OECD: Schüler mit Migrationshintergrund oft mit schwächeren Schulleistungen

Soziale Herkunft entscheidet weiter über schulischen Erfolg

Schüler mit ausländischen Wurzeln schneiden in der Schule oft schlechter als ihre Mitschüler ab. Knapp die Hälfte (43 Prozent) der 15-Jährigen mit Migrationshintergrund zeigt sehr schwache Schulleistungen, wie eine am Montag veröffentlichte Sonderauswertung der Pisa-Schulstudie ergab. Der Anteil ist demnach fast zweieinhalbmal so hoch wie unter den Schülern ohne ausländische Wurzeln. Auch im internationalen Vergleich steht Deutschland schlecht da.

Deutschland gehört laut der Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wie Österreich, die Schweiz, Belgien, Dänemark, Finnland, Luxemburg, Slowenien und Schweden zu den Ländern, in denen unter Migranten der Anteil leistungsschwacher Schüler besonders hoch ist. In diesen Ländern erreichen Schüler mit Migrationshintergrund demnach mehr als doppelt so häufig wie Schüler ohne Migrationshintergrund nicht die schulischen Grundkenntnisse.

Der hohe Anteil leistungsschwacher Schüler erklärt sich laut OECD zum Teil damit, dass das Bildungsniveau der Eltern vergleichsweise niedrig ist und die Schüler in eher einfachen wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen aufwachsen. Ein weiterer Grund könnte demnach die Sprache sein. So sprechen laut der Studie knapp 80 Prozent der Migranten erster Generation zu Hause nicht die Unterrichtssprache. Im OECD-Schnitt sind es rund 60 Prozent.

Schüler mit Migrationshintergrund haben in Deutschland und anderen Ländern der Untersuchung zufolge auch eher das Gefühl, in der Schule nicht dazuzugehören. Sie klagen demnach zudem häufiger über schulbezogene Ängste und sind insgesamt weniger mit ihrem Leben zufrieden als Schüler ohne Migrationshintergrund. Allerdings seien sie "deutlich motivierter" als Jugendliche ohne ausländische Wurzeln.

In Deutschland hat laut OECD mehr als ein Viertel (28 Prozent) der Schüler ausländische Wurzeln. Im OECD-Schnitt lag der Anteil bei den 15-Jährigen im Jahr 2015 mit 23 Prozent niedriger. In fast allen Ländern stieg laut der Untersuchung der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit ausländischen Wurzeln in den vergangenen zehn Jahren deutlich an. Bei knapp der Hälfte der Schüler mit Migrationshintergrund in Deutschland handelt es sich um Migranten zweiter Generation. Das heißt, sie wurden in Deutschland geboren, ihre Eltern aber im Ausland.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte als Konsequenz aus der Studie, sich im Schulsystem stärker auf die Mehrsprachigkeit von Kindern und Jugendlichen einzustellen. Sprachbildung und mehrsprachiges Lernen von Beginn an müssten mehr ins Zentrum gerückt werden, erklärte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Es sei die Aufgabe von Schulen, "soziale Ungleichheiten und Diskriminierung abzubauen". Dieser Herausforderung werde das Bildungswesen in Deutschland "nicht ausreichend gerecht".

Die bildungspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Margit Stumpp, wertete die Studie als Beleg dafür, dass das deutsche Bildungssystem "sozial kaum durchlässig" sei. Der Schulerfolg dürfe nicht von der sozialen Herkunft abhängig sein.