Nicht nur Aubameyang: Tiefe Gräben beim BVB

Christoph Küppers

Der späte Ausgleich durch Jeremy Toljan zum 2:2 gegen den SC Freiburg konnte auch nichts mehr daran ändern: Mit einem gellenden Pfeiffkonzert verabschiedeten die BVB-Fans ihre Spieler in den Samstagabend.

Das Spiel und seine Begleitumstände stehen sinnbildlich für die aktuelle Lage bei Borussia Dortmund. Es herrscht große Unruhe. Von dem von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke im vergangenen Dezember geäußerten Wunsch nach etwas mehr Entspannung und Harmonie im neuen Kalenderjahr? Keine Spur! Stattdessen Probleme pur.

PROBLEM FANS

Gleich mehrfach und überraschend früh und laut tat das schwarzgelbe Publikum seinen Unmut kund. Galten die Pfiffe zunächst nur dem wechselwilligen Pierre-Emerick Aubameyang, trafen sie später die ganze BVB-Mannschaft, die teils patzig reagierte.

Torwart Roman Bürki kritisierte nach dem Spiel am Sky-Mikrofon vor allem die Fans auf der Ost- und West-Tribüne ("Ich höre keine Unterstützung von diesen Leuten. Die haben keine Ahnung vom Fußball.") und fing sich prompt einen Anpfiff seines Chefs ein. Manager Michael Zorc mächtig angefressen in der Mixed Zone: "Die Aussage ist unangemessen und inhaltlich falsch. Ich empfehle den Spielern, die 90 Minuten nochmal am Stück anzusehen. Da müssen sie aufpassen, dass sie nicht selbst pfeifen."


Tatsächlich ist der Ärger der Anhänger nach dem total fahrigen und indisponierten Auftritt verständlich: Fehlpässe, kaum Torchancen, kein Tempo zur rechten Zeit, unfassbare Ballverluste im Offensivspiel, ein lahmendes Aufbauspiel durchs Zentrum.

Kurzum: So gar nicht das, was der neue Trainer Peter Stöger versprochen hatte, als er vor einigen Wochen verkündete, selbst er könne diesen BVB nicht unattraktiv spielen lassen.

PROBLEM AUBAMEYANG

Es ist nicht zu hoch gegriffen, bezeichnet man das Wechseltheater um Pierre-Emerick Aubameyang als Nährboden aller schwarzgelben Unruhe.

Am Samstag erlebte der Torjäger einen mehr als unglücklichen Nachmittag. Bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen, sammelte er im ganzen Spiel gerade einmal 20 Ballaktionen. Seine mickrige Ausbeute vor dem Tor: eine einzige Möglichkeit.

Aubameyang macht aktuell nicht wirklich nicht den Eindruck, unbedingt ein Tor erzielen oder für die Mannschaft arbeiten zu wollen, was Trainer Peter Stöger auf der Pressekonferenz nach dem Spiel indirekt bestätigte: "Er hat schon bessere Tage gehabt und sich in eine Gruppe von Spielern eingegliedert, die nicht ihre Topleistung abgerufen hat."

Das Problem: Eine Lösung in der "Auba-Frage" ist weiter nicht in Sicht. Der BVB pokert weiter: Manager Zorc bekräftigte nach dem Spiel noch einmal: Man sei transferbereit, wenn ein interessierter Verein die Dortmunder Vorstellungen erfülle. Nach SPORT1-Informationen sind dies weiter knapp 65 Millionen Euro. Der FC Arsenal bietet aber weiterhin knapp zehn Millionen weniger. 

PROBLEM MANNSCHAFT

Das Transfertheater spaltet auch die Dortmunder Mannschaft. SPORT1 weiß aus Spielerkreisen: die Unterstützer Aubameyangs im Team lassen sich längst an einer Hand abzählen. Viele Profis wünschen sich Klarheit, die eigentlich nur lauten kann: Abschied – und damit Ruhe.

Stattdessen hängt die sichtlich verunsicherte Truppe weiter in der Luft. Nuri Sahin unmittelbar nach dem Spiel bei Sky vielsagend: "Der Trainer trifft die Entscheidungen und die gilt es zu akzeptieren. Jeder im Kader hat die Berechtigung zu spielen."

Fakt ist: die Mannschaft hat aktuell auch ohne Aubameyang genug mit sich selbst zu kämpfen: Kein Leader auf dem Platz, schwache individuelle Leistungen, unerklärliche Fehler. Die aktuellen Gräben beim BVB tun da ihr Übriges.