Olympia 2018, die Bilanz: Zwischen Freudentränen und purer Enttäuschung

Die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang sind vorbei. Zwei Wochen voller Emotionen, Überraschungen und auch Enttäuschungen. Die Yahoo-Redaktion blickt zurück.

Andreas Wellinger gewann Gold von der Normalschanze. (Bild: Getty Images)

Die Drama-Queen – Lindsey Vonn

Eine Träne hier, eine Träne dort, am Ende aber ein strahlendes Lächeln. Lindsey Vonn polarisierte wie zu besten Zeiten bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang. Dabei waren es aus sportlicher Sicht mit Sicherheit nicht ihre besten Leistungen. Am Ende gab einmal Abfahrts-Bronze für “La Linds”.

Vonn verstand es trotzdem, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie sprach unter Tränen über ihren kürzlich verstorbenen Großvater, brachte ihren Hund zu Pressekonferenzen mit und verabschiedete sich – wieder unter Tränen – von Olympia.

Biggest Loser – Viktoria Rebensburg

Sie wollte im Kampf um Medaillen angreifen, bekam letztlich aber nur eine Teilnehmerurkunde. Viktoria Rebensburg war in keinem Rennen richtig chancenlos, dafür aber auch nie auf dem Podium zu finden.

Dass es bei ihren dritten Olympischen Spielen nicht zu einer Medaille reichte, dürfte Rebensburg noch wegstecken. Dass es aber ausgerechnet im Riesenslalom, ihrer Paradedisziplin, der vierte Platz sein musste, tat doch weh.  Danach folgten Rang neun und zehn in der Abfahrt und im Super G.

Im Stich gelassen: Laura Dahlmeier

In den drei Einzelwettbewerben war Biathletin Laura Dahlmeier enorm stark unterwegs. Sie lief der Konkurrenz davon und triumphierte mit zwei Goldmedaillen und einmal Bronze. Aus zwei Goldmedaillen hätten theoretisch sogar vier werden können.

Dabei standen ihr aber die eigenen Teamkameraden im Weg. In der Mixed-Staffel sowie in der Frauen-Staffel konnte Dahlmeier den schon bestehenden Rückstand nicht mehr aufholen. Nach dem Team-Wettbewerb der Frauen übte sie gar leise Kritik an ihren Kolleginnen.


Der Skandal – Doping und Busenblitzer

Der große, übergreifende Skandal ist sicherlich die Teilnahme der Olympischen Athleten aus Russland an den Winterspielen. Denn, das wurde schnell klar, war das nur eine Umschreibung für eine Teilnahme Russlands.

Bezeichnend das Finale im Eishockey. Bei der Siegerehrung sangen die mitgereisten Fans parallel zur eigentlich von den Lautsprechern vorgegeben Olympischen Hymne die Nationalhymne Russlands. Die Spieler stimmten ein. Dass letztlich zwei Russen des Dopings überführt wurden, setzt dem Ganzen nur die Krone auf.

Ein kleiner Skandal: Der Busenblitzer von Gabriella Papadakis. Der Französin verrutschte im Eiskunstlauf das Kleid, sie tanzte mit freiliegender Brust ihre Choreographie zu Ende und sprach im Anschluss von ihrem “schlimmsten Albtraum.”

Das schönste Gold – Eiskunstlauf-Paar Bruno Massot / Aljona Savchenko

Nach dem ersten Versuch war eigentlich für Aljona Savchenko und Bruno Massot der Traum von Gold schon vorbei. Massot hatte sich einen kleinen Patzer geleistet, der sich auf dem hohen Niveau der Spiele aber als schwerwiegend entpuppte.

Doch die deutschen Eiskunstläufer gaben nicht auf. Im zweiten Versuch lieferten sie eine bezaubernde Leistung ab, tanzten nicht nur zur besten Wertung ihrer Karriere sondern ganz besonders auch zum Olympischen Gold.

Die Story der Spiele – Eishockey-Jungs

Nach zwei Niederlagen zum Start stand die Eishockey-Mannschaft aus Deutschland eigentlich schon vor der frühzeitigen Rückreise. Trainer Marco Sturm hatte aber noch das ein oder andere Ass im Ärmel.

Im Penaltyschießen gegen Norwegen holte sich das DEB-Team Selbstvertrauen. Dann ging es los: Sieg gegen die Schweiz, Sieg gegen Schweden und ein unfassbares Spiel gegen Kanada. Der Einzug ins Finale allein war schon eine Sensation.

Und auch gegen die Olympischen Athleten aus Russland war das Team um Goalie Danny aus den Birken nah dran an Gold. Nach einer nervenaufreibenden Partie stand am Ende Silber – und neue Helden wurden geboren.


