Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche an Covid-19 gestorben

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Patriarch Irinej
Patriarch Irinej

Das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche, Patriarch Irinej, ist an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben. Der 90-Jährige sei am Freitag in einem Krankenhaus in Belgrad den Folgen seiner Corona-Infektion erlegen, teilte die serbisch-orthodoxe Kirche mit. Details zur Beerdigung des Patriarchen würden in Kürze bekanntgegeben.

Irinej war Anfang November positiv auf das neuartige Coronavirus getestet und ins Krankenhaus eingeliefert worden. Der Patriarch mit dem bürgerlichen Namen Miroslav Gavrilovic zeigte nach Kirchenangaben zunächst keine Symptome. Später bekam er aber hohes Fieber. Der Gesundheitszustand des 90-Jährigen, der an chronischen Herzbeschwerden litt, verschlechterte sich zunehmend.

Erst vor drei Wochen war das Oberhaupt der serbisch-orthodoxen Kirche in Montenegro, Erzbischof Amfilohije, an Covid-19 gestorben. Patriarch Irinej leitete bei der Beerdigung seines inoffiziellen Stellvertreters den Gottesdienst. Tausende Trauergäste missachteten bei der Zeremonie in Montenegros Hauptstadt Podgorica die Corona-Abstandsregeln. Irinej trug wie die meisten anderen Geistlichen keine Schutzmaske. Nach Behördenangaben führte die Beerdigung zu einer auffälligen Häufung von Corona-Infektionen.

Mehr als 80 Prozent der Einwohner Serbiens gehören der orthodoxen Kirche an, die auch großen politischen Einfluss in dem Balkanstaat hat. "Es war eine Ehre, Sie kennengelernt zu haben", schrieb der serbische Präsident Aleksandar Vucic im Onlinedienst Instagram zum Tod des Patriarchen.

Irinej war eine der führenden Stimmen in der Kampagne gegen die Abspaltung des Kosovo, das sich 2008 von Serbien losgesagt hatte. Die Regierung in Belgrad erkennt die Unabhängigkeit bis heute nicht an und betrachtet das Kosovo als abtrünnige Provinz. 2017 löste der konservative Geistliche eine Debatte aus, als er es als "Pflicht der Frau" bezeichnete, Kinder zu gebären, um die "Nation zu beleben".

bfi/mid