Nicht nur sauber, sondern rein

Um Geldwäsche aufzudecken, nehmen deutsche Banken pro Jahr rund 40 Milliarden Euro in die Hand, schätzt eine aktuelle Studie. Für das milliardenschwere Engagement der Banken gibt es gute Gründe.


Wer wissen will, wie Geldwäsche funktioniert, dem hilft natürlich – das Fernsehen: In der US-Serie „Breaking Bad“ verdient Drogenkoch Walter White so viel Geld mit dem Verkauf von Crystal Meth, dass er gar nicht mehr weiß, wohin mit all den Scheinen. White muss das Schwarzgeld zurück in die reguläre Wirtschaft bringen, ohne aufzufliegen.

Also kauft er eine Autowaschanlage und rechnet Autowäsche für Kunden ab, die es gar nicht gibt. Problem gelöst: Das Geld ist sauber, seine illegale Herkunft verschleiert. „Geldwäsche ist wie Sauerstoff“, sagte Mexikos Präsident Enrique Peña Nieto. Ohne die Möglichkeit, die illegal erlangten Gelder reinzuwaschen, fehlt den Kriminellen die Luft zum Atmen.

Für Banken gelten deshalb strenge Regeln, um die Umwandlung illegal erlangter Gelder in offizielle Zahlungsmittel zu verhindern. Den Kampf gegen die Geldwäsche lassen sich die Institute einiges kosten: Insgesamt rund 40 Milliarden nehmen die deutschen Institute zur Geldwäschebekämpfung in die Hand, schätzt eine Studie im Auftrag des Datenanbieters Lexis Nexis Risk Solutions. „Das ist eine enorme Summe, die mich selbst überrascht hat“, sagte Seyfi Günay, Direktor für Finanzkriminalität und Compliance bei Lexis Nexis Risk Solutions, bei der Vorstellung der Studie.


Für das milliardenschwere Engagement der Banken gibt es gute Gründe: Bei Geldwäschefällen drohen nicht nur empfindliche Imageschäden, sondern auch horrende Strafen. So musste die Deutsche Bank im Januar umgerechnet knapp 600 Millionen Euro Strafe an Aufseher in den USA und London zahlen. Nach Einschätzungen der Ermittler hatten russische Kunden über die Bank Rubel-Schwarzgeld im Wert von rund zehn Milliarden US-Dollar gewaschen. Sie warfen der Bank damals vor, zu spät auf die verdächtigen Transaktionen reagiert zu haben.

Der Studie zufolge stellen deutsche Institute im Schnitt rund 84 Mitarbeiter ab, um verdächtige Zahlungen aufzudecken. Wenn etwa ein Privatkunde ein Konto eröffnen möchte, prüft die Bank, ob der Kunde auf internationalen Sanktionslisten geführt wird. „Die Sanktionslisten sind besonders wichtig, weil sie Personen und Unternehmen darstellen, mit denen man keine Geschäfte machen kann“, sagt Geldwäsche-Experte Günay.

Bei einer Kontoeröffnung im Auftrag eines Unternehmens wird die Sache schon schwieriger. Denn dann muss die Compliance-Abteilung herausfinden, welche Personen hinter dem Unternehmen stehen. Laut der Studie verwenden die Banken bei Unternehmenskunden im Schnitt mehr als 20 Arbeitsstunden für die Compliance. „80 Prozent der Kosten werden von 20 Prozent der Kunden verursacht“, sagt Günay. Er sieht „erhebliches Potenzial bei einigen Instituten, die Arbeitskraftkosten zu reduzieren und auf Technologie zu setzen“. Der Rat kommt wohl nicht ganz uneigennützig – schließlich bietet seine Firma genau solche Dienste an.


So eindrucksvoll die Summe von 40 Milliarden Euro an Anti-Geldwäschekosten auch klingt: Sie ist lediglich eine Schätzung. Marktforscher führten Interviews mit 51 Compliance-Verantwortlichen bei deutschen Finanzinstituten. Die Banken, Vermögensverwalter und Gelddienstleister ordneten die Macher der Studie drei Größenkategorien zu. „Das Ergebnis haben wir dann auf die Gesamtzahl der deutschen Institute hochgerechnet“, sagt Günay.

Ohnehin sind die Compliance-Abteilungen der Banken nur ein Baustein bei der Geldwäschebekämpfung: Melden die Institute eine verdächtige Transaktion, dann sind die Behörden am Zug. Und dort sieht die Opposition deutlichen Nachholbedarf.


„Die besten Regeln nutzen nichts, wenn nicht mal im Ansatz genügend Personal da ist, um sie zu überwachen und durchzusetzen“, sagte der SPD-Politiker Peter Simon am Dienstag im Ausschuss zu den so genannten „Panama Papers“. Tausende Verdachtsfälle seien wegen Personalmangels unbearbeitet. Den Breaking-Bad-Drogenkoch Walter White hätte das wohl gefreut.

KONTEXT

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von "Offshore-Leaks" die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.