Größter Nervfaktor – Die Umstände in Pyeongchang

Die Gastgeber aus Südkorea gaben sich wirklich alle Mühe, attraktive und erfolgreiche Olympische Winterspiele zu veranstalten. Die Organisation war dementsprechend nahezu frei von Kritik.

Was allerdings, ganz besonders in der ersten Woche, störte, waren die nicht beeinflussbaren Umstände in Pyeongchang. Extremer Wind und eiskalte Temperaturen sorgten für Absagen und Änderungen im Plan. Nicht nur die Skispringer erlebten lange Minuten ohne Sprung auf der Schanze.

Das Wetter hielt auch lange die Fans fern. Mancher Sportler beschwerte sich schon über die leeren Ränge und die fehlende Stimmung. Aufwind dann zum Glück in der zweiten Woche: Die Tribünen füllten sich mit steigenden Temperaturen.


Größte Leistung – Ester Ledecka

Mancher Fußball-Profi scheitert schon daran, beide Füße zum Schießen zu verwenden. Über derartige Probleme kann Ester Ledecka sicher nur lachen. Die Tschechin fuhr auf Skiern ebenso zu Gold wie auf dem Snowboard.

Im Super G konnte sie die Konkurrenz rund um Mikaela Shiffrin überraschen und sich die Goldmedaille sichern. Auf dem Snowboard war ihr Triumph im Riesenslalom dann weniger überraschend. Nun kann sich die 22-Jährige sogar einen Start bei den Sommerspielen vorstellen. Ein echtes Multitalent!

Der ehrlichste Athlet – Marcel Hirscher

Marcel Hirscher nimmt in der Regel kein Blatt vor den Mund. Der zweifache Olympiasieger war dementsprechend auch in Pyeongchang gnadenlos ehrlich. Gold. Ja, aber: “Für mich hat das nicht so viel Wert wie in Schladming vor 4.000, 5.000 Zuschauern zu gewinnen.

Nach seinem überraschenden Aus im Slalom verabschiedete er sich dann schnell aus Südkorea. Und auch das wieder brutal ehrlich: “Sorry Freunde Asiens. Ich kann keinen Reis mehr sehen.”

Bestes deutsches Team – Nordische Kombinierer

Eric Frenzel, Fabian Rießle und Johannes Rydzek stiegen bei den Winterspielen in Pyeongchang in den Olymp auf. Jeder arbeitete für sich enorm hart, letztlich war aber auch ihr Teamwork entscheidend für den Triumph.

Im Einzelwettbewerb von der Großschanze fuhren sie abwechselnd im Windschatten der anderen und schoben sich so zu Dritt vor die Konkurrenz. Dann wurde auch noch Vinzenz Geiger bejubelt, der später über die Ziellinie fuhr. Dass auch im Team-Wettbewerb Gold heraussprang, war da schon logische Konsequenz.


Schönste deutsche Einzelmedaille – Andi Wellinger

Mit nervenaufreibend ist der Wettbewerb von der Normalschanze im Nachhinein wohl am Besten zu beschreiben. Ständiger Wind und wirklich schlechte Bedingungen sorgten für eine echte Zitterpartie auf der Schanze.

Immer wieder mussten die Springer zurück, das rote Licht wurde zum ständigen Begleiter des Events. In Pyeongchang war die Sonne schon lange untergegangen als endlich Andi Wellinger sprang. Der Deutsche schien sich von all dem Trubel nicht gestört zu fühlen und flog sensationell. Anschließend zitterte er beim Anblick der Sprünge der Konkurrenten bis sein Gold sicher war – danach flossen die Tränen 

Größte deutsche Enttäuschung  – das Eisschnelllauf-Team um Claudia Pechstein

Von einem “Plan” sprach Claudia Pechstein vor den Spielen. Zu einer Medaille, im besten Fall sogar zu Gold, sollte es reichen. Die deutsche Eisschnellläuferin konnte ihren großen Worten aber keine Taten folgen lassen.

Mit 46 Jahren konnte Pechstein in keiner Disziplin wirklich überzeugen. Sie blieb weit zurück und kündigte dennoch an, bei den Winterspiele 2022 wieder an den Start gehen zu wollen. Sie steht stellvertretend für die deutsche Krise im Eisschnelllauf.

Tatsächlich schien nicht nur Pechstein keinen guten Plan zu haben. Auch die restlichen Starter im Feld enttäuschten – völlig egal ob männlich oder weiblich. DOSB-Chef Alfons Hörmann sprach bereits davon, dieses Problem auch in vier Jahren noch nicht behoben zu haben.