#Oneless: Waffenbesitzer zerstört vor laufender Kamera sein Gewehr – und startet einen Trend

Nach mehreren Jahrzehnten trennt Scott Pappalardo sich von seinem Sturmgewehr. (Bild: Facebook/Scott-Dani Pappalardo)

Nach dem jüngsten Amoklauf an einer US-amerikanischen High School entschied sich Scott Pappalardo dafür, sein Gewehr endgültig unschädlich zu machen. Damit fand er schnell Nachahmer.

Die Schießerei an der Stoneman Douglas High School in Parkland, Florida, hat die Debatte um strengere Waffenregulierungen in den USA neu angefacht. Der Schul-Amoklauf ist mit 17 Todesopfern der schwerwiegendste seit dem an der Sandy Hook Elementary School im Jahr 2012. Viele US-Bürger fordern nun erneut, dass Sturmgewehre wie das AR-15, das bei zahlreichen Massenschießereien verwendet wurde, nicht legal für Privatpersonen erhältlich sein sollten.

Ein New Yorker Bürger, der selbst Waffenbesitzer ist, ließ den Worten nun Taten folgen: In einem mittlerweile viralen Video zersägt er sein AR-15-Gewehr, um dafür zu sorgen, dass es keinen Schaden anrichten kann. „Ich habe mich heute dazu entschieden, sicherzustellen, dass diese Waffe nie ein Leben nehmen kann. Der Lauf dieses Gewehrs wird niemals auf einen Menschen gerichtet werden“, erklärt Scott Pappalardo in dem Facebook-Clip. „Denkt einmal darüber nach: Ist das Recht, diese Waffe zu besitzen wichtiger als das Leben eines Menschen?“, fragt er, bevor er das Gewehr mit einer Motorsäge in mehrere Stücke zerteilt.

Wie Pappalardo in dem Video erklärt, besitzt er die Waffe bereits seit über 30 Jahren legal, habe aber als Hobby-Schütze niemals auf Lebewesen geschossen. „Man kann viel Schuld auf Desensibilisierung durch Videospiele und das Internet schieben, auf schlechte Erziehung oder geistige Krankheiten, aber letztendlich sind es Waffen wie diese, die Leben kosten“, begründet er seine Entscheidung, sich nach mehreren Jahrzehnten von dem Gewehr zu trennen. „Jeder legale Waffenbesitzer kann durchdrehen und ein schreckliches Verbrechen begehen, auch ohne geistige Krankheit.“

Der New Yorker kommentierte sein Video mit den Worten „Mein Tropfen auf einem sehr heißen Stein. #oneless“. In den ersten drei Tagen nach dem Upload des Videos wurde es bereits über 15,5 Millionen Mal auf Facebook gesehen. In den sozialen Medien erntet Pappalardo nicht nur eine Menge Lob, er scheint mit #oneless auch eine neue Bewegung ins Leben gerufen zu haben: Immer mehr Waffenbesitzer teilen unter dem Hashtag Fotos und Videos davon, wie sie ihre Gewehre selbst zerstören oder der Polizei aushändigen. Die meisten dieser Waffen sind noch mehrere hundert Dollar wert, die Teilnehmer dieser Aktion weigern sich jedoch, sie einfach weiter zu verkaufen, da sie in fremden Händen noch Schaden anrichten könnten.

Ben Dickmann aus Tamarac, Florida, etwa übergab seine AR-57 dem örtlichen Sheriff. „Ich bin ein verantwortlicher, gut trainierter Waffenbesitzer. Doch ich brauche diese Waffe nicht. Niemand ohne Strafverfolgungs-Dienstmarke braucht diese Waffe“, kommentiert er auf Facebook mehrere Fotos der Übergabe. „Ich werde Teil der Veränderung sein, die ich auf der Welt sehen will. Wenn unsere Gesetzgeber weiterhin ihre Augen schließen und ihre Brieftaschen öffnen, werde ich mit gutem Beispiel vorangehen.“

Auch Amanda Meyer aus New Haven, Connecticut, entschied sich dafür, ihre Schusswaffe zu zerstören. Wie sie in einem Facebook-Video erklärt, ist sie mit Waffen aufgewachsen, aber angesichts der jüngsten Schießereien immer mehr davon überzeugt, dass Privatpersonen keine Schnellfeuerwaffen besitzen sollten. „Ich mag dieses Gewehr sehr, aber wisst ihr, was ich mehr mag? Wenn Menschen nicht getötet werden“, sagt sie in dem Video. „Die einzige Art, wie ich sicher sein kann, dass diese Waffe niemanden verletzt, ist, wenn sie nicht existiert“, erklärt Meyer, bevor sie ihr Gewehr mit einem Winkelschleifer unbrauchbar macht.

Viele Waffenbesitzer berufen sich in ihrem Recht, Schnellfeuerwaffen zu besitzen, auf den 2. Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten („Second Amendment“). Dieser wird gemeinhin als das Recht eines jeden US-Bürger verstanden, Schusswaffen zu besitzen und führen. Die genaue Auslegung des Zusatzartikels ist jedoch juristisch und politisch heftig umstritten.