OLG München rechnet mit Anklage gegen früheren Wirecard-Chef Braun bis in drei Monaten

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Das Oberlandesgericht München rechnet im Prozess gegen den früheren Chef von Wirecard, Markus Braun, mit einer Anklage bis zum nächsten Haftprüfungstermin in drei Monaten. "Es sieht so aus, als ob das bis zum nächsten Haftprüfungstermin anklagefertig ist", sagte ein Sprecher des Oberlandesgerichts München am Donnerstag auf Anfrage. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Braun, einer der Hauptverantwortlichen für "gewerbsmäßigen Bandenbetrug" bei dem ehemaligen Dax-Konzern zu sein.

Die Wirecard-Chefetage soll über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben, um das Unternehmen über Wasser zu halten und Kredite zu erschwindeln. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die auf Treuhandkonten in Asien liegen sollen, sind nicht auffindbar. Seit Juli 2020 sitzt Braun in Untersuchungshaft.

Der Gerichtssprecher betonte auf Anfrage, dass es sich bei der Äußerung der zuständigen Kammer nicht um eine verbindliche Frist, sondern lediglich um eine Einschätzung der aktuellen Aktenlage handele. "Für den Fall, das keine unvorhergesehenen Schwierigkeiten auftreten", sei mit einer Anklage bis Ende Februar, spätestens bis zum nächsten Haftprüfungstermin zu rechnen. Zuerst hatte der "Spiegel" über die Einschätzung des OLG berichtet.

Laut dem Magazin räumten die Richter ein, dass es sich um einen komplexen Fall handele. Bei der Abwägung zwischen Sorgfaltsansprüchen an eine Anklageschrift und der Verfahrensbeschleunigung sei aber "im Zweifel zugunsten der Beschleunigung zu entscheiden", wie der "Spiegel" mit Bezug auf den zugrunde liegenden Beschluss berichtete.

Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte dem Magazin auf Anfrage, dass mit einer Anklage im ersten Quartal 2022 gerechnet werden könne. Die Anklagebehörde versuche, die Anklage "so rasch wie möglich zu erheben".

Der Anwalt von Braun, Alfred Dierlamm, forderte die Staatsanwaltschaft auf, das in der Wirecard-Bilanz fehlende Geld zu finden. Braun sei als ehemaliger Hauptaktionär selbst ein Geschädigter. Braun streitet die Vorwürfe gegen sich ab. Er will von dem milliardenschweren Betrug erst aus den Akten der Ermittler erfahren haben. Die Verantwortung schob er auf seinen früheren Geschäftspartner Jan Marsalek. Das frühere Geschäftsführungsmitglied Marsalek ist auf der Flucht und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

fho/pw

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