NS-Aufarbeitung: der Brief aus Nürnberg

Es war ein unscheinbarer Brief, der in Peter Hirschmann die Vergangenheit wieder aufleben ließ. Der aus Deutschland stammende Jude Hirschmann, vor 80 Jahren war er vor den Nazis nach Amerika geflohen. Das Haus seiner Familie in Nürnberg ging an die Familie von Doris Schott-Neuse, die Hirschmann jetzt den Brief schrieb.

“Als ich den Brief gelesen habe, sind mir die Tränen in den Augen gestanden”, erzählt Hirschmann. “Es war ein sehr persönlicher Brief. Sie haben uns das Haus weggenommen und ihrem Großvater gegeben. Wenn er überhaupt dafür bezahlt hat, dann war es ein Pappenstiel.”

Doris Schott-Neuse hat in der Vergangenheit ihrer Familie recherchiert, in der Vergangenheit des schmucken Hauses in einer Nürnberger Villengegend, das einst den Hirschmanns gehörte. Als sie die Wahrheit erfuhr, war sie geschockt: “Es ging mir auch um die Information, was da genau war. Aber als ich den Brief geschrieben habe, hat sich das etwas gewandelt. Es war mir dann ein Bedürfnis, auszudr ücken, dass es mir sehr leid tut, was passiert ist.”

Seitdem steht sie mit Hirschmann in Kontakt. Wut und Hass fühlt der 92-Jährige nicht. Er freut sich, dass Doris Schott-Neuse die Vergangenheit nicht ignoriert, wie es andere Menschen tun. Er habe der Briefschreiberin einen Rat gegeben, so Hirschmann. Sie solle sich nicht von der Vergangenheit verfolgt fühlen.