Nummer eins beim DFB? "An ter Stegen führt kein Weg vorbei"

Reinhard Franke
Uwe Kamps (r.) war von 2009 bis 2014 der Torwarttrainer von Marc-Andre ter Stegen bei Borussia Mönchengladbach

Marc-Andre ter Stegen ist in der Form seines Lebens.

Für den 25-Jährigen geht es seit knapp anderthalb Jahren stets bergauf. Bei seinem Klub, dem FC Barcelona, ist er seit der Saison 2016/2017 Stamm-Keeper und überzeugt durch starke Leistungen.

Aktuell ist er mit nur vier Gegentreffern die klare Nummer 1 der Primera Division.

Auch in der Nationalmannschaft hat er sich nach anfänglichen Problemen etabliert. Beim Confed-Cup-Triumph avancierte ter Stegen in Abwesenheit von Manuel Neuer bereits zu dessen überzeugendem Stellvertreter.

Bei WM die klare Nummer zwei - oder sogar mehr?

Kein Wunder, dass Bundestrainer Joachim Löw zuletzt verkündete, ter Stegen sei bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland seine Nummer zwei hinter Neuer.

Doch auch ein WM-Startplatz ist seit der Verletzung des Bayern-Torwarts nicht mehr komplett ausgeschlossen.

Wie die Bild wissen will, verzögert sich das zur Rückrunde geplante Comeback Neuers nach dessen Mittelfußbruch um weitere fünf Wochen, so dass er erst Ende Februar wieder spielen könnte.


"Kann sein, dass Neuer nicht rechtzeitig fit wird"

"Momentan kann es sein, dass Manuel Neuer nicht rechtzeitig fit wird und nicht mit zur WM fahren kann", sagt ter Stegens Mentor Uwe Kamps im Gespräch mit SPORT1.

"Vielleicht sagt er selbst, dass er noch nicht so weit ist."

Für diesen Fall müsse sich Fußball-Deutschland keine Sorgen machen.

"Marc-Andre spielt seine Spiele auf einem sehr hohen Niveau runter", sagt Kamps, der ter Stegens als Torwarttrainer bei Borussia Mönchengladbach von 2009 bis 2014 betreute und zum Bundesliga-Torwart machte:

"Damit bereitet er sich für die Situation vor, dass er in Russland die Nummer eins sein kann."


Kamps: Mittelfristig auf jeden Fall DFB-Stammkeeper

Geht es nach Kamps, der zwischen 1982 und 2004 satte 457 Ligaspiele im Gladbacher Tor bestritt, muss ter Stegen zumindest mittelfristig nicht auf die Verletzung anderer bauen: 

"Ich glaube, dass es so kommen wird, dass man an ihm nicht vorbei kommt. Dass er derjenige sein kann, der im deutschen Tor stehen wird. Marc-Andre ist die nächste Nummer eins, denn er ist ein kompletter Torwart und es fehlt ihm an nichts. Er ist in allen Bereichen stark."

Es gebe zudem "keinen Keeper, der so stark mit dem Fuß ist, auch bei hohen Bällen und im Eins-gegen-Eins-Spiel. Zudem hat er sich bei seiner Präsenz enorm weiter entwickelt".

Auch nach Fehlern cool

Dass ter Stegen in seinen ersten Länderspielen mehrfach eine schlechte Figur abgegeben hat, habe ihm genauso wenig geschadet, wie das erste Jahr in Barcelona, wo er sich in der Liga hinter Claudio Bravo anstellen musste.

"Marc-Andre wurde durch die Fehler, die er gemacht hat, nur besser und hat daraus bis heute gelernt. Bei einem Top-Klub wie Barca und hat er seine Phasen durchlaufen, als es nicht ganz so gut lief", erklärt Kamps.

"Er ist aber stabil geblieben. Das ist eine große Stärke von ihm, auch nach Fehlern nicht aufzustecken. Das motiviert ihn nur."

Die Entwicklung des Schlussmanns, dem der FC Barcelona den Vertrag des bis 2022 verlängert hat, sieht nicht nur Kamps als beispielhaft an.

"Wie Marc-Andre beim Confed Cup in der Kabine aus sich rausgegangen ist, hat mir gefallen", sagte Bundestorwarttrainer Andreas Köpke dem kicker.

"Er hat sich als Nummer zwei etabliert. Ich bin froh, dass ter Stegen nach einem holprigen Start bei uns richtig angekommen ist."

Weil es womöglich schon im nächsten Jahr mit dem Status der Nummer zwei vorbei sein kann.