Olympia 2018: Deutschland spielt um Gold: Das sind unsere Eishockey-Helden

Finale! Das deutsche Eishockey-Team spielt nach dem überragenden 4:3 im Halbfinale gegen Kanada um Gold. Am frühen Sonntagmorgen steigt das Endspiel gegen die Olympischen Athleten aus Russland.

Finale! Das deutsche Eishockey-Team spielt nach dem überragenden 4:3 im Halbfinale gegen Kanada um Gold. Am frühen Sonntagmorgen steigt das Endspiel gegen die Olympischen Athleten aus Russland.

Seite 1 Bundestrainer Sturm und die Goalies

Zuvor stellt SPOX Bundestrainer Marco Sturm und seine 25 Helden noch kurz vor.

Der Bundestrainer: Marco Sturm

Er ist der Architekt des Erfolgs: Sturm, früher selbst ein Weltklassespieler, scheiterte mit seinem Team im WM-Viertelfinale 2017 noch an Kanada, diesmal lief es besser. Baute auch ohne die NHL-Leistungsträger ein perfekt funktionierendes Team, das gerade in den ganz engen Situationen auftrumpft. Plasterte das Motto "GLAUBE" in großen Lettern in die Umkleidekabine - und genauso wird auch gespielt. Mit dieser Performance könnte er sich sogar für die NHL empfohlen haben. Aber erstmal noch das Meisterstück gegen Russland!

Goalie: Danny aus den Birken (32, EHC Red Bull München)

Hütete bei der WM 2017 im eigenen Land den Kasten, seine insgesamt vierte Weltmeisterschaft. Lackierte sich vor dem Turnier die deutschen Fahnen und den Bundesadler auf den Helm. Sein Hund heißt Zeus(-chen) und lebt mit Freundin in Iserlohn. "Wie schon die letzten Spiele haben wir alles geblockt, alles gegeben, Pucks gegessen." Beißt am Sonntag mindestens in eine Silbermedaille ...

Gaolie: Dennis Endras (33, Adler Mannheim)

Seit 2004 in der DEL, zwischenzeitlich auch mal in Helsinki und den Houston Aeros zwischen den Pfosten. 2010 war seine Sternstunde, wurde bei der Heim-WM als bester Spieler überhaupt ausgezeichnet und von den Mitspielern "Hexer" genannt. Mittlerweile in Mannheim sesshaft, denn: "Es ist schön zu wissen, wo die nächste Sparkasse ist." Hält Danny aus den Birken den Rücken frei. Es sind seine zweiten Olympischen Spiele - und seine erste Olympia-Medaille.

Goalie: Timo Pielmeier (28, ERC Ingolstadt)

Auch Pielmeier tingelte schon durch die kanadische bzw. amerikanische Provinz: St. John's Fog Devils, Shawinigan Cataractes, Bakersfield Condors, Syracuse Crunch, Elmira Jackals ... muss man wissen, wo das ist? Nein - es zählt nur Pyeongchang! 2014 DEL-Rookie des Jahres, ein Jahr später mit der ERC Vizemeister. "Pille" kommt mit Zottelbart und Wallemähne daher, in der Freizeit wird jongliert. Deggendorf 4 Life.

Seite 2: Die Verteidiger - von Ehrhoff bis Krupp

Verteidiger: Christian Ehrhoff (35, Kölner Haie)

Der "Iceman" haut gerne aus der zweiten Reihe drauf, ist ein Powerplay-Experte. Guter Kumpel von Marcel Goc, spielte von 2003 bis 2016 bei insgesamt sechs NHL-Teams (789 Spiele, 74 Tore, 265 Assists). Verlor mit den Canucks 2011 im Stanley Cup Game 7 gegen die Boston Bruins. Lieblingsfilm: Wedding Crashers. Machte auch ein Foto mit Lindsey Vonn, das interessierte aber keinen. Hätte beim Einzug in Pyeongchang fast die Deutsche Fahne getragen. Trägt jetzt mindestens Silber ...

Verteidiger: Sinan Akdag (28, Adler Mannheim)

Seit über sechs Jahren im Nationalteam aktiv, war 2015/16 DEL-Verteidiger des Jahres, in der Saison zuvor holte er mit den Adler die Deutsche Meisterschaft. Rückte erst Ende Januar für den verletzten Denis Reul nachträglich in den 25-Mann-Kader. Trug 2012 bei der WM als erster türkischstämmiger Spieler überhaupt das WM-Jersey mit dem Adler und kassierte dafür den Spitznamen Eis-Özil. Musste nach fiesem Check gegen den Kopf im Spiel gegen Norwegen am Mittwoch vorzeitig abreisen. Sinan, die Medaille kommt per Post!

