Obdachlose und die Wahl: „Um uns kümmert sich ja doch keiner“

Auch Menschen ohne Dach überm Kopf wählen am 24. September.

Der ganz große Andrang ist vorbei, aber der „Warme Otto“ ist an diesem Sommertag auch nach dem Mittag noch gut gefüllt. Zwei Dutzend Leute sitzen an Holztischen, trinken Tee, lesen Zeitung oder würfeln. Durch den schmucklosen Raum, der früher eine Eckkneipe beherbergte, wabert noch Essensgeruch. Spaghetti Bolognese gab es heute. „Das war diese Woche das Festessen“, sagt Bodo Burger. An den anderen Tagen wird Suppe gereicht. „Warmer Otto“ - das ist eine Tagesstätte für Wohnungslose in Berlin-Moabit. Menschen wie Burger, Menschen ohne feste Bleibe können hier nicht nur essen, sondern auch mal Haare oder Klamotten waschen, im Internet surfen, Rat bei Sozialarbeitern suchen, sich ausruhen. Oder über Politik reden.

„Die Merkel baut doch nur Scheiße“, erregt sich Burger, als er nach dem Mahl bei einer Tasse Kaffee eine Boulevardzeitung durchblättert. Durch die vielen Flüchtlinge, ist sich der 54-Jährige sicher, habe die Kriminalität zugenommen. Wohnen sei unerschwinglich, und der Drogenhandel greife immer mehr um sich. „Ich geh' auf jeden Fall zur Bundestagswahl“, sagt Burger entschlossen. Deshalb informiere er sich. „Ich schaue, was die so für Ziele haben. Für mich muss die Innere Sicherheit im Vordergrund stehen.“

Otto Normalbürger bekommt die Wahlunterlagen für den 24. September per Post zugeschickt. Bei wohnungs- oder obdachlosen Menschen, die oft weder in den Melderegistern eingetragen sind noch eine feste Adresse haben, ist das nicht so. Doch auch sie dürfen bei der Wahl ihre Kreuzchen machen, sofern sie deutsche Staatsbürger sind.

Schätzungsweise bis zu 8000 Obdachlose in Berlin

Voraussetzung:...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung