Olympia 2018: Nach Doping-Comeback: "Klares Zeichen" gegen Russland gefordert

Nach dem Dopingfall des russischen Curlers Alexander Kruschelnizki wird bei den Winterspielen in Pyeongchang der Ruf nach einer Fortsetzung der Suspendierung lauter.

Nach dem Dopingfall des russischen Curlers Alexander Kruschelnizki wird bei den Winterspielen in Pyeongchang der Ruf nach einer Fortsetzung der Suspendierung lauter.

Russland ist zurück an der Doping-Front, Sportler und Funktionäre anderer Nationen sind frustriert. Am Olympiaort Pyeongchang wird der Ruf nach einem "klaren Zeichen" gegen den Wiederholungstäter lauter.

"Ich würde sagen, die Russen sollten nicht offiziell bei der Schlussfeier auftreten", sagte Skicrosser Paul Eckert nach seinem Olympia-Aus im Achtelfinale. Dem Freestyler aus Bayern dauert die Debatte um die Russen eh zu lang: "Das Thema wurde viel zu spät diskutiert. Ich verstehe nicht, dass man das nicht rechtzeitig klärt."

Kruschelnizki positiv getestet

Seit am Montagabend bekannt geworden war, dass der russische Curler Alexander Kruschelnizki positiv auf das verbotene Herzmedikament Meldonium getestet wurde, wird der Fall nicht nur in Pyeongchang heiß diskutiert. Am Mittwochabend bestätigten die Russen selbst die positive B-Probe und kehrten damit höchst offiziell an den Doping-Pranger zurück.

Alles wartet auf das Urteil des CAS und hofft, dass es nicht wieder zum Chaos kommt. Kruschelnizki selbst wird nicht zur Klärung des Falls beitragen, wie die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti mitteilte, wird er nicht zu seiner Anhörung vor dem CAS am Donnerstag erscheinen. Nach den positiven A- und B-Proben sei seine Aussage "sinnlos". Kruschelnizki sei "bereit für das Urteil, das in solchen Fällen vorhersagbar ist".

Derweil hat Russland angeblich eine entscheidende Voraussetzung für die Aufhebung der Suspendierung erfüllt. Nach Informationen der französischen Nachrichtenagentur AFP überwiesen die Russen die Strafzahlung in Höhe von 15 Millionen Dollar (12,14 Millionen Euro) an das IOC für ihre Verfehlungen in der Staatsdopingaffäre. AFP nannte am Mittwochabend eine "mit dem Fall vertraute Person" als Quelle. Das Bußgeld war bei der Bekanntgabe der Strafen gegen Russland im Zusammenhang mit den Staatsdopingskandal rund um die Winterspiele in Sotschi 2014 am 5. Dezember durch die IOC-Exutive verhängt worden.

Schimmelpfennig fordert deutliches Zeichen

Die "Regierung" des Ringe-Ordens trifft sich am Samstag und entscheidet, ob die Suspendierung aufgehoben wird. Nicht wenige glauben, dass der Russland-freundliche IOC-Präsident Thomas Bach die Russen zur Schlussfeier gerne wieder in die Arme schließen würde - doch nun kriegt er den Curling-Fall nicht vom Eis.

Dirk Schimmelpfennig, deutscher Chef de Mission, glaubt, dass "sehr viele sehr kritisch" über die IOC-Entscheidung denken. Aus Sicht des deutschen Teamchefs müsse das IOC bei seinem Urteil an die Wirkung auf andere Sportler denken. "Ich glaube, dass es wesentlich ist, ein eindeutiges Zeichen zu setzen, dass man dieses von den Russen betriebene Staatsdoping ablehnt", sagte Schimmelpfennig in Pyeongchang.

Ob das heißt, dass Russland suspendiert bleibt, ließ der Delegationsleiter aber offen. Doch in der andauernden Gemengelage wird der Wunsch nach Klarheit immer größer. Wahrscheinlich aber werden CAS und IOC bis kurz vor dem Wochenende an dem Fall herumdoktern, so dass die Zeit des Protests bis zur Abschlussfeier umso geringer ausfällt. Für Sonntagabend ist die Abschlussfeier terminiert, danach sind die Top-Athleten schon wieder in alle Winde zerstreut.

Für Kassler gibt es nur eine Option

Für die deutsche Athletensprecherin Silke Kassner kann es nur eine Entscheidung geben. "Für eine Begnadigung des russischen NOK ist es viel zu früh - völlig unabhängig vom Fall des Curlers. Es muss zuerst ein System- und Kulturwandel stattfinden", sagte Kassner, die auch Athletenvertreterin im Aufsichtsrat der Nationalen Anti Doping Agentur ist.

"Entweder hat ein Land das Werteverständnis für den Schutz der sauberen Athleten, oder es hat es nicht. Russland hat es ganz offensichtlich nicht", ergänzte die ehemalige Kanutin: "Das zeigt schon das nicht enden wollende Leugnen und der Mangel an Demut. Ohne ein spürbares Verständnis, dass Sport sauber sein muss, kann dieses Land keinen Platz in der olympischen Familie haben."

Doch es gibt in Pyeongchang auch Positionen für eine Rehabilitation des Riesenreichs. "Wenn du einen erwischt hast, dann musst du ihn aus dem Verkehr ziehen", sagte Franz Reindl, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes, der gegen eine Kollektivstrafe ist. "Aber ich möchte es nicht als russisches Thema sehen, sondern als kapitalen Fehler eines einzelnen. Solange nichts anderes dahinter steckt, sollte nur er bestraft werden", sagte Reindl, der im erweiterten Präsidium des pro-russisch eingestellten Weltverbandes IIHF sitzt.

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