Oh Schreck: Eine Aktie kürzt die Dividende – sollte ich sie direkt verkaufen?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Für Einkommensinvestoren kann das einen starken Einschnitt bedeuten, wenn eine Dividendenaktie ihre Ausschüttung plötzlich kürzt. Vor allem, wenn ein solcher Schritt eigentlich unvorhergesehen kommt, werden viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt und das führt häufig auch zu einigen Kurskapriolen.

Alleine ein Blick auf den DAX zeigt, dass Dividendenkürzungen, auch in großem Stil, leider nicht so selten sind. Daimler (WKN: 710000), beispielsweise, hat erst vor wenigen Wochen verkündet, dass die eigene Ausschüttung massiv auf lediglich 0,90 Euro je Aktie gekürzt werden soll. Zugegeben, hier gab es einige Anzeichen, nichtsdestoweniger hat die Höhe der Kürzung doch überrascht.

Aber was tun im Fall der Fälle, wenn es einen selbst erwischt? Lieber direkt verkaufen? Ein paar spannende Fragen, die wir im Folgenden mal versuchen wollen, etwas näher zu beleuchten.

1) Es hängt vom Einschnitt ab

Grundsätzlich ist ein genereller Rat an dieser Stelle natürlich vergleichsweise schwierig, da eine Kürzung von mehreren Faktoren und auch von deinem Ansatz und vom Einzelfall abhängig ist. Daher kann es im Grunde bloß Kriterien geben, anhand derer man diese Fragestellung beurteilt.

Ein erstes solches Kriterium ist dabei, wie gesagt, der Einzelfall beziehungsweise die Höhe des Einschnittes, die es zu verkraften gilt. Bei vielen Dividendenkürzungen findet eine Kürzung lediglich in kleinerem Stil statt, beispielsweise, weil ein Geschäftsjahr eher von Stagnation gekennzeichnet gewesen ist oder einem moderaten Rückgang und gemäß der Dividendenpolitik, die stets einen Anteil von x % vorsieht, eine geringere Ausschüttung ausgezahlt wird. In solchen Fällen könnte es sich natürlich anbieten, nicht direkt zu verkaufen, weil hier eine gewisse Flexibilität vorprogrammiert gewesen ist.

In anderen Fällen, in denen eine Kürzung oder gar eine Streichung bevorsteht, könnte es hingegen angebrachter sein, die eigene Investitionsthese zu überdenken. Zugegeben, das sind sehr heftige Beispiele an dieser Stelle, jedoch kann das in etwa den Rahmen abbilden, der einen jeweiligen Einschnitt skizzieren kann. Und je nach Größe können andere Dinge richtig sein oder auch nicht.

2) Die Aussicht auf Besserung

Eine zweite, wichtige Sache, die es zudem zu berücksichtigen gilt, ist die Aussicht auf eine operative Verbesserung. Bei vielen und insbesondere zyklischen Dividendenaktien kann eine Kürzung der jeweiligen Ausschüttung in Abschwüngen möglicherweise vorprogrammiert sein. Die Zahlenwerke brechen ein und mit ihnen die Dividenden, die Aufs und Abs im Wirtschaftskreislauf sind eigentlich so sicher wie das Amen in der Kirche.

Bei solchen Dividendenaktien sollte man daher stets überlegen, ob es hier mittelfristig wieder eine solidere Perspektive mit besseren (Dividenden-)Aussichten gibt. Wenn die Investitionsthese schließlich noch intakt ist, macht es keinen Sinn, zu verkaufen, da man ansonsten vermutlich auf dem Tiefpunkt verkaufen würde. Ein Fehler, der zweimal teuer werden kann, nämlich auch, weil man den kommenden Aufschwung nach dem Tiefpunkt verpasst.

Sollten jedoch die Gründe, weshalb eine Ausschüttung gekürzt oder eingestampft wurde, anders gelagert sein, beispielsweise weil die eigenen Produkte oder Leistungen technisch überholt sind, dann heißt es nix wie raus aus der Aktie. Denn hier dürfte die Kürzung der Ausschüttung lediglich ein erstes Anzeichen einer größeren Abwärtsspirale sein.

3) Was bedeutet die Dividende für dich?

Zu guter Letzt ist es jedoch auch wichtig zu beurteilen, was die Dividende für dich bedeutet. Bist du beispielsweise Einkommensinvestor und als Ruheständler regelmäßig auf deine Ausschüttungen angewiesen, so könnte es ebenfalls ratsam sein, die Reißleine zu ziehen und sich andere, bessere und zuverlässigere Ausschütter zu suchen. Möglichst jedoch noch bevor die Kürzung der Dividende thematisiert worden ist, da häufig Kurseinbrüche mit einer solchen einhergehen, die dein Ruhestandspolster etwas stutzen.

Für wen Dividenden hingegen eher schmückendes Beiwerk sind, der kann es sich natürlich leisten, eine Kürzung oder Streichung etwas länger auszusitzen. Auch die persönliche Ausgangslage und die Bedeutung einer Dividende für dich als Investor im Privatleben ist daher ein wichtiger Aspekt, den es zu berücksichtigen gilt. Möglicherweise sogar noch ein Quäntchen mehr als die vorherigen beiden Aspekte.

Ruhe bewahren, gut überlegen!

Sofern es daher früher oder später mal zu einer Kürzung der Dividende bei dir im Portfolio kommt, ist es jedoch zunächst ratsam, erst einmal Ruhe zu bewahren. Sobald das Wort Kürzung ausgesprochen ist, ist eh das Schlimmste vermutlich schon passiert und man hat Zeit, sorgfältig abzuwägen, was jetzt passieren sollte.

Die Höhe der Kürzung, die Aussicht auf Besserung und deine persönlichen Präferenzen sind dann unterm Strich wichtig, um zu überlegen, wie man idealerweise agiert. Ein Verkauf kann dabei eine Option sein, sollte jedoch gut durchdacht werden.

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Vincent besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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