Verteidiger: Daryl Boyle (30, EHC Red Bull München)

Der Kanadier mit deutschem Pass wuchs in British Columbia auf. Nach mehreren Jahren in der AHL kam er 2011 nach Deutschland, 2013 spielte er erstmals für die Nationalmannschaft. Leitete gegen seine Ahornblatt-Kumpels das 2:0 von Matthias Plachta ein. "Ich will einfach nur rausgehen und das Ganze erleben", sagte er vor dem Turnier. Und: "Wenn wir vom ersten Spiel an bereit sind, kann alles passieren." Jup. Wird am Samstag 31, am Sonntag gibt es auf jeden Fall ein glänzendes Geschenk.

Verteidiger: Frank Hördler (33, Eisbären Berlin)

Seit 2003 steht Hördler bei den Eisbären unter Vertrag, wurde mit dem Team schlappe siebenmal Deutscher Meister. 2006 wurde er vor Turin noch aussortiert, 2010 vor Vancouver ebenfalls - spielt jetzt also ENDLICH seine ersten Olympischen Spiele: "Wenn man Sportler, die schon mal dabei waren, sprechen hört, kommen einem Tränen in die Augen." Ruhiger Typ für den Hintergrund, knipste unter anderem zur frühen Führung gegen die Schweiz Die Russen waren für ihn vor dem Turnier der große Favorit, sagte aber auch einmal im SPOX-Interview: "Jeder Gegner ist irgendwann fällig."

Verteidiger: Moritz Müller (31, Kölner Haie)

Seit 2007 A-Nationalspieler, den Haien ist er nun schon seit 2004 treu. Fitnessfreak, langt auf dem Eis auch schon mal hin. Eigentlich gelernter Stürmer, ließ sich vor dem Turnier nur in Schlittschuhen von der Sport Bild ablichten. Sagte schon nach dem Sieg im Viertelfinale: "Ein Kindheitstraum, den man sich als deutscher Eishockeyspieler fast nicht zu träumen gewagt hat, wird hier wahr. Unfassbar." Was soll er da erst am Sonntag sagen?

Verteidiger: Jonas Müller (22, Eisbären Berlin)

Defensivspezialist und hart in den Zweikämpfen, abseits der Eisfläche eher schüchtern unterwegs. Schaffte in dieser Saison den Sprung vom Talent in den Olympiakader. Das Küken im Team, aufgrund der Verletzung von Akdag gibt es wieder mehr Eiszeit für ihn. Übte im Mai beim Cliffdiving auf Mallorca den Absturz - hoffentlich hat er sich auch auf ein Spiel um Olympiagold vorbereitet.

Verteidiger: Björn Krupp (26, Grizzly Adams Wolfsburg)

Sohn von Legende Uwe Krupp. Hat neben der deutschen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft und versuchte sich in Übersee mehrere Jahre in der OHL in Kanada, bevor es zu den Haien und dann nach WOB ging. Auf dem Eis der Mann für harte Checks und Unterzahl, auf dem Festland hört er Avicii und spielt Mario Kart. Tipps vom Vater, der in Nagano am Start gewesen war? "Genieß es."

Seite 3: Die Flügelflitzer - von Seidenberg bis Reimer

Linker Flügel: Yannic Seidenberg (34, EHC Red Bull München)

Der jüngere Bruder von NHL-Star Dennis spielt schon seit zwölf Jahren für die Nationalmannschaft und ist Rekordspieler in München, seinem vierten Team in der DEL. Seine Frau und die zwei kleinen Töchter sind in Pyeongchang vor Ort. Kam vor Turnierbeginn in die Schlagzeilen, als er im Flieger ein Selfie mit Lindsey Vonn knipste. Jetzt fliegt er höher dekoriert als sie nach Hause ...

Linker Flügel: Matthias Plachta (26, Adler Mannheim)

Eishockeyfamilie, Vater Jacek trainierte früher die polnische Nationalmannschaft. Nach fünf Jahren bei den Adlern versuchte Plachta 2015 sein Glück in den USA, kam aber nicht über die AHL hinaus und kehrte nach Mannheim zurück. Bei Turnieren schon immer ein Leistungsträger. Machte das 2:0 gegen Kanada, gegen Norwegen war der Penalty drin. Schaute sich beim Biathlon-Verfolger von Laura Dahlmeier an, wie so eine Goldmedaille aussieht. Frau Katharina ist Finanzberaterin - also falls es nach dem Spiel am Sonntag Werbeangebote gibt ...

