Ohne Melania - Demos wirbeln G20-Partnerprogramm durcheinander

Die illustre Runde auf der “Diplomat” (Bild: dpa)

Möwen kreischen, Hafenkräne und Elbphilharmonie glitzern im Sonnenschein. Mit der Hafenrundfahrt beginnt das Programm für die Partner der G20-Teilnehmer am Freitag verheißungsvoll. Doch ohne First Lady Melania Trump. Etwa verschlafen? Nein. Die Ehefrau von US-Präsident Donald Trump wird von Demonstranten in Hamburg an der Teilnahme gehindert. Mit an Bord ist jedoch der drei Jahre alte Hadrien Trudeau in Begleitung seiner Mama.

Nach dem Elbe-Trip müssen auch die beiden – und alle anderen Ehefrauen und -männer der Staats- und Regierungschefs – flexibel sein. Angesichts der G20-Krawalle muss ein Besuch des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ) kurzerhand umdisponiert werden. Deren Wissenschaftler halten ihre Klima-Vorträge schließlich im Hotel Atlantic vor der illustren Gast-Gruppe.

Melania sitzt fest

Polizisten sichern das Gästehaus der Trumps (Bild: dpa)

Melania Trump sitzt stundenlang in ihrer Unterkunft an der Außenalster fest. Die Polizei habe keine Sicherheitsfreigabe erteilt, sagt ihre Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Nach ihren Angaben hat sich die First Lady auf die Aktivitäten mit den anderen Partnern gefreut. “Meine Gedanken sind bei denen, die bei den Protesten in Hamburg verletzt wurden. Ich hoffe, dass alle sicher bleiben”, twittert Melania Trump aus dem Gästehaus des Hamburger Senats.

Verpasst hat sie an Bord des Ausflugsschiffs “Diplomat” den zwanglosen Austausch. Aus der Ferne ist lächelnd Joachim Sauer, Ehemann von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gastgeber der Lebensgefährten, an Deck zu sehen. An Bord dürfte Trudeau-Nachwuchs Hadrien weitere Herzen erobert haben. Schon am Flughafen hatte der Blondschopf mit seinem ansteckenden Lachen entzückt. Vom Boot runter ließ sich Trudeau Junior von Mama Sophie Grégoire – im hellen Etuikleid – tragen.

Der kleine Star des Tages: Hadrien Trudeau mit Mama Sophie (Bild: dpa)

Kleid, Kostüm oder Hosenanzug ist das bevorzugte Outfit der Damen. Brigitte Macron, die Ehefrau des französischen Präsidenten, kommt im orangefarbenen kurzen Kleid. Für einen längeren Rocksaum entscheidet sich die Frau des argentinischen Staatspräsidenten, Juliana Awada, und lässt sich in einem luftigen Sommerkleid sehen. Die Frau des chinesischen Präsidenten, Peng Liyuan, hat eine helle Hose mit dunklem Blazer gewählt.

Damenrunde mit drei Herren

Bei der Ankunft am Fähranleger Dockland wirken Gastgeber Joachim Sauer und seine Gäste gelöst. Mancher lächelt und winkt in die Kameras der Fotografen. Sauer, von seiner Ehefrau Angela Merkel einmal als “sehr ruhiger Typ” bezeichnet, hält sich souverän in der deutlich weiblichen Überzahl. Die Männer sind zu dritt: Sauer, Philip May, der Mann der britischen Premierministerin Theresa May und Xavier Giocanti, der Lebensgefährte der IWF-Chefin Christine Lagarde.

Joachim Sauer (r) plaudert mit Juliana Awada (2.v.r.), Lucy Turnbull (m) und Xavier Giocanti (Bild: dpa)

Nach dem Mittagessen im “Fischerei-Hafenrestaurant” – bekannt für Gourmet-Menüs mit Carpaccio von Eismeerforelle oder argentinische Wildgarnelen – kommt die Routenänderung. Statt zum DKRZ, das mitten in der Demo-Zone liegt, geht es ins Hotel Atlantic. Dort folgt ein Teil der Gruppe den Klima-Ausführungen von DKRZ-Chef Thomas Ludwig, die sich Quantenchemiker Sauer gewünscht hatte. Trudeau junior und “Maman” sind nicht mehr dabei.

Am Abend stand für die Gruppe ein Konzert und Abendessen wieder mit den Partnern in der Elbphilharmonie auf dem Programm. Auf Wunsch der Kanzlerin sollte das Philharmonische Staatsorchester Hamburg Beethovens 9. Sinfonie zu Gehör bringen. Das Hauptthema des letzten Satzes ist die Hymne der Europäischen Union. Die Zeile “Alle Menschen werden Brüder!” gilt als Bekenntnis zur Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.