Olympia 2018: Historische Handschläge bei Eröffungsfeier

Botschaften für den Frieden, koreanische Kultur und zwei historische Handschläge: Begleitet von einer vorsichtigen Annäherung zwischen den verfeindeten Bruderstaaten Nordkorea und Südkorea sind im südkoreanischen Pyeongchang die 23. Olympischen Winterspiele eröffnet worden.

Botschaften für den Frieden, koreanische Kultur und zwei historische Handschläge: Begleitet von einer vorsichtigen Annäherung zwischen den verfeindeten Bruderstaaten Nordkorea und Südkorea sind im südkoreanischen Pyeongchang die 23. Olympischen Winterspiele eröffnet worden.

Sportler aus 92 Nationen treten bis 25. Februar in 102 Wettbewerben an. Die 153-köpfige deutsche Mannschaft hat ihre erste Chance auf Gold am Samstag durch Biathletin Laura Dahlmeier.

Südkoreas Staatspräsident Moo Jae In eröffnete die zweiten Spiele in seinem Land 30 Jahre nach den Sommerspielen von Seoul um 21.42 Uhr Ortszeit mit der traditionellen Formel auf Koreanisch. Das Olympische Feuer entzündte dann um 22.09 Ortszeit Südkoreas Superstar Kim Yuna: Die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von 2010 war nach der Silbermedaille von 2014 zurückgetreten. Überreicht bekommen hatte sie die Fackel symbolträchtig von einer nordkoreanischen und einer südkoreanischen Eishockeypielerin.

Gemeinsames Zeichen

Zuvor war es zu den historischen Handschlägen zwischen Moon Jae In und Kim Yo Jong gekommen: Die Schwester des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Un ist seit dem Ende des Korea-Krieges 1953 das erste Mitglied der herrschenden Kim-Dynastie, das Südkorea besucht. Zum ersten Handschlag trafen sich Moon und Kim bereits beim Betreten der VIP-Tribüne, beim zweiten drehte sich Moon während des Einmarschs der koreanischen Sportler für alle sichtbar auf der Tribüne zu Kim um - sie lächelte zurück.

Der vierte gemeinsame Einmarsch koreanischer Sportler seit Olympia 2000 in Sydney war vor den Augen von US-Vizepräsident Mike Pence, der die Versöhnungsgesten Nordkoreas Mitte dieser Woche als Propaganda kritisiert hatte, erwartungsgemäß einer dser Höhepunkte. Die Eishockey-Spielerin Hwang Chung Gum aus Nordkorea und der Bobfahrer Won Yun Jong aus Südkorea trugen unter dem Jubel des Publikums die Vereinigungsflagge Koreas in Stadion.

Die Athleten beider Koreas sendeten ein "kraftvolles Zeichen des Friedens an die Welt", sagte IOC-Präsident Thomas Bach in seiner Eröffnungsrede und ergänzte: "Wir sind alle berührt von dieser wundervollen Geste." Anschließend sangen koreanische Künstler das Friedenslied "Imagine" von John Lennon. Mit Spannung wird am Samstag das erste Spiel der koreanischen Frauen-Eishockey-Mannschaft erwartet - mit drei Nordkoreanerinnen.

Deutschland von Frenzel angeführt

Gemäß dem koreanischen Alphabet zog die deutsche Mannschaft vor den Augen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier als neunte ins 35.000 Zuschauer fassende Olympiastadion ein - das Fünfeck aus Stahlrohr ist nur für die Eröffnungs- und die Schlussfeier errichtet worden. Als Fahnenträger marschierte Kombinierer Eric Frenzel vorneweg. "Ein tolles Erlebnis. Ich werde mich ein Leben lang daran erinnern", sagte er.

Frenzel hatte sich in einer gemischten Abstimmung von Sportlern und Zuschauern dank des Votums der Athleten unter anderem gegen Claudia Pechstein durchgesetzt. Nicht zuletzt der Olympiasieger von 2014 soll entscheidend dazu beitragen, dass die deutsche Mannschaft besser abschneidet als vor vier Jahren: In Sotschi gab es achtmal Gold und elf weitere Medaillen. Das erste Gold könnte am Samstag auch Skispringer Andreas Wellinger holen.

In Pyeongchang werden mehr Medaillen vergeben als je zuvor - die Winterspiele sind wieder gewachsen. Es gibt nun 102 Wettbewerbe statt zuletzt 98, die Zahl der teilnehmenden Nationen ist von 88 auf 92 gewachsen. Erstmals dabei sind Teilnehmer aus Ecuador, Eritrea, dem Kosovo, Malaysia, Nigeria und Singapur. Acht Länder vom afrikanischen Kontinent sind vertreten.

Pfiffe für Russland, Begeisterung für Tonga

Pfiffe gab es beim Einmarsch der russischen Sportler, die in Pyeongchang zunächst als die "Olympischen Sportler aus Russland" antreten. Voraussichtlich 169 Russen werden an den Start gehen, nachdem der Internationale Sportgerichtshof CAS noch am Morgen die Klage von weiteren 47 Athleten und Trainern auf Teilnahme an den Spielen abgewiesen hatte. Bach forderte in seiner Rede alle Sportler auf, "sauber" zu bleiben.

Für Begeisterung sorgte Pita Taufatofua aus Tonga. Bei den Sommerspielen 2016 in Rio war der 34-Jährige als Teilnehmer am Taekwondo-Wettbewerb mit seinem eingeölten freien Oberkörper ein Blickfang der Eröffnungsfeier. Für Pyeongchang hat er sich für den Langlauf qualifiziert und angekündigt: "Ich werde sehr, sehr dicke Kleidung tragen. Ich will bei meinem Rennen schließlich noch lebendig sein." Ein Bluff: Taufatofua kam in Sandalen, mit Röckchen - und freiem Oberkörper, natürlich gut geölt.

Wohl auch angesichts der Kälte setzten die Organisatoren auf ein eher kurzes, aber unterhaltsames Rahmenprogramm mit zahlreichen Anspielungen auf die Geschichte Koreas. Im Mittelpunkt standen zu Beginn fünf Kinder, die die fünf olympischen Ringe und die fünf Elemente repräsentierten. Die Kinder begaben sich auf eine Abenteuerreise in die Vergangenheit und die Zukunft Koreas, bei der sie ein Land des Friedens entdecken, in dem die Menschen im Einklang mit der Natur leben.

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