"Ohne kinderwagengeeignete Einstiege": Deutsche Bahn sorgt für Shitstorm

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Eine Kundin beschwerte sich im Internet über den schlechten Service der Deutschen Bahn. Für einen Shitstorm sorgte aber auch die Reaktion des Unternehmens auf den Ärger der Frau.

Bild: Getty Images

Die Deutsche Bahn steht im Mittelpunkt eines Shitstorms auf Twitter. Wir lehnen uns aus dem Fenster und behaupten: Mal wieder! Auslöser war diesmal eine Frau, die auf dem sozialen Netzwerk ihren Ärger darüber ausgelassen hat, wie wenig "kinderwagengeeignet" die Züge der Bahn und hilfsbereit manche Mitarbeiter des Unternehmens sind.

Carina Zimniok ist ihres Zeichens nach Redakteurin in Elternzeit beim Münchner Merkur, Mutter von mindestens einem Kind und mit einem weiteren Kind schwanger. Bei der Reise mit der Bahn stieß sie in ihrer Lage jüngst an ihre Grenze, wie dies in ihrem Eintrag auf Twitter deutlich wird.

"Wie soll das gehen, @DB_Bahn", schreibt sie am 11. Januar, "ein Zug ohne kinderwagengeeignete Einstiege und mit einer (pampigen) Schaffnerin, die lieber Achseln zuckt als einer Schwangeren mit Kleinkind behilflich zu sein?"

In einem weiteren Eintrag lieferte sie "ein paar Ergänzungen" zum Vorfall. Sie sei "rechtzeitig am Bahngleis und auch in der körperlichen Verfassung" gewesen, "zügig am Zug entlang zu laufen, um eine helfende Hand zu organisieren." "Rollstuhlfahrern oder gebrechlichen/kranken Menschen", so Zimniok weiter, "ist das evtl nicht möglich."

Auf die Beschwerde hat die Bahn mittlerweile reagiert. Die ausgebliebene Hilfe der "pampigen Schaffnerin" erklärt das Unternehmen so: "Die Kollegen sind nicht versichert, wenn sie Ihnen den Kinderwagen in den Zug tragen", schreibt der Konzern in einer Stellungnahme auf derselben Plattform. "Deshalb konnte sie auch nicht helfen. Denn passiert dabei etwas, muss sie es auf ihre eigene Kappe nehmen."

Der Rechtfertigungsversuch ging nach hinten los. Nicht nur bei der Betroffenen stieß die Bahn damit auf wenig Verständnis. "Und der nette Passant, der mir dann geholfen hat, hat Pech gehabt, wenn etwas passiert?", schreibt Zimniok. Und überhaupt, so die Bahnkundin in einem weiteren Twitter-Post, würde es sie "übrigens noch geben, die Zugbegleiter, die einem einfach helfen, Versicherung hin oder her".

Auch anderen Twitter-Nutzern ist die Erklärung unzureichend. "Und was genau ist jetzt der Rat von der DB an Schwangere bzw. Eltern mit Kinderwagen, die mit der DB reisen wollen?", fragt ein User. Eine andere Nutzerin versteht das Problem nicht. "Versichert sie [die Mitarbeiter] doch einfach für genau solche Fälle", schreibt sie. "Solche scheiß Fälle kosten euch eure Seriosität. Überall gibts Versicherungen für jedes Glump schon für ein paar Euronen, aber eure MitarbeiterInnen? Scheißegal?"

Hinsichtlich des Vorwurfs fehlender "kinderwagengeeigneter Einstiege" verweist die Bahn auf ihren Mobilitätsservice. Dieser organisiere "alles Notwendige", wenn die Kunden "Hilfe beim Ein-, Um- oder Aussteigen benötigen", wie es auf der Webseite des Unternehmens zum Thema Barrierefreies Reisen heißt. Dazu Zimniok, die den Service eigenen Angaben zufolge nicht kannte: "In dem Fall habe ich mich recht kurzfristig für den Zug entschieden, dafür muss es ja auch eine Lösung geben."

Ihren Humor hat sie immerhin auch nach der Bahn-Irrfahrt nicht verloren. "Ich schlage eine allgemeine staatliche Gefahrenzulage für alle Mütter vor", schreibt sie sarkastisch und den Vorfall ad acta legend.