Offenbar tausende Missbrauchsfälle in Familien juristisch nie aufgearbeitet

Tausende Fälle sexuellen Missbrauchs innerhalb von Familien sind offenbar rechtlich nie aufgearbeitet worden. Seit die Bundesregierung vor vier Jahren den Fonds sexueller Missbrauch im familiären Bereich gegründet habe, hätten sich etwa 9000 Menschen gemeldet und Anträge auf Hilfen gestellt, berichtete die Zeitung "Die Welt" aus Berlin am Dienstag unter Berufung auf den Fonds. Viele der nun erwachsenen Antragsteller gaben demnach an, als Kinder missbraucht worden zu sein.

Die Bundesregierung hatte den Fonds ins Leben gerufen, um Betroffene mit Sachleistungen bei der Bewältigung von Spätfolgen des Missbrauchs zu unterstützen. Für Straftaten aus dem Bereich des sexuellen Kindesmissbrauchs kommen Verjährungsfristen zwischen fünf und 30 Jahren in Betracht. In einigen Fällen ruht die Verjährung bis zur Vollendung des 30. Lebensjahres.

"Damit ist es Betroffenen bereits sehr lange möglich, strafrechtlich gegen die Täter oder Täterinnen vorzugehen", sagte der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig der "Welt". Juristisch gibt es für Betroffene nach einer bestimmten Zeit dennoch keine Möglichkeit mehr, die Täter noch zu belangen. Laut "Welt" müssen sich tausende Betroffene mit der Verjährung abfinden.

Laut Bundesfamilienministerium ist das Problem bekannt. Häufig daure es bis zur Lebensmitte, bis Opfer sich an die Taten erinnerten. In den vergangenen Jahren waren immer wieder Missbrauchsfälle bei Kirchen oder in Heimen aus den 70er Jahren bekannt geworden. Sozialforscher vermuten laut "Welt", dass es auch in Familien viele Missbrauchsfälle gegeben habe, die damals häufiger als heute unentdeckt geblieben seien.