Öko-Zombie-Tatort „Böser Boden“: Zum Horrorfilm taugt’s dann doch nicht

Der skeptische Blick von Kommissar Falke (Wotan Wilke Möhring) ist durchaus berechtigt – der neue Tatort überzeugt nicht. (Bild: NDR/Christine Schroeder)

Experiment missglückt: Einmal mehr möchte der Tatort weg vom klassischen Krimi-Format – scheitert aber als Horrorfilm mit Erkläranspruch.

In „Böser Boden“ drehte sich alles um das ökologisch hochbrisante Thema Fracking. In einer niedersächsischen Ortschaft wird Arash Naderi (gespielt von Hadi Khanjanpour), Fahrer des Erdgas-Unternehmens „Norfrac“, ermordet aufgefunden. Zunächst vermutet das Kommissaren-Duo Torsten Falke und Julia Grosz (Wotan Wilke Möhring und Franziska Weisz) noch ein ausländerfeindliches Motiv der wütenden Dorfbewohner. Schnell stellt sich heraus, dass sich diese gegen den Umweltsünder „Norfrac“ auflehnen.

Bei der Maske der Bewohner – allesamt optisch entstellt – hat sich das Team rund um Regisseurin und Tatort-Debütantin Sabine Bernardi anscheinend vom Zombie-Verkaufsschlager „The Walking Dead“ inspirieren lassen. Die Bevölkerung ist körperlich entstellt, hat zerfurchte und von Ausschlag übersäte Gesichter und tote Augen. Besonders obskur: Der keuchende, bewaffnete Waldschrat (gespielt von Axel Neumann), ein früherer Aktivist, der zum paranoid-schizophrenen Wald-Eremiten mutierte.

Auch wenn in „Böser Boden“ alles chemisch verseucht scheint: Besonders viel Chemie herrscht weder zwischen den beiden Kommissaren noch in den Dialogen. „Sehen Sie mal den Menschen in die Augen, das sind doch halbe Zombies“, sagt Kommissarin Grosz ihrem Kollegen Falke. Der schätzt die Lage etwas anders ein: „Wenn man den ganzen Tag nur Hirse frisst, sieht man eben so aus.“ Noch schlimmer: Die Dialoge zwischen dem wütenden Mob und der Polizei („Und wir sind viele!“).

Kommissarin Grosz (Franziska Weisz) hat es mit ausgesprochen wütenden Bürgern zu tun. (Bild: NDR/Christine Schroeder)

Dabei hätte das Thema generell viel Potenzial geboten: Schließlich ist Fracking tatsächlich ein höchst dringliches Umweltproblem. Leider ist aber die Darstellung der betroffenen Dorfbewohner dermaßen missglückt, dass das Kernthema in den Hintergrund tritt und der Tatort-Zuschauer eher in ungläubigem Staunen verharrt. Auch dramaturgisch ist „Böser Boden“ wahrlich kein Erfolg: Denn obwohl die Stimmung immer mehr zu eskalieren droht, tänzelt die Folge über die gesamte Strecke um den vermeintlichen Punkt herum, anstatt auf selbigen zu kommen.

Als sich der Grund für den Mord an Naderi aufklärt und die Situation zwischen Polizei und den Zombie-Wutbürgern eskaliert, ist endgültig klar: Dem Tatort sei eine gewisse Experimentierfreude unbenommen, leider ist „Böser Boden“ aber ein gescheitertes Experiment.

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