Linker Flügel/Center: Marcus Kink (33, Adler Mannheim)

Korypähe und Kapitän bei den Adlern, bei denen er seit 2004 unter Vertrag steht. Kein Wunder, schließlich spielte die gesamte Familie Eishockey, schon Vater Georg war in der DEL aktiv. Morgenmuffel, schwört auf Mamas Schweinebraten und Braveheart. Spezl von Felix Neureuther. Sagte vor dem Turnier: "Deutschland ist sicher nicht Favorit, aber wir brauchen uns auch vor keinem zu verstecken" - und rief die Whatsapp-Gruppe "Mission Gold" ins Leben. Verpasst jetzt Jochen Hechts Abschiedsspiel in Monnem, aber dafür darf der auch mal die Medaille anfassen.

Linker Flügel/Center: Patrick Hager (29, EHC Red Bull München)

Spielt seit über zehn Jahren in der DEL, nahm an sieben Weltmeisterschaften teil. Fälschte den Schuss zum 4:1 gegen Kanada unhaltbar ab. Er und Frau Stephanie kommen beide aus Rosenheim, im TV spricht er aber Hochdeutsch - "Ich will ja keinen weißen Untertitel unter mir sehen." Vor Olympia ging er als Ninja Turtle Donatello zum Karneval. Wäre Fußballprofi geworden, wenn es für Eishockey nicht gereicht hätte - Zitat: "Bei Bayern würde ich jetzt auch mindestens eins schießen." Hagi, ein oder zwei Tore am Sonntag reichen völlig.

Linker/Rechter Flügel: Leonhard Pföderl (24, Thomas Sabo Ice Tigers)

Wenn er fit ist, ist er ein richtig guter Scorer. Betont unaufgeregt, als das Turnier losging: "Alles ist ganz normal und ruhig." Der gelernte Maurer "Leo" spielte zuerst Fußball, bevor er beim Eishockey hängen blieb - Checks tun ohnehin nicht so weh wie ein Stollentritt, sagt er. Fiebert trotzdem mit den Sechzigern mit und verehrt Zinedine Zidane. Schlägt sich im Finale hoffentlich besser als Zizou 2006 ...

Linker/Rechter Flügel: Yasin Ehliz (25, Nürnberg Ice Tigers)

Neben Akdag der zweite Spieler im Kader mit türkischen Wurzeln. Spitzname "Iggy", hat ne ordentliche linke Klebe. Und kann ordentlich wegstecken. Vor knapp einem Jahr zerfetzte ein Schlagschuss von Teamkollege Reimer sein linkes Ohr, es musste mit 20 Stichen genäht werden. Nachtragend ist er trotzdem nicht: Steckte im Viertelfinale den Pass zu Reimers Siegtor gegen Schweden durch. Holte sich nach Wellingers Gold im Skispringen ein paar Tipps im Deutschen Haus ab, jetzt bekommt er ebenfalls Edelmetall.

Rechter Flügel: Frank Mauer (29, EHC Red Bull München)

Einfach nur überragender Tweener gegen die Kanadier zum 3:0, beschwerte sich anschließend bitterböse über den Check gegen David Wolf: "Man hat schon gemerkt, dass die Kanadier zu dem Zeitpunkt sehr frustriert waren." Versteht sich blind mit Kahun, studiert Sportmanagement, wenn er nicht FIFA zockt oder mit Frau Anna unterwegs ist. In den letzten drei Jahren jeweils immer Deutscher Meister - eine Serie, die man eigentlich mit Gold krönen sollte ...

Rechter Flügel: Patrick Reimer (35, Nürnberg Ice Tigers)

Keiner hat in der Geschichte der DEL so viele Tore erzielt wie Reimer, 2014, 2016 und 2017 war er DEL-Spieler des Jahres. Schaffte trotzdem gerade so den Sprung in den Kader - und wurde gegen die Schweden in der Verlängerung zum Helden. Im Urlaub überquert er auch mal die Alpen oder wandert mit dem Rucksack durch Bali. Einen Titel hat der Altmeister aber noch nie geholt - wird langsam Zeit.

