gibt das Gesetz klare Richtlinien vor?

Wenn Kunden etwas erwerben, das nicht als „gebraucht“ ausgeschrieben ist, erwarten sie in der Regel ein neues Produkt. Doch was das bedeutet, ist gesetzlich nicht festgelegt. Allerdings gibt es Grenzen, die arglose Kunden schützen sollen.

So muss ein „Neuwagen“ vor weniger als einem Jahr hergestellt worden sein, darf keine Standschäden aufweisen und nicht mehr als 1000 Kilometer auf dem Tacho haben. Nur dann gilt ein Auto als „fabrikneu“.

Bei anderen Produkten gibt es keine so genauen Vorgaben, da es hier in der Vergangenheit weniger Klagen vor Gericht gab. Denn da kein Gesetzbuch den Begriff „neu“ definiert, obliegt es im Streitfall stets einem Gericht, zu entscheiden, ob ein zum Verkauf angebotenes Produkt als „neu“ bezeichnet werden darf oder nicht.

Allerdings führt etwa „das einmalige An- und Ausschalten eines elektrischen Gerätes zu Testzwecken […] nicht dazu, dass das Produkt zu einer Gebrauchtware wird”, ist sich der Anwalt Christian Solmecke im Gespräch mit dem „Stern“ sicher. Auch sei eine geöffnete Verpackung kein Indiz dafür, dass es sich bei einem Produkt nicht um Neuware handle. Ähnlich verhalte es sich mit „neuer“ Kleidung, die zuvor von anderen Kunden anprobiert wurde.

Dagegen könne es bei zu langer Lagerung eines Produkts oder beim Benutzen zu Vorführzwecken im Geschäft durchaus zur Wertminderung kommen, wie der Händlerbund dem „Stern“ mitteilte. Gerade bei Ersatzteilen für Kraftfahrzeuge sind die Regelungen streng. Denn sensible Teile wie etwa Kugellager können bei langer Lagerung Schäden aufweisen. So entschied etwa ein Gericht bereits, dass solche Teile nach einer gewissen Lagerzeit gar nicht mehr verkauft werden dürfen.

Verkäufer sind in ihrer Einschätzung bezüglich der Neuwertigkeit ihrer Ware also relativ ungebunden – wenn es sich dabei nicht gerade um Fahrzeuge handelt. Allerdings sollten sie das Vertrauen ihrer Kunden nicht aufs Spiel setzen, wenn sie durch die Wahl allzu blumiger Begriffe den Wert ihrer Waren zu steigern versuchen. So kann auch schon eine geöffnete Verpackung – etwa bei Hightech-Geräten – zu einer gefühlten Wertminderung bei vielen potenziellen Käufern führen. Händler sind also gut beraten, ihren Kunden von vornherein reinen Wein einzuschenken, damit sie auch in Zukunft wieder bei ihnen bestellen.