Obwohl Sputnik-V-Daten fehlen: Bayerns Regierungschef Söder glaubt noch an Millionen-Lieferung von Putins Impfstoff

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Bayerns Ministerpräsident Markus Söder plant weiter mit der Verimpfung des russischen Impfstoffs Sputnik V.
Bayerns Ministerpräsident Markus Söder plant weiter mit der Verimpfung des russischen Impfstoffs Sputnik V.

Über den russischen Impfstoff Sputnik V ist bislang kaum etwas Verlässliches bekannt. Russlands Präsident Wladimir Putin lobt zwar das Mittel in höchsten Tönen, doch wie sehr es vor dem Coronavirus schützt und welche Nebenwirkungen bei Impfungen auftreten, ist nicht überprüfbar.

Trotzdem hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) schon im April bekannt gegeben, dass sich sein Bundesland eine Vorkauf-Option für 2,5 Millionen Dosen gesichert hat. Auch Mecklenburg-Vorpommern hatte zu dem Zeitpunkt eine Vorkauf-Option von einer Million Dosen abgeschlossen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte im Frühling sogar, dass der Impfstoff vom Bund gekauft und verteilt werden solle.

Doch das umstrittene Mittel dürfte auch auf absehbare Zeit in Deutschland nicht zum Einsatz kommen. Zwar befindet sich Sputnik V seit März in einem Eilzulassungsverfahren bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMA. Doch Russland liefert weiterhin nicht die notwendigen Daten, wie die Nachrichtenagentur Reuters nun am Dienstag berichtet.

Trotzdem halten Bayern und Mecklenburg-Vorpommern am russischen Mittel fest, teilten Regierungssprecher auf Anfrage von Business Insider mit. Auch das Bundesministerium für Gesundheit befindet sich nach Informationen von Business Insider weiter in Verhandlungen mit Russland, um sich Impfdosen im Falle einer Zulassung zu sichern.

Notfalls will Bayern den Impfstoff aus Russland importieren

Geplant war noch im Frühjahr, dass der Impfstoff in Deutschland produziert wird. Die Firma R-Pharm erweitert dafür aktuell im bayrischen Illertissen ihre Produktionskapazitäten. Sollten die Bauarbeiten nicht rechtzeitig abgeschlossen sein, so ein Sprecher der Bayrischen Staatskanzlei zu Business Insider, wolle man notfalls den Impfstoff auch aus Russland importieren.

Fraglich ist ohnehin, warum Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern weiter auf den russischen Impfstoff setzen. Nach anfänglich schleppendem Tempo hat die Impfkampagne in Deutschland an Fahrt aufgenommen. Lieferengpässe und Überlastung der Impfangebote gibt es nicht mehr. Inzwischen wird sogar diskutiert, die verbliebenen Impfdosen des Herstellers AstraZeneca abzugeben. Die Impfstoffe von Biontech, Moderna und Johnson&Johnson sind bereits von der EMA zugelassen und inzwischen reichlich vorhanden. Bis zu einer möglichen Zulassung von Sputnik dürfte auch noch einige Zeit vergehen und die Impfsituation sich weiter entspannen.

Sputnik könnte frühstens im Herbst zugelassen werden

Ob Sputnik V durch die EMA tatsächlich zugelassen wird, wird zudem inzwischen bezweifelt. Sicher ist, dass mit einer Zulassung vor Herbst nicht zu rechnen ist. Für die europäische Zulassung des Impfstoffes durch die EMA, benötigt diese noch Daten aus Russland. Bei den fehlenden Daten handelt es sich um Zahlen, die Aufschluss über Nebenwirkungen geben könnten. Russland entgegnet, dass der Impfstoff sicher sei und spricht von einer Diffamierungskampagne der westlichen Pharmaindustrie, die versuche, Sputnik in Verruf zubringen.

Tatsächlich ist der Ruf des russischen Impfstoffs nicht sehr gut. Erst vergangene Woche gab Slowenien bekannt, mehrere Hunderttausend Dosen Sputnik verschenken zu wollen, weil die Bevölkerung andere Impfstoffe bevorzuge. Auch innerhalb Russlands hat Sputnik keinen guten Ruf. Die Impfquote in Russland liegt noch im niedrigen zweistelligen Bereich und viele Russen lehnen eine Impfung mit Sputnik ab.

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