Oberstes Gericht in Indien verbietet Blitzscheidungen von Muslimen

Frauen beim Moscheebesuch in Neu Delhi

"Talak, Talak, Talak": nach einer alten muslimischen Tradition reicht die dreimalige Wiederholung des Wortes (übersetzt: Scheidung) aus, um eine Ehe zu beenden - in Indien hat das Oberste Gericht diesen so genannten Blitzscheidungen jetzt ein Ende gesetzt. "Was in der Religion Sünde ist, kann rechtlich nicht gültig sein", erklärte das Gericht am Dienstag. Frauenrechtlerinnen werteten die Entscheidung als historisch.

Die Richter - ein Hindu, ein Christ, ein Muslim, ein Sikh und ein Zoroastrier - bewerteten die Blitzscheidungen als verfassungswidrig und gegen die Regeln des Islam. Indien, offiziell ein säkulares Land, erlaubt religiösen Institutionen ein Entscheidungsrecht in Fragen, die sich um Heirat und Scheidung drehen. Die indische Familienministerin Maneka Gandhi bezeichnete das Urteil als "großen Schritt für die Frauen".

Eine der Klägerinnen, Shayara Bano, begrüßte die Entscheidung des Gerichts als "historisch" für muslimische Frauen. "Ich appelliere an das Volk, die Entscheidung des Obersten Gerichts zu akzeptieren und nicht zu politisieren", sagte sie nach der Urteilsverkündung. In Indien leben rund 180 Millionen Muslime.