Oberstes Gericht in Liberia suspendiert zweite Runde der Präsidentschaftswahl

Das Oberste Gericht in Liberia hat die zweite Runde der Präsidentenwahl bis auf weiteres ausgesetzt. Das gab der Vorsitzende Richter Francis Korkpor am Montag in Monrovia am Vortag der Stichwahl bekannt. Die Wahlkomission dürfe die zweite Wahlrunde nicht abhalten, bevor nicht die Einsprüche wegen mutmaßlichen Betrugs in der ersten Runde geprüft worden seien.

In der Stichwahl tritt der frühere Profi-Fußballer George Weah gegen Joseph Boakai von der regierenden Einheitspartei (UP) an. In der ersten Runde hatte Weah 39 Prozent erhalten, Boakai kam auf 29 Prozent. Allerdings legte die UP Widerspruch gegen den Wahlgang vom 10. Oktober wegen "massiver Unregelmäßigkeiten" ein.

Der 72-jährige Boakai war bislang Vize-Präsident. Die langjährige Staatschefin Ellen Johnson Sirleaf durfte nicht für eine dritte Amtszeit kandidieren.

Johnson Sirleaf war die erste Frau in Afrika, die zur Staatschefin gewählt wurde. Der scheidenden Präsidentin wird zugute gehalten, das verarmte und kriegszerstörte Land im Westen Afrikas stabilisiert zu haben. Für ihre Aufbau- und Versöhnungspolitik wurde sie 2011 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

Allerdings zählt Liberia immer noch zu den ärmsten Ländern der Erde. Die schwere Ebola-Epidemie zwischen 2014 und 2016 hat die Wirtschaft stark belastet. Auch die Korruption konnte unter Johnson Sirleaf nicht ausgemerzt werden.