Olympia: -Attentat 1972: Einweihung einer Gedenkstätte in München

Der Erinnerungsort auf dem Lindenhügel ist mit Bedacht gewählt. Er liegt zwischen der Conollystraße 31 im Olympischen Dorf, dem Olympiastadion mit seinem berühmten Zeltdach und jenem Hügel, von dem die Medien 1972 die schrecklichen Bilder rund um die Welt schickten. Genau dazwischen wird nun, 45 Jahre nach dem schrecklichen Attentat von München, im Olympiapark ein Ort des Gedenkens eingeweiht.

Der Erinnerungsort auf dem Lindenhügel ist mit Bedacht gewählt. Er liegt zwischen der Conollystraße 31 im Olympischen Dorf, dem Olympiastadion mit seinem berühmten Zeltdach und jenem Hügel, von dem die Medien 1972 die schrecklichen Bilder rund um die Welt schickten. Genau dazwischen wird nun, 45 Jahre nach dem schrecklichen Attentat von München, im Olympiapark ein Ort des Gedenkens eingeweiht.

"Das ist ein weiterer Akzent auf dem Weg, die Erinnerung an das, was damals passiert ist, nicht zu verlieren. Es ist ein weiterer Schritt, die Geschehnisse und was sie für die Welt bedeuteten und bedeuten, für die Nachwelt festzuhalten", sagte der frühere NOK-Präsident Walther Tröger, 1972 Bürgermeister des Olympischen Dorfes, im SID-Gespräch. Die Gedanken an die "Katastrophe" seien "ständig präsent, bis heute".

Man wolle den Opfern "vor der Weltöffentlichkeit ein Stück weit ihr Gesicht und ihre Persönlichkeit wiedergeben", fügte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) vor der Eröffnung des Mahnmals "Einschnitt" am Mittwoch an.

Erwartet werden zu den Feierlichkeiten neben zahlreichen Angehörigen der zwölf Opfer auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Israels Staatspräsident Reuven Rivlin, Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und IOC-Präsident Thomas Bach.

Er komme "mit gemischten Gefühlen nach München", sagte Rivlin der Bild am Sonntag. Er sei den Deutschen dankbar, "dass sie sich die Erinnerung an unsere Brüder zur Herzensaufgabe gemacht haben. Auf der anderen Seite bringe ich die Botschaft mit, dass wir wachsam sein müssen. Die Kräfte des Bösen, die Terroristen und ihre Unterstützer, sind heute eine größere Gefahr als jemals zuvor."

Am 5. September 1972 waren acht Terroristen der palästinensischen Organisation "Schwarzer September" in das Olympische Dorf in München eingedrungen. Sie töteten zwei israelische Sportler und nahmen neun Geiseln. Der Versuch, diese 36 Stunden später auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck zu befreien, endete in einem Blutbad.

Alle Geiseln, der deutsche Polizist Anton Fliegerbauer und fünf Terroristen kamen im Kugelhagel ums Leben. Besonders tragisch: In Israel war wegen einer Kommunikationspanne zunächst die Nachricht verbreitet worden, alle Geiseln seien befreit worden und am Leben.

Überlebende reisen ab

Die überlebenden israelischen Sportler reisten ab, die Olympischen Spiele wurden aber trotz der grausamen Ereignisse fortgesetzt. Der damalige IOC-Präsident Avery Brundage sprach seinen inzwischen berühmten Satz: "The Games must go on". Für die Angehörigen der Opfer ging das Leben aber nicht weiter wie zuvor. Die Mutter des damals ermordeten Ringers Josef Romano etwa beging ein Jahr nach dem Attentat sogar Selbstmord.

Im rund 2,3 Millionen Euro teuren Mahnmal am Kolehmainenweg wird nun der zwölf Opfer gedacht. Auf gläsernen Gedenktafeln werden ihre Leben in Bildern gezeigt. Es werden auch persönliche Erinnerungsstücke der Opfer zu sehen sein - wie etwa das damalige Maskottchen Waldi, das Fechttrainer Andrei Spitzer seiner zwei Monate alten Tochter Anouk mitbringen wollte.

Für Ilana Romano, Ehefrau von Josef Romano, ist die Eröffnung des Mahnmals ein besonderer Tag. Sie hatte ihren drei Töchtern schon unmittelbar nach dem Attentat versprochen, "dass die Welt diese Geschichte nicht vergessen wird". In Tel Aviv gibt es bereits ein Denkmal. Tradition hat auch, dass israelische Sportler ihre Medaillen den Opfern von damals widmen.

Erstmals hatte bei den Spielen 2016 in Rio auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) ein Zeichen gesetzt. Präsident Bach hatte im Olympischen Dorf eine offizielle Gedenk-Zeremonie durchgesetzt. "Dieser Moment war für uns alle", so Ilana Romano zur Bild am Sonntag, "als ob sich der Himmel geöffnet hätte."

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