Ich bin obdachlos und niemand sieht es

Nicole Förster
Ich bin obdachlos – trotzdem konnte ich meinen Lebensstandard halten. 

Ich bin obdachlos. Und bevor ihr nun denkt, ich wäre deswegen schmutzig und hätte auch sonst nicht viel vom Leben, solltet ihr meine Geschichte vom Dasein unter freiem Himmel lesen.

Alles begann damit, dass mir mein Vermieter vor 5 Jahren erklärte, er müsse die Wohnung verkaufen. Ich versprach, bald auszuziehen ­– nahm mir insgeheim allerdings vor, die Wohnung selbst zu kaufen.

Um es kurz zu machen: Es hat nicht geklappt. Ich bin Kunstmalerin, seit 20 Jahren erfolgreich, aber nicht reich.

Ich bin stolz auf mich

So bin ich ungeplant obdachlos geworden. Ich habe mich nie geschämt – bin eher stolz auf mich, denn ich kann auch ohne Wohnung und ohne Geld glänzen.

Auf meinem Weg gab es so einige Stationen: Ich wohnte in meinem Fiat 500 Cabriolet, in einem Zelt, einem Anhänger und schließlich wieder in einer normalen Wohnung.

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Ich verzichte absichtlich auf staatliche Gelder, weil ich mich so ganz auf meine Kunst konzentrieren kann, ohne mich vor den Ämtern rechtfertigen zu müssen.

Die öffentliche Toilette mit Blumen dekoriert

Ich fing an, Pfandflaschen zu sammeln – in Rüschenhemdchen und Samtröckchen. Oft spürte ich dabei die Blicke der Passanten. Wer mich auf der Straße sah, dachte wohl kaum, ich sei obdachlos. 

Ich duschte und pflegte mich genauso wie früher, als ich noch in einer Wohnung lebte. Ich wusch und bügelte meine Wäsche, putzte meine Schuhe, machte Sport und hatte Spaß daran, mich schick zu kleiden und meine Haare zu stylen.

Eine Zeit lang tat ich all...

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