Obstbaumveredelung: Wie der Apfel noch verlockender wird

Der Ort für ein Seminar zur Veredelung von Obstbäumen könnte nicht besser gewählt sein. In dem kleinen Häuschen, direkt neben der Obstwiese auf Gut Leidenhausen, hat sich eine Gruppe Interessierter zusammengefunden, um sich eingehend über das Thema zu informieren. Anfänger und Fortgeschrittene lauschen in diesem naturnahen Ambiente den Ausführungen des Gärtnermeisters Stefan Zuber. Dabei legt der Obstbaummeister der Alexianer Klostergärtnerei großen Wert darauf, seinen Kursteilnehmern neben der Theorie auch die Praxis der verschiedenen Techniken ausführlich zu zeigen und einzuüben.

Bei der Obstbaum-Veredelung geht es um das Einpflanzen der gewünschten Obstsorte in einen anderen Baum. Der Zweck dieser recht aufwendigen Methode ist der Erhalt von Obstsorten und deren Vermehrung. Durch den natürlichen Reproduktionsvorgang können sich Edelobstsorten nämlich nicht vermehren - sie verlieren ihr Erbgut und verwildern.

Das Anliegen der Anwesenden ist also ein durchaus kreatives und weil man zur Transplantation der Wunschsorte in einen anderen Baum scharfes Gerät benötigt, wurde im Vorfeld dazu ermuntert, eigenes Schnittwerkzeug mitzubringen.

Eine Reserve hält der Profi allerdings trotzdem bereit, und so finden sich Okuliermesser, Scheren, Äste, Reiser und Veredelungsbänder unter den Materialien, die für den demonstrativen und praktischen Teil unentbehrlich sind.

Der Wissensstand der Kursteilnehmer ist denkbar ungleich. So mancher hat bereits Grundkenntnisse, andere sind "blutige Anfänger", wieder andere selbst professionelle Gärtner, die sich weiterbilden wollen. Gärtner Christoph Kaspers schließt so eine Lücke, denn "die Obstbaumveredelung ist kein Teil der normalen Gärtnerausbildung". Da er mit der Pflege von rund 700 Apfelbäumen betraut ist, kommt ihm das Seminar grade recht.

Reiner Kilimanns Anliegen ist weniger umfassender Natur. Er möchte seinen Boskoop in einen Cox Orange verwandeln, denn zum Direktverzehr sei er der Familie zu sauer. Günter Besten will in seinem teils alten Obstbaumbestand eben diese alten, charakterstarken Sorten erhalten. Einem Granny Smith zieht er einen Roten Boskoop oder den Westfälischen Gülderling vor und kann so gar nicht verstehen, was an einem Boskoop auszusetzen ist. Sein Interesse gilt vor allem neuen Veredelungstechniken, die Grundprinzipien kennt er. Auch Stefan Werz kennt sich von Haus aus mit Baumarten aus - sein Vater war Waldbesitzer im Westerwald. Ihm liegt sein alter Kirsch- und Mirabellenbaum am Herzen.

Zur Seminar-Halbzeit geraten die Baumbesitzer bei einem kleinen Imbiss ins Fachsimpeln. Ihr Wissen geht schon weit über die Sommer- und Winterveredelung oder die Okulation als eine von mehreren Veredelungstechniken hinaus. Man dringt tief in die Materie ein, bei der es um T-Schnitte, Fähnchen und Augen, um geeignete Unterlagen oder die korrekte Lagerung der kostbaren Reiser geht.

Stefan Zuber gelingt es bis in den frühen Nachmittag, die Gruppe zu fesseln und das Erlernte zu vertiefen. Auf die Ergebnisse der praktischen Umsetzung ist jeder Teilnehmer jetzt schon gespannt. Etwas Geduld ist bis dahin allerdings erforderlich.

Zwar zeigt sich schon nach wenigen Wochen, ob eine Veredelung erfolgreich verläuft oder nicht - bis zur essbaren Frucht dauert es aber ein Weilchen....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta