Auf Nuss-Affäre folgt Saft-Attacke: Haftbefehl gegen Unternehmerstochter in Südkorea

Demonstration gegen das Gebaren der Cho-Familie in Seoul

Erst die Nuss-Affäre, nun die Saft-Attacke: Die Wutausbrüche der Töchter eines Konzernchefs beschäftigen erneut die Justiz in Südkorea. Die Polizei beantragte am Freitag Haftbefehl gegen Cho Hyun Min, die jüngere Tochter des Chefs von Korean Air, weil sie einem Geschäftspartner Saft ins Gesicht geschüttet haben soll. Ihre große Schwester war bereits verurteilt worden, weil sie wegen einiger Nüsschen an Bord eines Flugzeugs ausgerastet war.

Die Staatsanwaltschaft lehnte eine Vollstreckung des Haftbefehls in der Saft-Affäre zunächst allerdings ab. Die Polizei wirft der Unternehmerstochter Körperverletzung und Geschäftsbehinderung vor. Mit dem Haftbefehl wollte die Polizei verhindern, dass Cho Beweise vernichtet. Korean Air versuchte nach Polizeiangaben bereits, Zeugen des Vorfalls zu beeinflussen.

Die Eskapaden der Cho-Schwestern schlagen in Südkorea hohe Wellen: Sie werden als Symbol für eine Generation verwöhnter und arroganter Nachkommen der superreichen Familienunternehmer gesehen, die Südkoreas Wirtschaft dominieren.

Am Freitagabend demonstrierten rund 400 Mitarbeiter von Korean Air im Zentrum von Seoul gegen die Unternehmerfamilie Cho. In Sprechchören riefen sie "Cho muss gehen!" und "Cho, Du bist gefeuert!" Öffentliche Demonstrationen von Angestellten gegen ihre Firmen sind in Südkorea sehr ungewöhnlich. Von Arbeitnehmern wird ein hohes Maß an Loyalität verlangt.

Viele der Demonstranten am Freitagabend waren maskiert, um nicht erkannt zu werden. Sie warfen der Familie vor, den Bogen überspannt zu haben und ihre Angestellten schlecht zu behandeln. "Die Eigentümer leben in Saus und Braus, und die Angestellten leiden unter extremem Stress", sagte ein demonstrierender Pilot.

Die Cho-Tochter weist den ihr vorgeworfenen Saft-Angriff zwar zurück. Aussagen von Opfern und Zeugen sowie Tonaufnahmen deuteten jedoch auf eine "mutmaßliche Straftat" hin, erklärte die Polizei.

Chos ältere Schwester Cho Hyun Ah hatte im Dezember 2014 mit einem Wutausbruch über falsch servierte Macadamia-Nüsse an Bord eines KAL-Flugs von New York nach Seoul weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Weil die Nüsse in der ersten Klasse in der Tüte statt wie vorgeschrieben in einer Schale serviert wurden, bedrohte und beschimpfte sie die Stewardess und deren Chef und beorderte die Maschine zum Terminal zurück, um den Chefsteward des Flugzeugs zu verweisen.

Ihren Posten als Vize-Chefin bei der Airline und Chefin der Hotelkette KAL hatte Cho nach dem Nuss-Skandal aufgegeben. Wegen ihres Verhaltens wurde sie zu einer Haftstrafe verurteilt, die später in eine Bewährungsstrafe umgewandelt wurde. Im März kehrte sie ins Management der konzerneigenen Hotelkette zurück.

In der vergangenen Woche hatte die südkoreanische Polizei auch noch Ermittlungen gegen die Mutter Lee Myung Hee wegen verbaler und körperlicher Misshandlung von Angestellten aufgenommen.