Olympia: Winterspiele 2018: Verschwörungstheorien durch Putin

Laut Wladimir Putin wollen die USA hinter den Kulissen für den Ausschluss Russlands von den Winterspielen in Pyeongchang sorgen.

Laut Wladimir Putin wollen die USA hinter den Kulissen für den Ausschluss Russlands von den Winterspielen in Pyeongchang sorgen.

Wladimir Putin stellt die USA mit einer Verschwörungstheorie an den Pranger, Kanada fordert provisorische Sperren gegen russische Athleten: 112 Tage vor der Eröffnung der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang wird das sportpolitische Klima immer frostiger. Putin beschuldigte die USA, das Internationale Olympische Komitee (IOC) bezüglich einer Verbannung Russlands von den Winterspielen indirekt unter Druck zu setzen.

"Wir haben kein Problem mit dem IOC. Da sind sehr anständige Menschen, Geschäftsleute, aber sie sind von Werbekunden abhängig, TV-Kanälen und so weiter", sagte Putin bei einer Konferenz in der Olympiastadt Sotschi: "Diese Sponsoren wiederum erhalten eindeutige Signale von bestimmten amerikanischen Behörden. Wir nehmen das nicht nur an, wir wissen das." Um welche Behörden es sich handeln soll, sagte er nicht.

Der TV-Riese NBC hat 2014 für die Spiele von 2022 bis 2032 mit dem IOC einen Rekordvertrag über 7,65 Milliarden Dollar (5,5 Milliarden Euro) abgeschlossen. Zahlreiche Top-Sponsoren des IOC kommen aus den USA.

Putin: "Erniedrigung des Landes"

Putin wiederum erhöhte den Druck auf das IOC. Wenn russische Athleten gesperrt oder aber dazu gezwungen würden, bei den Spielen in Pyeongchang unter neutraler Flagge zu starten, würde dies "eine Erniedrigung des Landes" bedeuten und der Olympischen Bewegung "ernsthaften Schaden" zufügen. Mit dieser Aussage dürfte mehr denn je fraglich sein, ob Putin seine Sportler überhaupt unter neutraler Flagge in Südkorea starten lassen würde.

IOC-Präsident Thomas Bach hatte am Donnerstag in einem offenen Brief um Verständnis für die Verzögerungen bei der Aufarbeitung des Dopingskandals geworben und mögliche Maßnahmen gegen Russland bis zum Jahresende in Aussicht gestellt. Sollte er sich erhofft haben, dadurch die Wogen zu glätten, hat sich der deutsche Wirtschaftsanwalt getäuscht. Denn auch Kanada sorgte für weitere sportpolitische Unruhe.

Kanada fordert Suspendierungen

Der USA-Nachbar forderte als erstes Land im Zuge des Dopingskandals provisorische Suspendierungen von russischen Athleten. Sollten die Untersuchungsergebnisse der beiden vom IOC eingesetzten Kommissionen nicht in Kürze vorliegen, müssten "Maßnahmen, einschließlich Suspendierungen, ergriffen werden, um die Integrität der Olympischen Winterspiele zu wahren", sagte Tricia Smith, Präsidentin des Kanadischen Olympischen Komitees COC.

Das IOC, alle NOKs und die internationalen Verbände müssten eine starke Botschaft in die Welt senden, "dass jetzt eine neue, saubere und nachhaltige Zukunft für den internationalen Sport beginnt".

Der kanadische Rechtsprofessor Richard McLaren hatte Russland in zwei Berichten ein staatlich gelenktes Dopingsystem nachgewiesen - unter anderem während der Winterspiele in Sotschi. Dort waren Behälter mit Dopingproben mithilfe des Geheimdienstes geöffnet und der Urin der Sportler ausgetauscht oder manipuliert worden.

IOC sah 2016 von Komplettsperre ab

Nun wird der Druck auf Bach und das IOC immer größer. Zum einen drängt die Zeit, will der Ringeorden seine Premiumveranstaltung nicht von einem ähnlichen Chaos überschattet sehen wie vor und während der Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro.

Damals sah das IOC von einer Komplettsperre Russlands ab und delegierte die Entscheidung, ob einzelnen Sportler starten durften oder nicht, an die hoffnungslos überforderten internationalen Fachverbände weiter. Letztlich nahmen knapp 300 russische Athleten an den Spielen in Brasilien teil.

Dass die Russen kollektiv aus Pyeongchang verbannt werden, ist unwahrscheinlich. Das IOC hatte zuletzt Berichte als "spekulativ" zurückgewiesen, dass Russland lediglich mit einer hohen Geldstrafe sanktioniert werde.

Anhörungen bis Ende November abgeschlossen

Bevor die IOC-Exekutive entscheidet, müssen einzelnen russische Athleten Sperren fürchten. Die Anhörungen der verdächtigen russischen Sotschi-Starter durch die sogenannte Oswald-Kommission sollen bis Ende November abgeschlossen sein, Ergebnisse sollen einzeln und direkt kommuniziert werden.

Die Fälle der russischen Athleten, die 2014 in Sotschi gestartet waren und noch immer aktiv sind, sollen zuerst behandelt werden. Über Einzelsperren werden aber wie vor Rio die internationalen Verbände entscheiden.

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