Olympias Highspeed-Spektakel: "Mit 150 durch die Einbahnstraße"

Jonas Nohe
Nico Walther peilt mit seinen Anschiebern im Viererbob eine Medaille an

Rasant, spektakulär - und vor allem unberechenbar: Das sind die Bobrennen bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang.

Frauen-Olympiasiegerin Mariama Jamanka kann ein Lied davon singen.

„Es ist eine ziemlich schwierige Bahn. Ich habe echt keine Ahnung, was im Wettkampf wird“, hatte die 27-Jährige SPORT1 noch nach dem letzten von sechs Trainings gesagt. Vier Wertungsläufe später durfte sie sich die Goldmedaille um den Hals hängen. (SERVICE: Olympia-Zeitplan)

Sie sei „ein kleiner Adrenalinjunkie“, sagt Jamanka über sich selbst - und genau das ist auch nötig, um sich immer wieder ohne Furcht den Eiskanal hinunterzustürzen.

"Geschwindigkeit ist megageil"

„Ich finde einfach die Geschwindigkeit megageil. Dieses Gefühl, wenn man in eine Kurve reinfährt und diesen Druck spürt, das ist einzigartig“, erklärt die ehemalige Hammerwerferin, was sie am Bobsport so fasziniert: „Das hat was von Achterbahn zusammen mit Feinmotorik.“


Am letzten Tag der Olympischen Spiele wird dieses Gefühl im Alpensia Sliding Centre auf den Gipfel getrieben: Die Entscheidung im Viererbob der Männer steht an - der Königsdisziplin (ab 01.30 Uhr im LIVETICKER)

Nach den Erfolgen durch Jamanka und im Zweierbob der Männer durch Francesco Friedrich sieht es für die deutschen Schlitten zur Halbzeit erneut gut aus: Vor den letzten beiden Läufen liegen Friedrich als Führender und Nico Walther als Dritter auf Medaillenkurs. (SERVICE: Der Medaillenspiegel)


Jeder profitiert von jedem

Das Erfolgsgeheimnis dahinter?

„Wir profitieren alle voneinander, denn gerade durch so eine Konkurrenzsituation wird man in jedem Training wieder angestachelt, sein Bestes zu geben“, erklärt Walther bei SPORT1: „Deswegen sind wir im Moment so erfolgreich.“

Vor den Spielen hatte der Sachse als Ziel ausgegeben, „mindestens mit einer Medaille nach Hause zu kommen“. Im Zweierbob raste er als Vierter nur um 15 Hundertstelsekunden an Edelmetall vorbei.


Am olympischen Finaltag will es Walther jetzt besser machen - und damit gemeinsam mit Friedrich und dem aktuell Fünften Johannes Lochner weiter Werbung für den Bobsport betreiben.

Trotz der deutschen Erfolge fristet die Sportart insgesamt doch eher ein Schattendasein im Vergleich beispielsweise zu Biathlon oder Skispringen. In anderen Ländern sieht es noch düsterer aus, vor allem weil die Bobrennen oft nicht zu sehen sind.

Exoten sind willkommen

„Fernsehzeiten sind natürlich sehr wichtig. Jeder nationale Verband muss sich irgendwie finanzieren: manchmal aus staatlichen Mitteln, manchmal durch private Sponsoren“, erklärt Vizepräsident Darrin Steele vom Weltverband IBSF bei SPORT1: „Um diese Sponsoren anzulocken, braucht es Aufmerksamkeit - und die erreicht man, indem man im Fernsehen oder in Livestreams zu sehen ist.“


Auch Walther sieht noch Luft nach oben - und freut sich daher auch über Exoten, die sich immer wieder im Eiskanal versuchen und dadurch für Schlagzeilen sorgen. So wie in Pyeongchang die Frauen-Bobs aus Jamaika oder Nigeria.

„Wenn das so einen Marketing-Effekt wie bei Cool Runnings 1988 hat, dann ist das natürlich super. Durch den Film ist unser Sport doch sehr populär geworden“, meint Walther bei SPORT1.

Und warum sollte sich der bislang unbeteiligte Wintersport-Fan seiner Meinung nach unbedingt mal ein Bobrennen anschauen?

„Die Faszination Bobsport macht aus, mit fast 150 km/h durch einen 1,50 Meter breiten Eiskanal zu fahren“, schwärmt Walther - und zieht einen anschaulichen Vergleich: „Wenn man mit dem Auto 150 auf der Autobahn fährt, fühlt sich das nicht so schnell an. Wenn aber mit 150 durch eine drei Meter breite Einbahnstraße fährt, kommt das einem schon wesentlich schneller vor.“

„So“, sagt Walther, „kann man es sich ungefähr vorstellen, wie es in einer Bobbahn ist“.