Obdachlosen macht die Hitze zu schaffen

Obdachlosen macht nicht nur die Kälte im Winter zu schaffen, sondern auch die aktuelle Hitze im Sommer. Manche finden die sogar schlimmer. Muriel, Obdachlose in Paris, sagt etwa: "Wir haben uns in den Schatten gestellt. Es ist so heiß, gerade an den Wochenenden, weil die Hilfsorganisationen dann geschlossen haben und ich mich nicht unterstellen kann. Also hängen wir von morgens bis abends hier rum." Ibrahim ist auch obdachlos und drückt sich noch drastischer aus: "Wir sind tot, man sieht es. Ich bin seit 2004 obdachlos. Ich habe eine Frau und Kinder. Wir stehen alle auf der Straße. Man hat den Eindruck, dass wir leben, doch das tun wir nicht."

Taxifahrer helfen beim Wasserverteilen

Hilfe bekommen die unter der Hitze leidenden Obdachlosen von Vereinen und Ehrenamtlichen, erzählt Stephanie, die sich in Paris für Obdachlose engagiert: "Die Idee ist, dass jeder etwas Geld spendet, drei oder vier Euro maximal. Wir teilen uns auf. Jeder geht in eine andere Straße. Wir suchen nach Obdachlosen; schauen, was sie brauchen und gehen dann in Supermärkte und kaufen Wasser, um es zu verteilen. Viele Menschen zeigen sich solidarisch. Selbst Taxifahrer haben ihr Auto vollgepackt und sind durch Paris gefahren, um Wasser zu verteilen und mit den Menschen in Kontakt zu kommen."

Ehrenamtliche fordern mehr Unterstände für Obdachlose

Auf sozialen Netzwerken wie Twitter rufen Ehrenamtliche wie Stephanie immer wieder dazu auf, sich ihnen anzuschließen. Denn sie machen sich Sorgen. Schließlich sind beim Jahrhundertsommer im Jahr 2003 einer Studie zufolge rund 70.000 Menschen in Europa durch die Hitze ums Leben gekommen. Die Vereine wollen verhindern, dass es in diesem Jahr erneut viele Todesfälle aufgrund der Hitze gibt.

Von Frankreichs Verwaltung heißt es, dass alles unter Kontrolle sei. Diesen Eindruck vermittelte auch Anne Souyris, stellvertretende Gesundheitsbeauftragte von Paris: "Im Winter machen die Nächte Probleme, jetzt sind es die Tage. Die Hitze ist problematisch für Obdachlose. Es ist wichtig, ihnen tagsüber Unterstände zu bieten, was wir getan haben. Es geht nicht darum, ihnen nachts einen Schlafplatz zu bieten und sie dann losziehen zu lassen, sondern wir müssen sie dazu bringen, eine dauerhafte Bleibe zu finden. Das machen wir, sicher aber noch nicht oft genug. Ich werde nicht sagen, dass alles wunderbar ist: Es gibt Obdachlose in Paris. Du musst dich nur umdrehen, dann siehst du sie. Das ist ein gesellschaftliches Problem, mit dem wir uns mehr und mehr auseinandersetzen müssen."