„Oder soll man es lassen?“ Artikel der „Zeit“ über Seenotrettung löst hitzige Debatte aus

Seit Jahren versuchen Menschen aus Afrika, illegal mit Schlauchbooten nach Europa zu gelangen. Viele kommen bei der gefährlichen Fahrt über das Mittelmeer ums Leben. (Bild: Getty Images)

In der aktuellen Ausgabe der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ geht der Politikaufmacher unter anderem der Frage nach, wie Europa auf die anhaltende Flüchtlingskrise im Mittelmeer reagieren soll. Ein Pro-und-Kontra zum Thema sorgt bei vielen Lesern für Fassungslosigkeit.

Selten zuvor hat ein Artikel der „Zeit“ eine solche Kontroverse ausgelöst. Auf Seite 3 der aktuellen Ausgabe gehen die beiden Journalisten Bernd Ulrich und Mariam Lau der Frage nach, ob der Einsatz von privaten Seenotrettern im Mittelmeer legitim und wünschenswert sei. Die Überschrift zu dem Pro-und-Kontra trägt den provokanten Titel: „Oder soll man es lassen?“

In der digitalen Ausgabe hat die Redaktion die Überschrift mittlerweile in „Gut? Oder nur gut gemeint?“ geändert. Trotzdem entzündet sich heftige Kritik an dem komplexen Thema, das die „Zeit“ hier bearbeitet hat – vor allem an dem Textbeitrag von Mariam Lau. Die Autorin tadelte in ihrem Kommentar das Vorgehen der privaten Seenotretter und schrieb über diese: „Ihr Verständnis von Menschenrechten ist absolut kompromisslos.“ Die Reaktionen im Internet zeigen, wie aufgeheizt die Debatte ist.

Der ehemalige Türkei- und heutige Österreich-Korrespondent von „Spiegel Online“, Hasnain Kazim, reagierte als einer der Ersten:


Blogger und Journalist Mario Sixtus hatte die „Zeit“-Überschrift mit einer anderen Art von Menschenrettung verknüpft:


Fabian Eberhardt, Redakteur bei der Schweizer Zeitung „Blick“, konnte es ebenfalls nicht fassen:


Die Journalistin Hatice Akyün schloss sich dem Aufschrei an:


Grünen-Politikerin Renate Künast drehte den Spieß um und erklärt den Redakteuren der „Zeit“, wie diese sich zu verhalten hätten:


Das Künstler- und Aktivistenkollektiv „Zentrum für Politische Schönheit“ kommentierte den „Zeit“-Artikel so:


Und Jutta Ditfurth, ehemalige Grünen-Politikerin und Aktivistin, wünschte der „Zeit“ einen Auflageneinbruch:


Die Autorin des „Zeit“-Magazins Khuê Pham nahm ihre Kollegin Mariam Lau allerdings in Schutz:


Aber es gab auch Gegenstimmen.

FAZ-Redakteur Constantin van Lijnden konnte den Wirbel um den Artikel nicht nachvollziehen.


Dass der „Zeit“-Artikel nicht forderte, Menschen ertrinken zu lassen, sah auch dieser User so:


Auch dieser Polit-Interessierte war über die aktuelle Empörungswelle gegen die „Zeit“ erstaunt:


Lesen bildet. Fand auch dieser aufmerksame Nachrichtenkonsument:



Über die kritischen Reaktionen von Journalisten auf den „Zeit“-Artikel kann sich dieser Twitter-User nur wundern:


Mittlerweile haben sich Bernd Ulrich und Sabine Rückert, beide stellvertretende Chefredakteure der „Zeit“, auf der Online-Seite der Zeitung zu der Kritik geäußert. In der Stellungnahme hieß es unter anderem: „Wir bedauern, dass sich einige Leser in ihrem ethischen Empfinden verletzt gefühlt haben, und dass der Eindruck entstehen konnte, die ZEIT oder auch Mariam Lau würden einer Seenotrettung generell eine Absage erteilen. Dies ist nicht der Fall.“ Man habe sich in dem Artikel lediglich mit der privaten Seenotrettung, nicht mit Seenotrettung generell kritisch auseinandergesetzt.