NxGn-Lehren: Mit Borussia Dortmund nach ganz oben, England und USA im Aufwind

Goals NxGn-Liste hat etwas von einem flüchtigen Blick in die Zukunft, denn jedes Jahr aufs Neue wird der Weltfußball gescannt und die vielversprechendsten jungen Spieler der Welt unter die Lupe genommen.

Doch neben den individuellen Stärken, die die Teenager auf die NxGn-Liste gebracht haben, geht es auch um die Jugendförderung der einzelnen Klubs, Nationalteams und Ligen. Denn ohne diese spezielle Förderung von Top-Talenten wäre es Spielern wie Kluivert und Co. gar nicht möglich, sich schon heute auf internationaler Bühne zu beweisen.

Hier sind vier Dinge, die sich aus der diesjährigen Top-50 ableiten lassen.

Dortmund bietet einen Weg nach ganz oben

Dan-Axel Zagadou Dortmund

Die Jugendakademien von Vereinen wie Ajax Amsterdam oder Olympique Lyon genießen längst Weltruhm und stehen für Qualität. Wenig verwunderlich, dass es mit Justin Kliuvert und Matthijs de Ligt gleich zwei Ajax-Spieler an die Spitze der Top-50-Liste geschafft haben, während insgesamt drei Talente von OL dabei sind.

Doch weder Ajax noch Lyon stellen die meisten Spieler in der NxGn-Liste, sondern Borussia Dortmund. Vier Talente der Borussia sind vertreten und es fällt auf, dass davon keines selbst ausgebildet wurde, denn die Schwarz-Gelben verstehen es, neben optimaler Förderung der eigenen Jungend, wie kaum ein zweiter Klub, auch Spieler aus anderen Teilen der Welt zu rekrutieren.

Schaut man sich das BVB-Quartett an, wird klar: Alle sind auf dem besten Weg, fester Bestandteil der Bundesliga-Mannschaft zu sein. Nicht umsonst warben die Dortmunder Sergio Gomez, Jadon Sancho und Dan-Axel Zagadou aus den Jugendteams vom FC Barcelona, Manchester City und Paris Saint-Germain ab. Den 18-jährigen Mittelstürmer Alexander Isak holte man sogar aus Schwedens erster Liga ins Ruhrgebiet, um ihn bei der Borussia weiter zu formen.

Es ist natürlich noch früh, doch Sancho (sechs), Zagadou (elf) und Isak (fünf) kommen allesamt auf mindestens fünf Einsätze in der laufenden Bundesligasaison. Sancho ging dabei schon starke 27-mal ins Dribbling – genau so häufig wie Mahmoud Dahoud und Shinja Kagawa, die allerdings auf deutlich mehr Einsatzzeit kommen – während Zagadou auf einen abgefangenen Ball pro Partie kommt.

Wenn auch nur einer von ihnen in die Fußstapfen von Ousmane Dembele treten kann, wird er eine weitere Welle von Teenager-Verpflichtungen ins Rollen bringen.

England könnten bessere Zeiten bevorstehen

Nachdem die englische Nationalmannschaft bei großen Turnieren zuletzt immer versagte, folgten die Three Lions ausgerechnet dem Vorbild des Erzrivalen aus Deutschland und stellten die Strukturen der Nationalteams komplett um. Der Fokus dabei lag vor allem auf Einem: Der Jugendförderung.

Und das scheint sich auszuzahlen, denn in der NxGn-Liste sind insgesamt 8 Engländer vertreten – keine Nation stellt mehr Spieler.

Trotzdem ist diese Entwicklung mit Vorsicht zu genießen, denn die Premier-League-Klubs neigen dazu, ihre Top-Talente schon zu früh ins Rampenlicht zu stellen, obwohl sie kaum Erfahrungen im Profi-Bereich sammeln konnten und noch viel Arbeit vor sich haben. Gerade in Nationen wie Frankreich bekommen junge Spieler zudem viel regelmäßiger die Chance, sich in der ersten Mannschaft zu beweisen, was zur Folge hat, dass sich selbst hochgelobte Youngster wie Sancho dazu entscheiden, England früh zu verlassen.

Trotz dieser Widrigkeiten gibt es zweifellos eine neue Generation an englischen Spielern, die das Zeug dazu haben, einen ganz großen Weg zu gehen. Nimmt man zusätzlich zu Ryan Sessegnon und Phil Foden, die es in die aktuelle NxGn-Liste geschafft haben, noch etablierte Leute wie Dele Alli, Marcus Rashford, Raheem Sterling und John Stones hinzu, kommt man schnell auf eine schlagkräftige Truppe, die sich auch bei künftigen Weltmeisterschaften nicht verstecken muss.

