Online-Optiker Mister Spex startet an der Börse: Experten sagen, ob sich der Einstieg für euch bei den Brillen-Aktien lohnt

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Mirko Casper (l.) und Dirk Graber, Chefs von Mister Spex, feiern den Börsenstart.
Mirko Casper (l.) und Dirk Graber, Chefs von Mister Spex, feiern den Börsenstart.

Die Börse kommt nicht zur Ruhe, ein Online-Händler nach dem anderen traut sich aufs Parkett: Vor zwei Wochen der Online-Modehändler About you, vor einer Woche der Online-Fahrradhändler Bike24 und jetzt der Nächste: Online-Brillenhändler Mister Spex vollführte seinen IPO (Initial Public Offering) und ist seit Freitag ein börsennotiertes Unternehmen.

Für die Gründer und Chefs Mirko Casper und Dirk Graber ein Grund zum Feiern. Der Börsengang sei ein „Meilenstein“ und „großer Moment“ für Mister Spex, sagte Caspar in Frankfurt, bevor er die Börsenglocke läuten durfte. „Das Potenzial war riesig und ist immer noch riesig.“ Mister Spex sei nicht hier, um „einfach mal an die Börse zu gehen“, sondern, um mit dem neuen Geld, die „Strategie und Vision des modernen Brillenkaufes“ überall in Europa zu „finanzieren und auszurollen“: „Wir werden jetzt noch weiter wachsen in Europa“, sagt Casper: „Wir bleiben hungrig.“

Mit dem Geld will der Brillen-Händler einen Kredit abbezahlen

Der Brillen-Händler startet mit einem Preis von 25,38 Euro an der Börse. Investoren können somit nur einen niedrigen Kursgewinn einfahren. Der Betrag liegt damit leicht über dem Ausgabepreis von 25 Euro je Aktie. Dieser liegt in der Mitte der zuvor bekannt gewordenen Preisspanne von 23 bis 27 Euro. Fazit: Die Nachfrage war moderat, das Unternehmen kann zufrieden sein, aber nicht übermäßig, es wurde mehr erhofft.

Insgesamt kommt das 2007 gegründete Unternehmen nun auf einen Wert von 829 Millionen Euro. Mit dem IPO kassiert der Berliner Online-Optiker insgesamt 375 Millionen Euro. Von diesem Emissionserlös fließen 245 Millionen Euro direkt in die Mister Spex Kasse, über den Rest – 130 Millionen Euro – freuen sich die Alt-Aktionäre.

Mit dem frischen Kapital will Mister Spex vor allem international expandieren. Nach eigenen Angaben betreibt der Brillen-Händler Online-Shops in zehn Ländern und mehr als 40 Geschäfte in Deutschland, Österreich und Schweden. Bei den ambitionierten Wachstumsplänen geht es nicht nur um das Weiterentwickeln des Online-Geschäfts, sondern auch darum, das Filialnetz zu vergrößern - in ganz Europa. Zusätzlich will das Unternehmen mit den Einnahmen einen Überbrückungskredit finanzieren. Ein Überbrückungskredit ist ein Darlehen, mit dem kurzzeitige finanzielle Engpässe finanziert werden. Wie hoch und was das für ein Darlehen sei, ist nicht bekannt. Im Jahr 2020 erwirtschaftete Mister Spex 164 Millionen Euro und schrieb dabei unterm Strich 10,3 Millionen Euro Verlust.

„Die Aktie von Mister Spex würd ich mir nicht kaufen“

Wichtige Frage: Lohnt sich ein Einstieg oder lieber Finger von lassen? Jens Rabe, Investor und Börsen-Experte von der Finanz-Plattform „Rabe Academy“, sieht einen Kauf der Brillen-Aktie zum aktuellen Zeitpunkt sehr kritisch. Es gebe aktuell „kaum Erfahrungswerte“ zu den Aktien von Mister Spex und noch keinen Marktpreis, dieser müsste sich „erstmal einpendeln“: „Da die Firma möglichst viel Geld einsammeln will, wird vorher viel in PR und Storytelling investiert und „die Braut hübsch gemacht“. Das sorgt oft dafür, dass die Aktie am Anfang ordentlich nach oben schnellt, nur um anschließend wieder herunterzukommen“, sagt Rabe zu Business Insider. Daher würde er Privatanlegern davon abraten, jetzt am Anfang mitzumischen.

Auch Aktien-Expertin Katja Eckardt von Magazin Finanzdiva ist kein Fan von Mister Spex. Mit den Marktführern Essilorluxottica mit Tochter Apollo, Fielmann, und „vielen kleine unabhängige Brillen-Händler“ sei die Konkurrenz „sehr groß“, der Umsatz von Mister Spex im Vergleich zu denen ein „Witz“: „Mister Spex trifft auf eine riesen Herausforderung in einem extrem wettbewerbsintensiven Geschäft“, sagt die Expertin zu Business Insider. Für Eckardt sei die Firma nicht „breit genug“ aufgestellt, sie sagt deutlich: „Die Aktie von Mister Spex würd ich mir nicht kaufen. Wenn es unbedingt Brillen im Depot sein sollen, dann würde ich immer den Marktführer wählen.“

Anders sieht es Tobias Kramer, Börsen-Experte vom Youtube-Kanal „Echtgeld.TV“ und Herausgeber des Zertifikateberaters, einem der führenden Fachpublikationen zum Thema Anlageberatung in Deutschland: „Auf den ersten spontanen Blick wirkt das alles recht spannend. Zwei Drittel des Emissionserlöses fließen dem Unternehmen zu, ein Drittel geht an Altaktionäre“, sagt Kramer zu Business Insider. Das erscheint für ihn „grundsätzlich nachvollziehbar“ und mit 245 Millionen Euro kann Mister Spex auch „immer noch eine Menge Wachstum finanzieren“: „Das ist auch notwendig, denn das Unternehmen erwirtschaftet noch Verluste, da muss man als Investor Geduld und Vertrauen auf Profitabilität mitbringen. Das ist aber in dieser Branche angemessen und sollte in Zukunft auch noch margenstärker möglich sein als bei der Konkurrenz!“ Zudem wirke das Kurs-Umsatz-Verhältnis, also der Unternehmenswert im Verhältnis zum Gesamtumsatz, von knapp über 4 für die in 2021 erwarteten Erlöse von rund 200 Millionen Euro „recht attraktiv.“ Kramer sagt ganz offen: „Ich habe mir daher eine erste Position bei 25,16 Euro gekauft."

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