Ein NS-Justizmord: Der Tag, an dem Walerjan Wróbel in Hamburg hingerichtet wurde

„Liebe Mutti und Vati. Ich schreibe die letzten Worte an euch, da ich nicht zurückkehre nach Hause, denn es ist mir etwas Schweres geschehen. Aber ich bitte noch Gott, den Allmächtigen, möge er mir in der allerletzten Stunde helfen, damit ich zur Beichte und zur Kommunion gehen kann. Gute Nacht, liebe Mama, Papa, Bruder und Schwesterchen.“

Walerjan Wróbels Abschiedsbrief. Am Morgen des darauffolgenden Tages schreitet Hamburgs Henker Friedrich Hehr zur Tat. In der Hamburger Untersuchungshaftanstalt Holstenglacis endet am 25. August 1942 um 6.15 Uhr das Leben des gerade mal 17-jährigen Jungen unterm Fallbeil. Was für ein Verbrechen!

Walerjan Wróbel ist ein wenig zurückgeblieben

Walerjan Wróbel wird am 2. April 1925 im Dorf Falków südlich von Warschau geboren. Er wächst mit zwei Geschwistern in einfachen bäuerlichen Verhältnissen auf. Er ist ein bisschen zurückgeblieben. Die Schule mag er nicht. Er hat immer nur Quatsch im Kopf, muss mehrfach die Klasse wiederholen.

„Immer nach der Schule gingen wir zum Kühehüten aufs Feld“, erzählt Czeslaw Dabrowski, Walerjans Freund aus Kindertagen. „Dabei hatten wir viele Flausen im Kopf. Wir haben die Kühe losgebunden und über die Weiden gehetzt. Damals im Dorf gab es ja kein Spielzeug. Nichts haben wir gehabt. Höchstens einen Ofenring. Den konnten wir dann mit einem Drahtbügel über die Dorfstraße treiben.“

Wróbels Haus wird im Zweiten Weltkrieg zerstört

Am 1. September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg. Fünf Tage später greifen deutsche Bomber auch das Dorf an. Zahlreiche Häuser, darunter das der Wróbels, werden zerstört. Die Dorfbewohner leben in den Trümmern oder kommen bei Nachbarn oder Verwandten unter.

Weil immer mehr deutsche Männer an der Front kämpfen, rekrutieren die Nazis in...Lesen Sie den ganzen Artikel bei mopo