OECD: Deutschland hat besonders viele Studenten in Mint-Fächern

In Deutschland entscheiden sich besonders viele junge Menschen für ein Studium in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Das zeigt ein Bildungsbericht der OECD

In Deutschland entscheiden sich besonders viele junge Menschen für ein Studium in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik. Im Jahr 2015 studierten 37 Prozent der Hochschulabsolventen ein sogenanntes Mint-Fach, wie eine am Dienstag vorgelegte OECD-Studie ergab. Dies war demnach der höchste Anteil im internationalen Vergleich. Die Bildungsausgaben Deutschlands sind dagegen vergleichsweise gering.

Frauen sind zudem laut der jährlich von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) vorgelegten Untersuchung "Bildung auf einen Blick" in den meisten Mint-Fächern "unterrepräsentiert". Sie stellen demnach in diesem Bereich nur 28 Prozent der Studienanfänger. Der OECD-Durchschnitt liegt allerdings mit 30 Prozent nur unwesentlich höher.

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) zeigte sich erfreut über den hohen Anteil an Studierenden der Mint-Fächer. "Zur Sicherung seiner Innovationsstärke braucht Deutschland eine ausgeprägte Mint-Kompetenz", erklärte Wanka. Dies gelte gerade auch mit Blick auf den digitalen Wandel. Frauen müssten aber in diesem Bereich weiterhin besonders gefördert werden. "Auf ihr Potenzial können und dürfen wir nicht verzichten", mahnte Wanka.

Die OECD verweist in dem Bildungsbericht aber auch darauf, dass die Bildungsausgaben in Deutschland mit 4,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts weiter deutlich unter dem OECD-Mittel von 5,2 Prozent liegen. An den Hochschulen hielten die Ausgaben demnach auch nicht mit der gestiegenen Zahl an Studierenden Schritt.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil kritisierte deshalb, Deutschland investiere gemessen an seiner Wirtschaftskraft viel zu wenig in Bildung. Auch die Grünen-Abgeordneten Özcan Mutlu und Kai Gehring monierten, dass das deutsche Bildungssystem im internationalen Vergleich unterfinanziert sei.

Die OECD hebt in dem Bildungsbericht zudem die große Bedeutung der Berufsbildung in Deutschland hervor. Das deutsche System stelle eine "hohe Beschäftigungsfähigkeit" sicher, erklärte die Organisation. Dies spiegle sich etwa in dem geringen Anteil junger Menschen wider, die sich weder in Beschäftigung noch in Bildung oder Ausbildung befänden. Dies treffe in Deutschland auf 10,8 Prozent der 20- bis 24-Jährigen zu. Dies sei einer der niedrigsten Anteile in den OECD-Ländern.

Die amtierende Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), forderte vor diesem Hintergrund, wieder ein "gesellschaftliches und individuelles Bewusstsein" dafür zu verankern, dass die berufliche Bildung eine "absolut gleichwertige Alternative" zu einem Studium darstelle.

Die OECD bewertet es in der vorgelegten Studie darüber hinaus auch positiv, dass in Deutschland fast alle Drei- bis Fünfjährigen eine Kita besuchen. Im Jahr 2015 nahmen laut der Studie 93 Prozent der Dreijährigen, 97 Prozent der Vierjährigen und 98 Prozent der Fünfjährigen an Vorschulbildung teil. Die Anteile lagen damit höher als im OECD-Durchschnitt.

"Die Teilnahme an qualitativ hochwertiger frühkindlicher Bildung und Erziehung ist für die späteren Bildungsergebnisse besonders wichtig", erklärte die OECD. Spätere Maßnahmen seien "weniger effizient", weil sich dann ein "Entwicklungsfenster" der Kinder bereits geschlossen habe.