Ryan Sessegnon NxGn

Besonders Sessegnon konnte in der laufenden Spielzeit schon für Furore sorgen, denn er kommt für den FC Fulham auf bärenstarke 14 Treffer und fünf Assists. Und das, obwohl er genau so häufig als Linksverteidiger wie Linksaußen eingesetzt wurde.

Foden durfte zwar erst 18 Minuten für Manchester City in der Premier League ran, spielte sich aber gleich in den Fokus, indem er einen Treffer auflegte.

Kleinere Liga, größeres Schaufenster

Was Profi-Einsätze angeht, ist Gianluigi Donnarumma in der NxGN-Top-50 klar das Maß der Dinge, denn der Stammkeeper des AC Mailand kommt schon jetzt auf über 100 Einsätze für seinen Heimatverein.

Der 19-jährge Italiener gilt als Wunderkind und wurde schon ganz früh ins kalte Wasser geworfen – gerade bei Top-Klubs wie Milan äußerst selten. Ähnlich ging es nur De Ligt bei Ajax oder auch Kai Havertz bei Bayer Leverkusen.

Trotzdem ist es kein Geheimnis, dass man als Teenager nicht sofort bei einem Top-Klub unter Vertrag stehen muss, um eine erfolgreiche Karriere zu haben. Auch erste Gehversuche in kleineren Profiligen können durchaus Vorteile haben. Neben Donnarumma und De Ligt gibt es auch Leute wie Alban Lafont (Toulouse), Sessegnon (Fulham) und Ezequiel Braco (Independiente), die bei kleineren Klubs ihren Durchbruch schafften.

Alban Lafont NxGn

Bei Vereinen die deutlich weniger im Fokus stehen als Milan, Manchester United oder der FC Barcelona bekommen diese Spieler das Vertrauen und dürfen auch mal einen Fehler machen, ohne dafür gleich an den medialen Pranger gestellt zu werden. Wenn die Zeit reif ist, steht einem Transfer zu einem Top-Klub auch nichts im Weg, nachdem man einige Jahre bei kleineren Klubs unter Vertrag stand.

Denn da man heute schon eine exorbitant hohe Summer auf den Tisch legen müsste, um Donnarumma aus Mailand zu verpflichten, könnten auch Talente wie Lafont in den Fokus von Spitzenklubs rücken, die nicht ganz so tief in die Tasche greifen möchten. Er ist das, was man heute einen modernen Torhüter nennt und kommt in der laufenden Saison schon auf 25 abgefangenen Bälle außerhalb des Strafraums – womit er auf Rang sechs aller Torhüter in den fünf Top-Ligen liegt.

Fußball in Amerika auf dem Vormarsch

Alphonso Davies Vancouver Whitecaps MLS

Nachdem es mit Christian Pulisic im Jahr 2017 bereits in Amerikaner auf den dritten Rang der NxGn-Liste geschafft hat, sind auch in diesem Jahr wieder zwei Talente aus dem Staaten dabei: Timothy Tillman und Timothy Weah.

Der Schock, die Weltmeisterschaft 2018 verpasst zu haben, sitzt bei den Amerikanern noch immer tief. Dass die USA vor einigen Jahren allerdings einen neuen Präsidenten im Fußballverband installiert haben, der die Strukturen der Nationalteams komplett umgestellt hat, scheint sich trotz der verpassten Qualifikation langsam auszuzahlen. Hauptaugenmerk bei der Umstrukturierung lang nämlich auf der Jugendabteilung, die in den letzten Monaten einige starke Spieler hervorgebracht hat.

Da Tillman in Deutschland aufgewachsen hat, war er davon zwar nicht betroffen, dafür aber zum Beispiel Pulisic. Der Flügelspieler ist in der Bundesliga der beste Vorbereiter von Borussia Dortmund (vier Assists) und kommt auf die meisten Dribblings (165) und zweitmeisten kreierten Chancen aus dem Spiel heraus (25). Ähnlich sieht es bei Weah aus. Der Sohn der Liberia-Legende und heutigem Präsidenten George Weah wurde in den USA ausgebildet und kommt in der laufenden Spielzeit bereits auf zwei Ligue-1-Einsätze für Paris Saint-Germain.

Ohne Zweifel liegt noch viel Arbeit vor dem amerikanischen Verband, da talentierte Spieler noch viel zu häufig durchs Raster der Talentspäher fallen. So zum Beispiel der 18-jährige Liga-MX-Star Jonathan Gonzalez. In Kalifornien geboren, wurde er in den USA nicht entdeckt, sodass er inzwischen für die Nationalmannschaft Mexikos aufläuft. Vor diesem Hintergrund sollte es das Ziel der MLS sein, weniger in teure Altstars zu investieren, sondern mehr in die Jugend.

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