Nur ein schwarzer Geschworener in US-Mordprozess um erschossenen Jogger Arbery

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Demonstrantin fordert Gerechtigkeit für Arbery (AFP/Sean Rayford)

Im Mordprozess um den Tod des schwarzen Joggers Ahmaud Arbery im US-Bundesstaat Georgia wird in der zwölfköpfigen Jury nur ein afroamerikanischer Geschworener sitzen. Die Anwälte der drei angeklagten weißen Männer blockierten bei der Auswahl der Geschworenen elf der zwölf schwarzen Kandidaten, was am Donnerstag für empörte Reaktionen sorgte.

"Ahmaud Arbery wird erneut Gerechtigkeit verweigert, nachdem er in einer weißen Nachbarschaft gejagt, in die Enge getrieben und erschossen wurde, weil er ein schwarzer Mann war", erklärte der bekannte Bürgerrechtsanwalt Ben Crump. "Das Schicksal seiner Mörder wird jetzt von einer fast ausschließlich weißen Jury entschieden."

Schwarze Jury-Kandidaten seien in einem "zynischen Versuch" ausgeschlossen worden, zu verhindern, dass die Angeklagten zur Rechenschaft gezogen würden, erklärte Crump weiter. Arberys Mutter Wanda Cooper-Jones zeigte sich "schockiert" über die Zusammensetzung der Jury.

Die Auswahl der Geschworenen für den Prozess in Brunswick im Bundesstaat Georgia hatte am 18. Oktober begonnen. Sowohl die Anklage als auch die Verteidigung hatten dabei die Möglichkeit, Kandidaten etwa wegen möglicher Befangenheit auszuschließen. Die Anwälte der Angeklagten sortierten so elf der zwölf schwarzen Kandidaten aus. Die Staatsanwaltschaft legte davon in acht Fällen vergeblich Widerspruch ein.

Richter Timothy Walmsley räumte zwar ein, es könne der Eindruck entstehen, dass es bei der Auswahl der Geschworenen "bewusste Diskriminierung" gegeben habe. Die Verteidiger hätten aber in jedem Fall darlegen können, warum sie sich unabhängig von der Hautfarbe gegen bestimmte Kandidaten ausgesprochen hätten. Die Eröffnungsplädoyers in dem Prozess werden am Freitag beginnen.

Der Fall Arbery hatte im vergangenen Jahr für Empörung und Schlagzeilen gesorgt. Drei weiße Männer hatten den 25-Jährigen am 23. Februar 2020 in einem Vorort von Brunswick mit dem Auto verfolgt und nach einem Handgemenge erschossen.

Der 65-jährige Gregory McMichael, sein 35 Jahre alter Sohn Travis und ihr 52-jähriger Nachbar William Bryan hatten den joggenden Arbery nach eigenen Angaben für einen Einbrecher gehalten. Sie beriefen sich auf ein damals in dem Südstaat geltendes Gesetz, das Bürgern die Festnahme von Verdächtigen erlaubte.

Ein von dem Angeklagten Bryan aufgenommenes Video zeigt, wie die mit einem Gewehr und einem Revolver bewaffneten McMichaels dem rennenden Arbery mit ihrem Pickup den Weg versperren. Es kommt zu einer Auseinandersetzung zwischen Travis McMichael und Arbery, dann sind mehrere Schüsse zu hören und der Schwarze bricht zusammen.

Die örtliche Staatsanwaltschaft ging nach Arberys Tod zunächst nicht gegen die drei Weißen vor und nahm sie wochenlang nicht fest. Das änderte sich erst, als zweieinhalb Monate nach den tödlichen Schüssen das Video von Arberys Tod publik wurde. Der Fall Arbery führte - zusammen insbesondere mit dem Tod von George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis - zu den landesweiten Anti-Rassismus-Protesten, die die USA im Sommer 2020 in Atem hielten.

Die drei Angeklagten haben auf nicht schuldig plädiert. Sie dürften während des Prozesses argumentieren, sie hätten in Selbstverteidigung gehandelt.

fs/mid

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