Olympia 2018: Russland-Entscheidung naht - Sender erwägen Boykott

Der Termin steht: Am 5. Dezember fällt die Entscheidung über einen Start Russlands bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Wie das IOC am Freitag mitteilte, werde nach einer Sitzung des Exekutivkomitees das mit Spannung erwartete Urteil im Doping-Skandal bekannt gegeben. Der Druck auf alle Beteiligten ist gewaltig.

Der Termin steht: Am 5. Dezember fällt die Entscheidung über einen Start Russlands bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang. Wie das IOC am Freitag mitteilte, werde nach einer Sitzung des Exekutivkomitees das mit Spannung erwartete Urteil im Doping-Skandal bekannt gegeben. Der Druck auf alle Beteiligten ist gewaltig.

Erst am Donnerstag hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) die Suspendierung der russischen Anti-Doping-Agentur RUSADA bestätigt. Inwieweit dies Folgen auf die Entscheidung über eine Teilnahme hat, ist allerdings vollkommen offen. Es würden "alle Umstände" in Betracht gezogen, hieß es vonseiten des IOC. Doch auch während der Sommerspiele in Rio im vergangenen Jahr, als sich im Vorfeld das IOC gegen einen Komplett-Ausschluss entschieden hatte, war die RUSADA suspendiert.

Als Grundlage der Entscheidung dienen die Ergebnisse zweier IOC-Kommissionen zur Untersuchung der Doping-Vorwürfe gegen Russland. Der kanadische Ermittler Richard McLaren hatte festgestellt, dass zwischen 2011 und 2015 rund 1000 russische Athleten in ein institutionelles Dopingsystem eingebunden waren. Mit dem Höhepunkt der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi, bei denen der Gastgeber sogar unter Einsatz des Geheimdienstes massiv betrogen haben soll.

Russische TV-Sender erwägen Boykott

Sollte es zum Komplett-Ausschluss für Russland kommen, erwägen inzwischen russische TV-Sender einen Übertragungsboykott. "Wenn unser Team von den Olympischen Spielen verbannt wird, werden unsere Kanäle nicht übertragen", hieß es in einer Mitteilung der staatlichen Medienholding WGTRK, zu der unter anderem der Fernsehsender Rossija 1 gehört.

Nach Angaben der russischen Wirtschaftszeitung Wedemosti überlegt auch der staatliche Kanal Eins, für diesen Fall von einer Übertragung Abstand zu nehmen. Auf Anfrage der französischen Nachrichtenagentur AFP kommentierte der Sender die Meldung nicht.

Neben Rossija 1 und Kanal Eins werden die Spiele in Russland noch von Match TV übertragen. "Die Vereinbarungen über die Übertragungsrechte sind abgeschlossen, niemand hat Russland von den Spielen ausgeschlossen. Deshalb sehen wir keinen Sinn darin, jetzt über das Thema zu diskutieren", sagte ein Sprecher von Match TV.

Kreml-Sprecher rechtfertigt sich

Kreml-Sprecher Dimitri Peskow erklärte, er "verstehe" die Haltung von WGTRK. "Die Ausstrahlung der Olympischen Spiele ist mit dem Kauf sehr teurer Rechte verbunden. Und es ist offensichtlich, dass diese Summen in der Hoffnung ausgegeben wurden, bei den Zuschauern in Russland großes Interesse zu wecken. Und sollte unser Team nicht teilnehmen, wird das Interesse an diesen Programmen sinken."

Allerdings sei es noch zu früh, um darüber zu reden: "Die Vorbereitungen für Olympia gehen weiter, und unsere Sportorganisationen sind weiter im Dialog mit den internationalen Sportverbänden."

WADA-Präsident verteidigt Suspendierung

Unterdessen verteidigte WADA-Präsident Craig Reedie die Suspendierung der RUSADA. "Aus Anti-Doping-Sicht ist das Thema nicht politisch aufgeladen. Wenn sie es politisch aufgeladen nennen, dann, weil politischer Einfluss bei den Vergehen eine Rolle gespielt hat", sagte Reedie im Interview mit der russischen Nachrichtenagentur TASS.

Nach der Entscheidung der WADA am Donnerstag, die RUSADA nicht wieder zuzulassen, hatte es von russischer Seite Vorwürfe gegeben, dies sei politisch motiviert gewesen. Russland weigert sich weiterhin, die McLaren-Berichte öffentlich anzuerkennen. Zudem fordert die WADA weiterhin den Zugang zu in Moskau gelagerten Dopingproben.

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