Nur ein „Disneyland-Spektakel“: Experte hält den Traum vom fahrerlosen Auto für ausgeträumt

·Lesedauer: 2 Min.

Autonomes Fahren wird gemeinhin als Weg gesehen, Kosten zu sparen und durch die Vertreibung des Menschen vom Fahrersitz vielleicht sogar leben zu retten. Nichtsdestotrotz werden auch fahrerlose Technologien weiterhin auf den Menschen angewiesen sein. Und diese notwendige menschliche Aufsicht wird Unternehmen und Konsumenten oft mehr kosten, nicht weniger. So lauten die Thesen von Ashley Nunes, Direktor des Bereichs Wettbewerbspolitik beim R Street Institute, einem US-amerikanischen Thinktank. Nunes forscht dort zu Transportsicherheit, Ordnungspolitik und Produktivität.

In einem Kommentar für die US-Ausgabe von „Business Insider“ knöpfte Nunes sich kürzlich das autonome Fahren und den damit häufig einhergehenden Technikoptimismus vor, also den Glauben, dass Maschinen dienstbarer sind als Menschen. Der Gedanke scheine zunächst einleuchtend, denn Sensoren und Software würden nicht ermüden, sich nicht beschweren und keine Bezahlung verlangen — gewissermaßen ein Garant für die Profitsteigerung. Aus diesem Grund hatten gerade Fahrdienstanbieter Millionen in die Technologie investiert.

Fahrerlose Technologien bedürfen menschlicher Aufsicht

Aber erstens seien die meisten fahrerlosen Utopien dieser Unternehmen bisher „mehr Fiktion als Fakt“ geblieben. Auch deswegen, so Nunes, hätte Uber-Konkurrent Lyft kürzlich seine selbstfahrende Sparte an Toyota verkauft. Und zweites bedeute autonom nicht ‚ohne Menschen‘. Die würden nämlich auch bei fahrerlosen Technologien eine Rolle spielen: „Der Grund? Ähnlich wie bei Menschen kann man bei Maschinen nicht davon ausgehen, dass sie immer alles richtig machen.“ Es brauche immer eine menschliche Aufsicht.

Das habe sich beispielsweise in der Geschichte des Autopiloten gezeigt. Die 1912 zuerst vorgestellte Technologie nimmt den menschlichen Piloten die Balance des Flugzeugs ab, um einen ruhigeren Flug zu gewährleisten. Allerdings sei auch das nicht ohne Fehler vonstattengegangen. So stürzte 1985 ein Jetliner der China Airlines beinahe ab, nachdem der Autopilot die Crew nicht über einen bevorstehenden Kontrollverlust informiert hatte.

Auch das autonome Fahren bleibe bisher auf Menschen angewiesen, die aus der Ferne die Systeme überwachten; oder auf Kundenbetreuer, die den Menschen bei Fragen zur Seite stünden. Und nicht zuletzt brauche es auch teure Ingenieure, die bei Straßenproblemen aushelfen — beispielsweise, wenn eine Spur durch parkende Autos oder Verkehrspylonen blockiert ist.

Traum vom autonomen Fahren ist nur ein „Disneyland-Spektakel“

All diese Ausgaben würden mehr, nicht weniger Ausgaben bedeuten. Gerade für einen Wirtschaftszweig, der Schwierigkeiten hat, profitabel zu werden, sei das ein Problem. Bisher, so Nunes, sähe es nicht so aus, als könnten ihre Investitionen in fahrerlose Technologien die Unternehmen finanziell entlasten.

Die Technologie bleibe letztlich hinter ihrem Science-Fiction-Image und ihren schillernden Pilotprojekten zurück: „Es wird Zeit, dass wir den Traum vom autonomen Fahren als das erkennen, was er ist: ein Disneyland-Spektakel“, schreibt Nunes. Denn auch wenn fahrerlose Fahrzeuge beispielsweise schon bald über die A10, eine wichtige Straße in England, rollen, brauche die viel beschworene Revolution des Fahrens technische Perfektion. Und die könnten, wenn überhaupt, nur sehr wenige Entwickler garantieren. Bis sich das ändere, werde es weiterhin menschliche Fahrer geben.

sb