Offener Brief an Jens Spahn: Krankenschwester macht ihrem Unmut Luft

Jens Spahn polarisierte in den letzten Wochen mehrfach mit seinen Äußerungen. Die vermeintliche Zwei-Klassen-Medizin sei beispielsweise nur ein gefühltes Problem. Eine wütende Krankenschwester fasste sich nun ein Herz und schrieb einen langen Brief an den Gesundheitsminister, den sie auf Facebook teilte.

Jens Spahn steht wegen seiner polarisierenden Äußerung in der Kritik. (Bild-Copyright: Fabrizio Bensch/REUTERS)

Jana Langer ist Fachkrankenschwester und schon lange mit der deutschen Gesundheitspolitik unzufrieden. Mit dem Amtsantritt von CDU-Politiker Jens Spahn als neuer Gesundheitsminister kochte ihre Wut über. Sie schreibt auf Facebook: “Bevor mir der Kragen platzt, bekommt erstmal Hr. Spahn einen Brief.”

Gesagt, getan. In einem Facebook-Post teilt sie die Zeilen, die sie am Folgetag auch per Post an den Gesundheitsminister schicken will. Ihre Worte sind klar und eindeutig. Sie spricht von einem “menschenunwürdigen System”. Das Pflege- und Krankenpersonal könne nicht ausreichend auf die Bedürfnisse der Patienten eingehen. Mangelhaft seien nicht nur die Arbeitsbedingungen und die Bezahlung der Angestellten, sondern auch die Zeit, die ihnen zur Behandlung zur Verfügung stünde.

Umso schwerer hat Jana Langer die Nachricht getroffen, dass fortan Jens Spahn das Amt des Gesundheitsministers einnimmt, dem es der Krankenschwester zufolge an Innensicht fehle. Seine Ausbildung sei nicht ausreichend, er wisse gar nicht, wie die tagtägliche Behandlung von Patienten ablaufe.

“Nun haben wir Sie also als Gesundheitsminister zu akzeptieren. Es ist uns ein dringendes Anliegen, Ihnen zu verdeutlichen, dass für eine menschliche Daseinsfürsorge mehr nötig ist als Ihre ignoranten und diffamierenden Worte der letzten Wochen gegenüber den Menschen, die unsere sozialen Absicherungen dringend benötigen”, so Jana Langer im Namen ihrer Kollegen und Kolleginnen.

Weiter schreibt sie: “Wären Sie bereit, 24 Stunden an 365 Tages des Jahres Ihre Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen? Wären Sie bereit, freiwillig auf Ihr Familienleben zu verzichten, zugunsten der Schwächsten im System?”

Bereits in einem Gespräch in der ARD-Talkshow “Hart aber fair”, in der Jens Spahn die private Krankenversicherung verteidigte, versuchte eine Zuschauerin, dem Gesundheitsminister die Realität vor Augen zu führen. Sie lud ihn in eine Krankenhaus-Notaufnahme ein, um die Menschen zu sehen, die dort landen, weil sie keinen Termin bei einem Facharzt bekommen.

Jana Langer verlangt eine Wiedergutmachung. Am Ende ihres Briefes heißt es: “Um auch Ihre herablassenden Worte der letzten Wochen wieder gut zu machen, besinnen Sie sich auf diejenigen, die durch ihr Kreuzchen überhaupt Ihren Posten ermöglicht haben!”

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