Nicht nur Müller als Härtefall: Ancelottis Qual der Wahl

Martin Volkmar
Willy Sagnol (rechts) soll die Bayern nach der Entlassung von Carlo Ancelotti wieder in die Erfolgsspur führen

Nach zweiwöchiger Länderspielpause startet die Bundesliga wieder durch - und für den FC Bayern kommt es direkt zu einer wichtigen Standortbestimmung. 

Nach den Auftaktsiegen gegen Leverkusen und in Bremen muss der Rekordmeister am Samstag (ab 18 Uhr im LIVETICKER) beim Vorjahresvierten Hoffenheim antreten.

Pünktlich zu den ersten Wochen der Wahrheit mit insgesamt sieben Spielen in 23 Tagen hat Trainer Carlo Ancelotti fast den gesamten Kader wieder zur Verfügung. Nur auf einer Position gibt es Probleme. 

SPORT1 gibt einen Überblick über die Duelle um die Startplätze.

- Innenverteidigung: Süle oder Martinez?

Dauerpatient Jerome Boateng konnte am Mittwoch das komplette öffentliche Training mit der Mannschaft absolvieren und steht nach dreieinhalb Monaten vor der Rückkehr in den Kader.

Wesentlich weiter ist bereits Javi Martinez, der einen Monat nach seinem Muskelfaserriss im Supercup gegen Dortmund vergangenen Mittwoch im Testspiel in Offenbach sein Comeback feierte.


Dennoch dürfte für beide ein Einsatz noch zu früh kommen, so dass neben Mats Hummels erneut Neuzugang Niklas Süle bei seinem Ex-Klub Hoffenheim starten wird.

- Linker Verteidiger: Rafinha oder Friedl?

Die Position links hinten ist aktuell die einzige Problemzone bei Bayern. Nachdem Juan Bernat noch bis Oktober ausfällt, erwischte es nun auch Stammkraft David Alaba.

Der Österreicher erlitt im WM-Qualifikationsspiel gegen Georgien eine Kapselverletzung im linken Sprunggelenk und wird vermutlich erst nach der nächsten Länderspielpause im Oktober wieder fit sein.

Da Ancelotti Ersatzmann Marco Friedl mit seinen erst 19 Jahren noch zu unerfahren ist, wird Rafinha wie schon im Supercup die Seiten wechseln und Alaba bis auf Weiteres vertreten.

- Defensives Mittelfeld: Rudy oder Vidal?

Aus dem Trio Corentin Tolisso, Arturo Vidal und Sebastian Rudy muss einer auf die Bank. Die schlechtesten Karten hat Vidal, der nach einer rund 15-stündigen Rückreise von der WM-Quali erst am Donnerstag wieder ins Training eingestiegen ist.


Vermutlich gibt Ancelotti dem nach zwei empfindlichen Niederlagen körperlich und psychisch angeschlagenen Chilenen eine Pause.

Rudy hingegen, der nach einem Schlag auf den Fuß im Länderspiel gegen Norwegen ausgewechselt werden musste, gab grünes Licht für das Duell mit dem Ex-Verein.

- Offensives Mittelfeld: Thiago oder Müller?

Hier hat Ancelotti tatsächlich die Qual der Wahl, denn alle Mann sind wieder an Bord. Sogar James Rodriguez meldete sich nur fünf Wochen nach seinem beim Audi Cup erlittenen Muskelbündelriss im Oberschenkel zurück.

Der Kolumbianer spielte am Dienstag überraschend in der WM-Quali gegen Brasilien 90 Minuten durch und zeigte dabei eine gute Leistung. Dennoch kommt die Startelf für ihn noch zu früh, zumal er wie Vidal einen 15-stündigen Rückflug in den Knochen hat.

Da auf den Außenpositionen Arjen Robben und Franck Ribery gesetzt sind, fällt die Entscheidung für die Position in der Zentrale hinter Robert Lewandowski erneut zwischen Thiago und Thomas Müller. In Bremen hatte Ancelotti bekanntlich auf den von ihm sehr geschätzten Thiago gesetzt und damit für deutlichen Unmut bei Müller gesorgt. Danach sprachen sich mehrere Führungsspieler wie Kapitän Manuel Neuer für Müller aus.


Es ist daher sicher die spannendste Frage, ob Ancelotti erneut den Konflikt mit dem Publikumsliebling und damit auch Fans und Teilen der Mannschaft sucht. Rein von der Formkurve her müsste Müller ohnehin spielen.

Perspektivisch ist aber auch eine Tannenbaum-Variante in der Offensive mit Thiago zentral sowie James links und Müller rechts eine Option, denn Ancelotti wird seinen Routiniers Ribery (34) und Robben (33) immer wieder Verschnaufpausen geben.

In Hoffenheim allerdings wird es am Ende einmal mehr um die Frage gehen: Spielt Müller?