Seite 4: Die Center - von Kahun bis Goc

Center: Dominik Kahun (22, EHC Red Bull München)

Supertalent. Schlief als Kind in seinem Eishockey-Helm, debütierte mit 18 für die Nationalmannschaft. Davor ein Jahr in Kanada in der OHL. Verwandelte seinen Penalty gegen Norwegen, traf auch gegen Schweden. "Wir wollen etwas Großes erreichen", kündigte er vor dem Turnier an. Ließ sich vor einigen Tagen mit Ilya Kovalchuk fotografieren - am Sonntag sehen sie sich wieder. Sammelt Pucks und Trophäen. Böte sich nach dem Finale ja an ...

Center: Gerrit Fauser (28, Grizzly Adams Wolfsburg)

Fauser machte zu Beginn der Spiele Schlagzeilen, weil die Tasche mit seiner Ausrüstung mit zwei Tagen Verspätung in Südkorea eingetroffen war. Vielseitiger Spieler, stark im Penalty-Killing. Seit 2013 spielt "G-Rock" in Wolfsburg und ist dort laut eigener Aussage der bestaussehendste Spieler im Kader. Bereitete sich schon 2007 auf das Halbfinale gegen Kanada vor, als er undercover für zwei Jahre in der kanadischen Jugendliga QMJHL für die Olympiques de Gatineau spielte. Gewann dort auch einmal den Titel - ein gutes Omen?

Center: Brooks Macek (25, EHC Red Bull München)

Eröffnete gegen Kanada den Torreigen mit einem feinen Schlenzer ins linke Eck - der in Winnipeg geborene Deutsch-Kanadier weiß schließlich, was sich gehört! Seit 2013 spielte Macek in Deutschland, 2016 knipste er bei der WM dreimal. Das Schlittschuhtalent hat er von seiner Mutter (Eiskunstläuferin), im Sommer sitzt er in Ontario und angelt. Ob sich Edelmetall als Köder eignen würde?

Center: David Wolf (28, Adler Mannheim)

"Wer mich kennt, weiß, dass ich mir das dritte Drittel eines olympischen Halbfinales nicht entgehen lasse. Ich wäre auch auf einem Bein da raus gehumpelt." Unfassbar, dieser Wolf! Wird von den Kanadiern im zweiten Drittel brutal niedergestreckt und minutenlang behandelt - und wenig später ist er wieder da. Nach dem Spiel fließen beim Koloss die Tränen. Hat übrigens mal bei den Calgary Flames unterschrieben, spielte dann aber nur viermal. Jetzt die späte Rache! Und sonst? Tattoos, Lederhose und die kleine Tochter, die bestimmt gerne mit einer Goldmedaille spielen würde ...

Center: Marcel Noebels (25, Eisbären Berlin)

Verpasste als großes Talent zuerst den Durchbruch in den USA, bei den Eisbären jetzt eine feste Größe. Steigerte sich im Turnier, bezeichnete schon das Halbfinale als das "mit Abstand das schönste und größte, was ich persönlich in meiner Laufbahn als Eishockeyspieler erreicht habe", jetzt setzt er noch einen drauf. Ob man ihn wohl wecken könne, fragte er nach dem Kanada-Spiel auf Instagram. Nein, Marcel, es ist kein Traum! Daheim fiebert die Freundin und Golden Retriever Rocky mit. Bitte nicht an der Medaille kauen!

Center: Felix Schütz (30, Kölner Haie)

Routinier und Weltenbummler im Team: Spielte schon als Junior in Kanada, dann Portland, Wladiwostok, Omsk, Riga, Nowgorod, Schweden - und natürlich immer mal wieder DEL. Machte bei der Heim-WM 2010 den 2:1-Siegtreffer im Rekordspiel gegen die USA, privat würde er gern mal Brad Pitt treffen. "Vielleicht können wir ja für eine Überraschung sorgen", unkte er vor dem Turnier, als er sich von Frau Caro und den beiden Töchtern verabschiedete. Joa, vielleicht schon.

Center: Marcel Goc (34, Adler Mannheim)

Marco Sturms Capitano war schon bei der Heim-WM 2001 (!) am Start, 2017 musste er verletzt passen. Spielte früher mit Sturm in der NHL zusammen bei den Panthers, ist jetzt sein verlängerter Arm auf dem Eis. Geile Vorarbeit zu Mauers überragender Kiste gegen Kanada, heulte nach dem Spiel im Interview wie ein Schlosshund. Der zweifache Familienvater rief seinen Instagram-Account erst kurz vor den Spielen ins Leben, baute sich eine Tasse ins Profilbild. Resultat: Im Team heißt er nur noch "Tassen-Goc". Nach dem Finale am Sonntag ist ein neuer Spitzname fällig.

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