Offenbar hochrangiger Ex-VW-Manager festgenommen

Wolfgang Hatz gilt als Vertrauter von Martin Winterkorn und wurde im Zuge der Abgasaffäre von Porsche beurlaubt. Jetzt sitzt er Berichten zufolge in Untersuchungshaft – als erster hochrangiger Konzernmanager.


Die Staatsanwaltschaft München II hat offenbar einen hochrangigen Ex-Manager von VW im Zusammenhang mit dem Abgasskandal festgenommen. „Ich kann bestätigen, dass es gestern im Rahmen der Audi-Ermittlungen zu zwei weiteren Durchsuchungen kam und eine Person in Untersuchungshaft genommen wurde“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II. Bei dem Manager soll es sich nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR erstmals um einen hochrangigen Manager handeln, und zwar Wolfgang Hatz. Zuvor hatte das Handelsblatt lediglich von einer weiteren Festnahme berichtet.

Hatz sei laut dem Bericht der SZ in München dem Ermittlungsrichter vorgeführt worden, der nach der Eröffnung des Haftbefehls auch die Untersuchungshaft anordnete. Im Juni hatte der Anwalt des Ingenieurs noch gesagt, es gebe „keine Hinweise darauf, dass unser Mandant in die Diesel-Affäre verwickelt ist“. Gegenüber dem Handelsblatt wiederholte der Hatz-Anwalt jetzt diese Beteuerung: „Die unserer Mandantschaft gegenüber erhobenen Vorwürfe sind falsch.“

Mit der Verhaftung hat der Abgasskandal bei Volkswagen eine neue Stufe erreicht, denn Hatz war kein einfacher Mitarbeiter. Er gilt als enger Vertrauter des früheren Konzernchefs Martin Winterkorn. Unter Winterkorn war Hatz von 2001 bis 2007 Leiter der Motorenentwicklung bei Audi – einer entscheidenden Zeit in der Entstehung des Abgasskandals. 2007 zog er mit Winterkorn von Ingolstadt nach Wolfsburg und übernahm die Leitung der Aggregate-Entwicklung auf Konzernebene. 2011 wurde Hatz in den Porsche-Vorstand entsendet und übernahm dort die Entwicklungsabteilung.




Nur kurz nachdem die Abgasaffäre im September 2015 an die Öffentlichkeit kam, wurde Hatz beurlaubt – aufgrund seiner diversen Posten in der Motorenentwicklung des Konzerns galt eine Verwicklung als wahrscheinlich. Dass er auch eine tragende Rolle bei der millionenfachen Manipulation gespielt haben könnte, war lange unklar. Noch 2016 einigte er sich mit Porsche auf einen Aufhebungsvertrag, der ihm eine millionenschwere Abfindung zusicherte – interne Untersuchungen hätten kein Fehlverhalten seitens Hatz belegt, so Porsche damals. Ausgezahlt wurde die Abfindung aber nur unter Vorbehalt – sollte doch noch eine Pflichtverletzung nachgewiesen werden, muss er das Geld zurückzahlen.

Hatz ist nicht der erste hochrangige Manager, der unter Verdacht steht – aber der erste, der in Haft sitzt. Bislang sind das nur Verantwortliche aus den hinteren Reihen. Heinz-Jakob Neußer, 2011 auf Hatz als Leiter der Aggregate-Entwicklung gefolgt und zuvor unter Hatz tätig, wird laut der US-Anklageschrift ebenfalls eine Mitschuld unterstellt. Er soll vor allem beim Vertuschen der Manipulationssoftware vor den US-Behörden beteiligt gewesen sein. In Deutschland wird Neußer aber nicht festgenommen.




Laut der Süddeutschen Zeitung gehen die Strafverfolger davon aus, dass Hatz neben seiner Verwicklung in den Skandal selbst auch nach seiner Beurlaubung sich an der Verdunklung der Vorgänge beteiligt haben soll. So soll er bei einem Treffen früheren Audi-Kollegen Tipps für deren Aussage gegeben haben. Zudem werde Hatz auch von den Aussagen des früheren Audi-Motorenentwicklers Giovanni P. belastet, der in Stadelheim in Haft sitzt.