Olympia 2018: Skispringer holen Team-Silber hinter Norwegen

Angeführt von Olympiasieger Andreas Wellinger gewinnen die DSV-Adler in einem Skisprung-Krimi Silber hinter Norwegen. Die große deutsche Schanzen-Party von Pyeongchang findet einen rauschenden Abschluss.

Angeführt von Olympiasieger Andreas Wellinger gewinnen die DSV-Adler in einem Skisprung-Krimi Silber hinter Norwegen. Die große deutsche Schanzen-Party von Pyeongchang findet einen rauschenden Abschluss.

Als Schanzen-König Andreas Wellinger das silberne Sahnehäubchen auf seine schier unglaublichen Winterspiele gesetzt hatte, empfand er nur noch tiefe Genugtuung. "Pyeongchang war der Hammer. Ich bin einfach rundum glücklich", sagte der 22-Jährige. Zum Abschluss der deutschen Skisprung-Party in Südkorea führte Wellinger die DSV-Adler im Teamwettbewerb auf Platz zwei und stieg endgültig zum erfolgreichsten Skispringer der Winterspiele auf: "Drei Medaillen! Hätte mir das vorher einer erzählt, hätte ich gesagt: 'Schöner Traum'!"

Silber hinter Norwegen machte nicht nur Wellinger, sondern das gesamte Team happy. Neben dem Überflieger strahlten Richard Freitag, Karl Geiger und Stephan Leyhe nach ihrer jeweils ersten Olympia-Medaille mit Bundestrainer Werner Schuster um die Wette. Selbst der kurzfristig ausgebootete Markus Eisenbichler konnte sich freuen. "Das ist einfach eine grandiose Mannschaft", sagte Schuster mit Stolz in der Stimme.

Wellinger überragt bei Olympia

Über allen thront aber Wellinger. Gold von der Normalschanze, Silber vom großen Bakken im Einzel und nun auch im Team - eine solche Bilanz hatte bei einem Olympia-Auftritt noch kein deutscher Skispringer erreicht. "Das ist so geil. Jetzt können wir das endlich sacken lassen", sagte der Bayer, der als einziger aus dem olympischen Gold-Quartett von Sotschi 2014 übrig geblieben war.

Nach elf Tagen Vollgas durfte Wellinger endlich durchatmen und mit seinen drei Silber-Kumpels in eine Partynacht starten. "Mal schauen, was heute noch geht", sagte das notorische Feierbiest: "Einen genauen Plan haben wir noch nicht. Der einzige Plan war, hier noch einmal bei der Siegerehrung aufzukreuzen." Und der funktionierte bestens.

Krimi zwischen Deutschland, Norwegen und Polen

Vorausgegangen war am späten Montagabend ein wahrer Schanzen-Krimi. Vom ersten Sprung an lieferten sich Deutschland, Norwegen und Polen einen hochklassigen Dreikampf um die Medaillen, der an Spannung kaum zu überbieten war. Als die Skandinavier schließlich enteilten, lief im Kampf um Silber alles auf einen finalen Showdown der Einzel-Olympiasieger hinaus. Ausgerechnet Wellingers letzter Sprung fiel scheinbar zu kurz aus. "Danach hätte ich nicht gedacht, dass es sich noch ausgeht", sagt Wellinger.

Umso größer war die Erleichterung, dass direkt nach ihm auch Kamil Stoch ungewohnt Meter liegen ließ. "Kamil ist eben auch keine Maschine, sondern nur ein Mensch", sagte Schuster. Umgerechnet lag Deutschland nach acht Sprüngen die Winzigkeit von nicht einmal zwei Metern vor Polen. Zur Wiederholung des Gold-Coups von Sotschi fehlten aber zwölf Meter auf die überragenden Norweger, die erstmals den Olympiasieg holten.

"Die Aufgaben werden ihm nicht ausgehen"

Vier Jahre nach dem deutschen Triumph am Schwarzen Meer gab es auch für den damals so unglücklich aus dem Team gerutschten Freitag endlich das Happy End. "Für Richard freut es mich besonders. Es war nicht immer einfach für ihn", sagte Schuster über den Sachsen, der nach so vielen Rückschlägen vor und in dieser Saison endlich die ersehnte Olympia-Medaille eintütete.

Und damit nicht genug. Die rauschende Schanzen-Party in Pyeongchang könnte der Auftakt zu glanzvollen deutschen Skisprungjahren auf dem Weg zu den nächsten Spielen 2022 in Peking werden. Dies gilt besonders für Wellinger, der mit seinen 22 Jahren noch immer blutjung ist.

"Er hat noch Ziele. Er ist noch nicht Weltmeister und auch noch nicht Tournee-Sieger. Die Aufgaben werden ihm nicht ausgehen", sagte Schuster. Und auch Wellinger hat noch lange nicht genug: "Keine Sorge. So schnell werde ich nicht aufhören. Dazu liebe ich das Skispringen viel zu sehr."

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