NVIDIA startet mit dem Quadro durch

Motley Fool Investmentanalyst

Quadro heißen die Grafikprozessor-Einheiten (GPUs) von NVIDIA (WKN:918422), die für Profis konzipiert sind und in vielen Bereichen wie Transport, Technik und sogar bei der Entwicklung von Videospielen zum Einsatz kommen. Professionelle Grafikprozessoren sind besonders nützlich für grafisch anspruchsvolle Computeranwendungen wie Virtual Reality, 3D-Modellierung und fotorealistisches Rendering (um coole Raumschiffe für Guardians of the Galaxy zu designen).

NVIDIA sieht sich jedoch einem verschärften Wettbewerb durch seinen Erzrivalen Advanced Micro Devices (WKN:863186) ausgesetzt. AMD hat versucht, verlorene Marktanteile durch die Einführung seiner neuen leistungsstarken Vega-Grafikprozessoren zurückzugewinnen.

Die jüngste Umsatzentwicklung

Nach einem Rückgang vom Steuerjahr 2015 zum Steuerjahr 2016 kam es im abgelaufenen Geschäftsjahr zu einem plötzlichen Anstieg der Quadro-Umsätze um 11 %, der sich im laufenden Geschäftsjahr fortsetzte. Bei der letzten Telefonkonferenz sagte NVIDIA-CEO Jensen Huang: ?Die Wachstumschancen für Quadro sind vielfältig und es fängt an zu funktionieren.?

Zeitraum Erstes Steuerhalbjahr 2018 Erstes Steuerhalbjahr 2017 Steuerjahr 2017 Steuerjahr 2016 Steuerjahr 2015
Umsatz im Segment Professionelle Visualisierung 440 Millionen USD 403 Millionen USD 835 Millionen USD 750 Millionen USD 795 Millionen USD

Datenquelle: Quartalszahlen von NVIDIA.

Huang gab einige Bereiche an, in denen der Umsatz des Quadro weiter steigen kann. NVIDIA verkündete vor Kurzem Optix 5.0, bei der künstliche Intelligenz die Produktivität von Künstlern und Designern deutlich verbessern wird, wenn sie Bilder visualisieren oder rendern.

Außerdem stellt NVIDIA für seine Quadro-GPUs für dünne Notebooks ein externes Gehäuse zur Verfügung, in dem sich ein Quadro- oder Titan-GPU befindet, der dann über ein Thunderbolt-Kabel mit einem Laptop verbunden werden kann. Dieses System nennt sich externes GPU-System oder eGPU, das Leuten mit dünnen Laptops und langsameren GPUs erlaubt, bei Bedarf die besseren GPUs von NVIDIA zu nutzen.

Schließlich gibt es noch die Möglichkeit der virtuellen Realität (VR). Alle Quadro-Karten von NVIDIA können dafür eingesetzt werden. SuperData geht davon aus, dass der VR-Markt bis 2020 einen Marktwert von 28,3 Milliarden US-Dollar erreichen wird, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 100 % entspricht. Das ist ein sehr schöner Trend für die Quadro-Karten von NVIDIA, ganz zu schweigen für den Verkauf der GeForce-Gaming-Karten.

NVIDIA ist nicht allein

Natürlich ist NVIDIA nicht der einzige Anbieter von Lösungen für professionelle Visualisierung. Advanced Micro Devices stellte Anfang des Jahres die neuen Vega-GPUs vor. Neben der neuen leistungsstarken Karten für Gamer hat AMD auch den Grafikprozessor Vega Frontier Edition auf den Markt gebracht, der ein Konkurrenzprodukt für die Quadro-Prozessoren von NVIDIA darstellt.

AMD führte einen eigenen Test durch, um die Leistung der Vega Frontier Edition mit dem Titan XP von NVIDIA zu vergleichen. AMD holte den Sieg und berichtete von bis zu 172 % schnellerer Rendererleistung als beim Titan XP. Das war jedoch ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen, denn die Frontier Edition ist eine Karte für Profis, während Titan XP von NVIDIA für PC-Gamer gedacht ist. Professionelle Grafikkarten laufen mit einer anderen Treibersoftware als Gaming-Karten. Der Test von AMD lieferte also nicht den besten Vergleich.

Der ideale Vergleich wäre mit NVIDIAs Quadro-GPUs wie etwa den Modellen GP100, P6000 und P5000. Die Frontier Edition von AMD ist deutlich besser als der Quadro P5000 und P6000. Verglichen mit der letzten GP100-Karte ist der Vega mit einer Rechnerpower von 13,1 Teraflops (die Zahl der Operationen pro Sekunde) immer noch schneller als der GP100 mit 10,3 Teraflops (dabei musst du nur eines wissen: je höher die Zahl, desto besser).

Ein weiterer Pluspunkt für AMD ist, dass die Frontier Edition billiger ist und zu einem Preis von 1500 US-Dollar deutlich leichter erschwinglich ist als der GP100 für 6000 US-Dollar. Auch der ältere P5000 ist mit 2000 US-Dollar deutlich teurer und bietet deutlich weniger PS als der Vega Frontier.

Ein Bereich, in dem NVIDIA seine technischen Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat, ist jedoch die Entwicklung leistungsstarker Grafikprozessoren, die im Vergleich zu Konkurrenzprodukten vergleichsweise wenig Strom benötigen. Der GP100 ist zwar weniger leistungsstark als der Vega Frontier, braucht aber nur 235 Watt im Vergleich zu den 300-375 Watt des Vega. Der Vega Frontier ist also schneller, braucht aber auch deutlich mehr Strom, um NVIDIA das Wasser reichen zu können. Der Hauptvorteil von AMD ist momentan der bessere Preis. Wir werden sehen, wie sich das im nächsten Quartal ändern wird.

Die nächsten Quartale werden zeigen, ob NVIDIA sein Wachstum bei den Quadro-Prozessoren fortsetzen kann

Die Möglichkeiten, die sich derzeit Virtual Reality und anderen professionelle Visualisierungsanwendungen bieten, sind groß genug, um AMD und NVIDIA hohe Umsätze zu bescheren. Das neue Angebot von AMD wird die Dinge jedoch ein wenig ändern, während wir uns auf eine neue Runde von Quartalsergebnisse freuen. Der Umsatz im Segment Professionelle Visualisierung stieg im zweiten Quartal des Geschäftsjahres um etwa 10 % für NVIDIA. Damals war der neue Vega Frontier aber noch nicht auf dem Markt. Die neuen professionellen Karten von AMD werden die Sache interessant machen, wenn wir im Herbst die nächsten Quartalszahlen der beiden Unternehmen bekommen.

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The Motley Fool hält und empfiehlt Aktien von Nvidia. 

Dieser Artikel wurde von John Ballard auf Englisch verfasst und am 27.09.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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